Kämpfen für den Niederbrunnen, der der Sage nach bei Kinderwünschen hilft: Ortsbeirätin Petra Korn-Overländer und Werner Hardt, der Vorsitzende des Niederräder Bezirksvereins.
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Kämpfen für den Niederbrunnen, der der Sage nach bei Kinderwünschen hilft: Ortsbeirätin Petra Korn-Overländer und Werner Hardt, der Vorsitzende des Niederräder Bezirksvereins.

Geschichte Niederrads

Guter Hoffnung für den Baby-Brunnen

Der Niederbrunnen erzählt die Geschichte vom Storch und von einer alten Wasserstelle. Jetzt soll der Brunnen wieder sichtbar gemacht werden.

Frankfurt hat die Hirschkuh an der Mainfurt, Niederrad den Klapperstorch am Niederbrunnen. Denn auch das alte Niederrad kennt eine Sage, die weit in die Geschichte zurückreicht. Darin geht es um den Bauern Wendolinus und seine Frau, die einen am Brunnen gestrandeten Storch aufpäppelten und mit einem strammen Buben belohnt wurden.

Doch von dieser alten Geschichte ist am heutigen, denkmalgeschützten Niederbrunnen an der Schwanheimer Straße 107 nichts mehr zu sehen. Wenn überhaupt, entdeckt man hinter hohen Hecken und Zäunen verborgen noch einen alten mit einer Sandsteinplatte abgedeckten Schacht. An einer aufgestellten Sitzbank ist noch die Jahreszahl 1953 zu lesen, als Erinnerung an die Wiedereinweihung des Brunnens mit Storchenfigur durch Oberbürgermeister Walter Kolb.

"Verschwunne is des lauschisch Eck, sein neue Platz mäscht gar kaan Spaß", hat deshalb auch der Niederräder Liedermacher Rainer Weisbecker gedichtet. An diesem Zustand möchte Petra Korn-Overländer (SPD) vom Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) etwas ändern: In der jüngsten Sitzung wurde ihr Antrag beschlossen, den Brunnen wieder sichtbar zu machen und auch eine Tafel mit den wichtigsten historischen Daten aufzustellen.

Denn derzeit führt nur ein halböffentlicher Umweg von der Straße im Mainfeld 42 zum Brunnen. "Der Niederbrunnen ist ein bedeutendes historisches Denkmal. Über Jahrhunderte versorgte er die Niederräder Bevölkerung mit Wasser", betont Korn-Overländer in ihrer Begründung.

Im Zuge der Bebauung des Mainfeldes sei er jedoch von seinem ursprünglichen Platz am Niederräder Ufer an seinen jetzigen Standort auf einem privaten Grundstück versetzt worden. Da Korn-Overländer die Information erhielt, dieses Grundstück gehöre der ABG-Holding, fordert sie in ihrem Antrag den Magistrat auf, sich mit der Immobiliengesellschaft in Verbindung zu setzen. "Weder das genannte Grundstück noch der Brunnen gehören der ABG", sagt jedoch deren Geschäftsführer Frank Junker.

Eine Tafel soll erzählen

Der Vorsitzende des Niederräder Bezirksvereins, Werner Hardt, geht von einer Eigentümergesellschaft aus. "Wir sind für den Brunnen zuständig und müssen die Gegebenheiten recherchieren, um ihn besser sichtbar zu machen und seine Geschichte mit einer Tafel zu veranschaulichen", erklärt Gabriele Schuster vom Kulturamt. In seinem Buch "Niederrad in Wort und Bild von 1128 bis heute" hat Hardt die Sage und die historischen Daten des Brunnens festgehalten. Demnach wurde er schon im Dreißigjährigen Krieg erwähnt und hat nichts mit dem Stadtteil Nied zu tun, sondern mit der niedrigsten Stelle in Niederrad.

Die Sage reicht bis in die Anfänge des Dorfes Niederrad zurück, als sich in Mainnähe bereits einige stattliche Bauernhöfe angesiedelt hatten und sich Bauer Wendolinus und seine Frau vergeblich eigene Kinder wünschten.

Erst als das Paar den verhungerten Storch durch den Winter pflegte und er im Frühjahr frisch gestärkt zum Niederbrunnen zurückflog, wurde die Bäuerin schwanger. Der Brunnen wurde zum beliebten Treffpunkt. Vor allem die Waschfrauen schätzten sein weiches Wasser. "Doch geschöpft werden konnte nur bis 1901/1902, da nach der Eingemeindung Niederrads nach Frankfurt neue Wasserleitungen verlegt und die Quelle des Niederbrunnens abgeleitet wurden", erklärt Hardt.

Der Brunnenschacht wurde mit einem schweren Deckel versehen. Bereits 1911 konnten der Bezirksverein und eine eigens gegründete Niederbrunnengesellschaft das Wahrzeichen neu errichten, 1953 wurde der instandgesetzte Brunnen durch OB Kolb neu eingeweiht, wenn auch ohne Wasser. "Doch bei der Mainfeldbebauung 1970 wurde der Brunnen nicht wie vorgesehen für eine Versetzung abgetragen, sondern durch einen Bagger plattgemacht", klagt Hardt.

Die Reste wurden an heutiger Stelle wiedererrichtet, zeitweise gab es in einem der Hochhäuser sogar eine Gaststätte "Zum Niederbrunnen". Hardt vermutet, dass der Brunnen eingezäunt wurde, da sich Nachbarn über dortige nächtliche Feiern beschwerten. "Doch wenn man die Hecke kürzt oder den Zaun gar entfernt, könnte die Geschichte des Niederbrunnens wieder erlebbar werden", hofft Petra Korn-Overländer.

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