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Frankfurt: Regionaltangente West nimmt endlich Fahrt auf – „Einfach mal gute Nachrichten“

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Von: Simone Wagenhaus

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Der Bau der Regionaltangente West kann beginnen.
Der Bau der Regionaltangente West, die den Hauptbahnhof Frankfurt entlasten soll, kann beginnen. © Boris Roessler/dpa

Bis zur Fertigstellung 2028 wird gut eine Milliarde Euro in die Regionaltangente West in und um Frankfurt investiert. Nun steht der erste Spatenstich bevor.

Frankfurt – Jahrzehntelang wurde über die Regionaltangente West nur geredet – nun steht endlich der erste Spatenstich bevor. Im April sollen die Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik beginnen. Für September ist der Baubeginn für ein Kreuzungsbauwerk in Neu-Isenburg und eine Brücke am Bahnhof Frankfurt-Stadion geplant. "Wir sind froh, dieses Etappenziel erreicht zu haben. Und dank guter Planung können wir auch fast unmittelbar loslegen", sagt Horst Amann, Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft.

Für den ersten Abschnitt der RTW wurde am Freitag von Behördenseite der Planfeststellungsbeschluss, eine Art Baugenehmigung, erteilt. Das teilte das hessische Verkehrsministerium mit. Dabei geht es konkret um den Ausbau der 13,7 Kilometer langen Bahntrasse zwischen Kelsterbach über den Flughafen Frankfurt nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag.

Frankfurt: Regionaltangente West eine wichtige Infrastrukturmaßnahme

Im Rhein-Main-Gebiet fehlt bislang anders als etwa in Berlin ein Schienenring rund um den Ballungsraum. So müssen beispielsweise Pendler und Reisende nördlich und nordwestlich von Frankfurt zum Hauptbahnhof fahren und dort umsteigen, wenn sie per Bahn zum Flughafen wollen.

Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, sagt, dass die Kapazitäten sowohl des zentralen S-Bahntunnels unter der Frankfurter Innenstadt als auch des Hauptbahnhofs ausgereizt seien. "Die RTW sorgt nicht nur hier für eine Entlastung bestehender Linien, sondern bringt auch neue Direktverbindungen."

Die RTW gilt als die bedeutendste regionale Infrastrukturmaßnahme seit dem Bau des Frankfurter S-Bahn-Tunnels. Sie soll den Taunusrand und den Nordwesten Frankfurts über Sossenheim, Höchst und den Industriepark mit dem Regionalbahnhof des Flughafens, dem Stadion und Neu-Isenburg verbinden.

RTW-Chef Amann geht nach wie vor davon aus, dass auch das Nordwestzentrum durch einen Ast von der Heerstraße kommend angebunden wird. "Wir treiben diese Planung voran, sind aber natürlich auch von der Siedlungspolitik abhängig, so dass wir nicht an allen Stellen so Gas geben können, wie wir es eigentlich wollten." Hintergrund ist, dass die RTW auch das geplante Wohngebiet an der A5 erschließen soll.

Regionaltangente West soll Nahverkehr in Frankfurt entlasten

Die Regionaltangente wird aus zwei Linien bestehen, die sich im Mittelstück überlagern. Dabei werden 26 Haltestellen angefahren, wovon 12 bereits bestehende S-Bahnhöfe sind. Das Besondere ist, dass es eben eine tangentiale Schienenverbindung ist: Der Hauptbahnhof Frankfurt dient als Knotenpunkt, damit auch der S-Bahn-Tunnel und die stark frequentierten Linien ins Stadtzentrum entlastet werden. Ziel ist es, Pendler zu bewegen, das Auto stehen zu lassen. Die Gesamtstrecke ist 50 Kilometer lang; 27 Kilometer davon sind bestehende Bahntrassen, 23 müssen neu gebaut werden.

Das ist der geplante Streckenverlauf der Regionaltangente West.
Das ist der geplante Streckenverlauf der Regionaltangente West. © RTW Planungsgesellschaft 2019

Die Planung zieht sich bereits über mehr als zwei Jahrzehnte hin. Die Kosten für das gesamte Projekt der Regionaltangente West liegen nach bisheriger Kalkulation bei rund 1,1 Milliarden, für den ersten Abschnitt beläuft sich die Kostenschätzung auf etwa 185 Millionen Euro. Geplant ist, die Gesamtinbetriebnahme der RTW bis 2028. Um dieses Ziel zu erreichen, wird sich das Land Hessen "weiter als Gesellschafter in der RTW-Planungsgesellschaft engagieren und die Umsetzung des Projekts auch in Zukunft unterstützen".

Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der RTW Planungsgesellschaft ist, betont, dass die Regionaltangente den Verkehr in und durch die Innenstadt spürbar entlasten werde. "Frankfurt wird maßgeblich von diesem Projekt profitieren, genauso wie die Menschen in der Region."

"Das sind einfach mal gute Nachrichten", sagt Vorsteherin Susanne Serke (CDU), die sich im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) seit langem für das Projekt einsetzt. Denn gerade für die westlichen Stadtteile bedeute die Regionaltangente eine "spürbare Verbesserung für die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr". Sie freue sich darüber, dass mit dem Planfeststellungsbeschluss "ein Meilenstein" geschafft sei.

Frankfurt: Bau der Regionaltangente West beginnt – „Erfreulich“ und „wünschenswert“

Katja Klenner (CDU), Vorsteherin im Ortsbezirk 8 (Heddernheim, Nordweststadt, Niederursel), mahnt trotz aller Euphorie: "Es ist erfreulich, dass es mit dem Bau der RTW endlich losgeht. Eine direkte Anbindung an das Nordwestzentrum ist aus Sicht des Frankfurter Nordwestens weiterhin wünschenswert. Die Fahrtzeiten zum Beispiel Richtung Flughafen würden sich für uns deutlich verkürzen."

Das betont auch Johannes Lauterwald (Grüne), Chef vom Ortsbezirk 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen): "Der Abzweig zum Nordwestzentrum muss weiterverfolgt werden. Er ist nicht nur ein wichtiger Lückenschluss zu den U-Bahn-Linien 1, 2 und 3, sondern die Voraussetzung für die städtebauliche Entwicklung im Nordwesten der Stadt." Dass es aber nun endlich losgehe, lobt der Grüne: "Die RTW ist einer der großen Schritte zur Mobilitätswende in der Region. Wenn wir schnellere Verbindungen schaffen, steigen mehr Menschen auf öffentlichen Nahverkehr in der Region um." (lhe)

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