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Gut behütet durch die Jahrhunderte

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Von: Alexandra Flieth

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Gebannt lauschen die Schillerschüler in der Städel-Ausstellung Ottilie W. Roederstein den Ausführungen der Kunstpädagogin. Im Zentrum stehen dabei die Kopfbedeckungen der auf den Bildern abgebildeten Menschen. FOTO: rüffer
Gebannt lauschen die Schillerschüler in der Städel-Ausstellung Ottilie W. Roederstein den Ausführungen der Kunstpädagogin. Im Zentrum stehen dabei die Kopfbedeckungen der auf den Bildern abgebildeten Menschen. © Rainer Rüffer

Schillergymnasium vergleicht im Städel historische Kopfbedeckungen

Im Klassenzimmer der 5c der Schillerschule wird an diesem Morgen fleißig gebastelt - das Thema sind Kopfbedeckungen, die die Mädchen und Jungen selbst nach ihren Vorstellungen gestalten sollen - aus Pappe, mit ein wenig Farbe und zugeschnitten mit der Schere. Inspiriert von den Hauptfiguren eines Kult-Videospiels, haben Richard und Frederik (beide 10) sich ihre individuellen Hutmodelle angefertigt. Und auch Nachbar Zeyad (10) hat sich für seine Kreation beeinflussen lassen - von den Kopfbedeckungen der Pharaonen.

Geöffnet nur für Schüler

Zusammen mit dem Rest ihrer Klasse wartet auf die drei an diesem Vormittag noch ein Besuch im Städel, wo sie sich Gemälde anschauen werden, auf denen ebenfalls Kopfbedeckungen zu sehen sind. Ihre selbstgebastelten Hüte nehmen die Schüler aber nicht mit. Bei ihrem Besuch im Museum geht es nicht nur um den Hut als Accessoire, sondern vielmehr auch um dessen Bedeutung in früheren Jahrhunderten. Und das soll anhand von Gemälden Alter Meister, vor allem aber anhand der Bilder der deutsch-schweizerischen Künstlerin Ottilie W. Roederstein (1859 - 1937) gezeigt werden, deren Arbeiten derzeit in der Sonderausstellung „Frei.Schaffend“ (noch zu sehen bis 16. Oktober) gezeigt werden.

Die Gymnasiasten sind an diesem Vormittag nicht die einzigen, die sich auf einen Besuch im Museum freuen dürfen. Denn die gesamte Schule, etwas mehr als 1200 Mädchen und Jungen, machen beim Schillerschultag im Städel mit, das eigens zu diesem Anlass seine Türen öffnet. Je nach Jahrgangsstufe arbeiten die Gymnasiasten zuvor in Workshops in der Schule zu ganz unterschiedlichen Themen und bereiten sich so auf die Führungen durch das Museum vor. Während es für die Fünftklässler um Kopfbedeckungen geht, beschäftigen sich etwa die Zehntklässler mit dem Thema Selbstbildnisse, für die Mädchen und Jungen der Oberstufe geht es unter anderem um Klischees und Helden.

Doch ganz gleich, welches der Themen für die Schüler im Mittelpunkt steht, ihr Weg im Städelmuseum führt sie am Ende immer in die Ausstellung von Ottilie W. Roederstein. Die studierte einst an der Städelschule und porträtierte sich häufig in Selbstbildnissen, gerne mit Hut. Sie war aber zu ihrer Zeit in Frankfurt vor allem eine Künstlerin, die das Konterfei gutsituierter Bürger der Stadt malerisch auf Leinwand bannte. Und sie lebte gegen die damaligen gängigen Konventionen zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Elisabeth H. Winterhalter (1858 - 1952), die eine der ersten Ärztinnen und Chirurginnen in Deutschland war, in einem Haus in Hofheim am Taunus.

„Die Planungen für diesen Tag laufen seit rund sechs Monaten“, erzählt Katja Sacher, die die Schulveranstaltung gemeinsam mit ihrer Kollegin Nora Battenberg und in Zusammenarbeit mit dem Städelmuseum organisiert hat. Die Schillerschule ist seit dem 1. Februar 2022 eine von zwei Schulen in Hessen, die sich „Profilschule Kulturelle Bildung: Bildende Kunst“ nennen darf.

Geführt wird die Klasse von der studentischen Kunstvermittlerin Helena Semmler, die die Schüler danach fragt, warum sich Menschen überhaupt ihren Kopf bedecken? Ideen haben die Mädchen und Jungen viele - als Accessoire, aus religiösen Gründen, aber zum Beispiel auch, um Macht zu demonstrieren mit Verweis auf die Krone eines Königs. Am Beispiel eines kleinen Porträts eines jungen Mannes des Renaissancemalers Tizian (1488 - 1576) stellt Semmler unter anderem dar, was Kopfbedeckungen in der damaligen Zeit ausgesagt haben. Der Porträtierte trage ein Barett, das einst bei gebildeten und gutsituierten Männer beliebt war. Und heute? Im Anschluss gucken sich die Schüler am Mainufer die Passanten an, versuchen anhand der Kopfbedeckungen, sie einzuordnen. Alexandra Flieth

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