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Einer der Angeklagten verbirgt sein Gesicht vor Verhandlungsbeginn.

Bluttat im "Interconti“-Hotel

Gutachter: Teufelsaustreiber handelten nicht im Wahn

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Wer seiner kulturellen Prägung gemäß an Dämonen glaubt, handelt nicht wahnhaft. Für die koreanischen Angeklagten, die ihre Verwandte beim Exorzismus getötet haben, heißt das: Sie wussten, was sie taten.

Im psychiatrischer Hinsicht völlig gesund und schuldfähig. So lautet die Diagnose des psychiatrischen Sachverständigen Andreas Angelov, die er gestern im Prozess um die tödliche Teufelsaustreibung im „Interconti“-Hotel den drei erwachsenen Angeklagten gestellt hat. Die beiden Jugendlichen kommen am 17. Februar an die Reihe.

Angelov hatte im Laufe des Ermittlungsverfahrens mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Sowohl die 44 Jahre alte Hauptangeklagte als auch deren mitangeklagte Tochter (19) verweigerten sich vollständig einer ärztlichen Untersuchung. Nur der Sohn (22) machte zumindest Angaben zu seinem Lebenslauf sowie zum Verhältnis zwischen ihm und seiner Mutter.

Aus diesem spärlichen Material und der über die Verteidiger im Prozess abgegebenen Einlassungen musste sich der Fachmann seine Erkenntnisse zusammenstellen. Das gestern vor der Jugendstrafkammer vorgetragene Gutachten fiel entsprechend kurz aus. Die wichtigsten Punkte: Weder bei der Mutter noch bei Sohn und Tochter liegen psychiatrische Krankheiten oder anderweitige Störungen vor, die Einflüsse auf deren Schuld- und Steuerungsfähigkeit haben könnten. Ausdrücklich nahm Angelov dabei zu möglichen Zusammenhängen zwischen religiösen Überzeugungen und krankhaften Wahn Stellung.

So sei der Glauben an Geister und Dämonen, den Teufel und dessen Austreibung „nicht per se ungewöhnlich oder gar abstrus“ wenn dieser „in Kontext mit der Glaubensausrichtung eines entsprechenden Kulturkreises“ stehe. Ein krankhafter Wahn liege nämlich nur bei „falschen Überzeugungen aufgrund unrichtiger Schlussfolgerungen“ vor, deren Gegenteil klar bewiesen werden könnten. Bei Geistern, Dämonen und dem Teufel aber könne man dies eben nicht. Und deshalb sei die Tötung der 41 Jahre alten Verwandten in dem Hotel auch nicht wahnhaft motiviert gewesen.

Ein zweites Stichwort für den psychiatrischen Facharzt aus Riedstadt war das der „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“. Auch wenn die Angeklagten in jener Zeit im Dezember 2015 in dem angemieteten Haus in Sulzbach und später in dem Hotelzimmer nur wenig geschlafen und deshalb entsprechend übernächtigt gewesen seien, komme eine Bewusstseinsstörung im psychiatrischen Sinne nicht in Betracht. Entscheidend sei, ob die der Bewusstseinsstörung zugrundeliegende Straftat im Affekt begangen worden sei. Dazu sah der Mediziner wegen des „sehr langgezogenen Tatgeschehens“ über mehrere Stunden keinen Anhaltspunkt.

Nachdem es am Vormittag durch eine plötzliche ergänzende Einlassung des 22-jährigen so ausgesehen hatte, als könnte der Terminplan der Strafkammer erneut ins Rutschen geraten, war am Nachmittag die Erörterung des Gutachtens doch abgeschlossen.

Am 17. Februar soll nun der zweite Gutachter aussagen, der sich mit den beiden jeweils 16 Jahre alten Jugendlichen beschäftigt hatte. Am Mittag sind dann bereits die Schlussvorträge vorgesehen und am 28. Februar soll dann das Urteil verkündet werden.

Der Prozess gegen die fünf Koreaner, deren Übersiedlung nach Deutschland – hier wollten sie ein Unternehmen gründen – zum Fiasko wurde, läuft bereits seit Oktober. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen gemeinschaftlichen Mord mit dem Merkmal der „besonderen Grausamkeit“ zur Last.

Vier der fünf Angeklagten ließen über die Verteidiger den äußeren Handlungsablauf einräumen, bestritten aber einen wie auch immer gearteten Tötungsvorsatz entschieden. Unter den jugendlichen Angeklagten ist auch der Sohn der Toten, der laut Anklage auf die Frau eingeschlagen haben soll, selbst aber jeden Vorsatz bestritt.

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