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Symbolischer erster Spatenstich: Jürgen Blankenberg (gsp), Frank Junker (ABG), Mike Josef und Peter Matteo (Groß & Partner)

Stadtplanung

Güterplatz: Hier entsteht ein teures und kompliziertes Wohnquartier

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Bis 2021 entstehen am Güterplatz 522 Wohnungen, Büros und ein Hotel. 10.000 Euro pro Quadratmeter werden verlangt. Wegen der Nähe zur U-Bahn-Baustelle ist das Großprojekt eines der kompliziertesten in der ganzen Stadt.

Überall in der Stadt wird gebaut: 4722 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt. Davon waren nur 221 öffentlich gefördert, wie Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in der vergangenen Woche im Stadtparlament sagte. „Ein Armutszeugnis“, findet der Stadtverordnete Eyup Yilmaz (Linke). „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.“

Der entsteht aber auf dem ehemaligen Telenorma-Areal am Güterplatz, wo gestern der erste Spatenstich für ein großes Bauprojekt gesetzt wurde, nur in sehr eingeschränktem Maß. Von den 522 Wohnungen werden nur 27 mit öffentlichen Mitteln gefördert, um niedrige Mieten zu garantieren. Das ist eine Quote von fünf Prozent. Üblicherweise schreibt die Stadt bei neuen Bauvorhaben einen Anteil von 30 Prozent vor.

Doch auf dem Telenorma-Areal sei das nicht möglich gewesen, sagte Josef. Er begründet das mit der Historie des Grundstücks: Ein Vierteljahrhundert lag es brach, für das dort vorgesehene Bürohochhaus fand sich kein Investor. Schließlich war die Robert Bosch GmbH als Eigentümerin zu Preisabschlägen bereit, die städtische ABG Holding kaufte das Areal zusammen mit zwei privaten Partnern. Die Stadt war froh, dass es voranging.

Bis 2021 entstehen für insgesamt rund 330 Millionen Euro Wohnungen, Hotel, Büros, Supermarkt, Kita und Tiefgarage. Allein die ABG investiert 82 Millionen Euro in 259 Wohnungen, die in einer siebengeschossigen Randbebauung untergebracht werden. Für die 232 frei finanzierten Wohnungen werde die Miete bei etwa 12,50 Euro pro Quadratmeter liegen, kündigte Junker an. Den niedrigen Anteil von Sozialwohnungen werde die städtische Gesellschaft an anderer Stelle kompensieren. „Wir bauen innerhalb von fünf Jahren insgesamt 10 000 Wohnungen. Davon sind 40 Prozent öffentlich gefördert.“

In einem 98 Meter hohen Wohnturm mit dem Namen „Eden“ errichtet das Unternehmen gsp Städtebau 263 Eigentumswohnungen. Jürgen Blankenberg, Geschäftsführer von gsp, sprach von einem Durchschnittspreis von 10 000 Euro pro Quadratmeter. „Das hat mit der Lebensrealität der meisten Frankfurter nichts zu tun“, findet Mike Josef, der das Projekt aus städtebaulichen Gründen dennoch für sinnvoll hält. Er sprach von einem neuen Eingang für das Europaviertel.

Blankenberg begründet die Preise mit den hohen Baukosten für ein Hochhaus, die schon bei etwa 5500 Euro pro Quadratmeter lägen. Trotz des Preises seien schon 90 Prozent der Wohnungen reserviert. „Es ist zwingend nötig, dass eine Stadt auch solche Angebote hat.“ Das von Helmut Jahn und Magnus Kaminiarz entworfene Gebäude, das im nordwestlichen Teil des Grundstücks entsteht, wird durch „vertikale Gärten“ geprägt.

Wie das zweite Hochhaus, der von Groß & Partner entwickelte 128 Meter hohe Büro- und Hotelturm „The Spin“, genau aussehen wird, steht noch nicht fest. Zwar hat sich der Hamburger Architekt Hadi Teherani mit seinem Entwurf durchgesetzt. „Aber wir sind noch in Gesprächen über die Gestaltung.“ Auf 21 Etagen wird ein Vier-Sterne-Hotel der Marke NH Collection mit 428 Zimmern einziehen. Die obersten zehn Etagen, die etwas versetzt angeordnet werden, bleiben Büros vorbehalten.

Die in unmittelbarer Nähe verlaufende U-Bahn ins Europaviertel macht das Bauvorhaben besonders schwierig. „Normalerweise hätten wir einen 60 Meter breiten Streifen freihalten müssen“, sagte Junker. „Dann hätten wir nicht bauen können.“ Doch mit der Stadtbahn-Baugesellschaft habe man sich auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Bis 2021 müssen die Gebäude stehen. Damit das gelingt, werden bis zu 1000 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle tätig sein.

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