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Gutes tun trifft auf Geschmack: Benefiz-Kochen für die Ukraine

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Von: Sabine Schramek

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Der Meister und die Azubis: Jan Hoffmann, Pauline Moran, Farin Koch und Sina Ellinger
Der Meister und die Azubis: Jan Hoffmann, Pauline Moran, Farin Koch und Sina Ellinger enrico sauda © sauda

Profis und Azubis der Bergiusschule tischten ihren Gästen mächtig auf

„Wenn Du siehst, wie die Menschen leiden, willst Du einfach helfen. Es sind unsere Nachbarn und es gibt so viele, denen es nicht gut geht. Da willst Du einfach etwa machen“, sagt Sternekoch Carmelo Greco, der mit Angelo Bonanno, seinem Azubi im dritten Lehrjahr, Nougat in Form einer Bienenwabe mit feinstem Vanilleeis, Puderzucker, dicken Himbeeren und Himbeerpulver dekoriert. „Alleine kann man nicht so viel machen, aber eine Aktion wie hier ist toll, da bin ich dabei“, so Greco.

Drei Azubis des Bergiusschule arbeiten in seinem Restaurant im Ziegelhüttenweg, Bonanno steht mit in einer der Küchen der Schule und strahlt. „Es macht Spaß und es sind viele Leute hier, denen es offenbar auch gefällt“, beobachtet er die 105 Gäste, die für einen Abend voller Genuss an sieben Stationen kulinarische Köstlichkeiten angeboten bekommen. Jeder von ihnen hat 111 Euro Eintritt bezahlt, je 100 Euro gehen an den Ukrainefonds von UN Women Deutschland. „Eine größere Spendenaktion hat es an Frankfurter Schulen wohl noch nicht gegeben. Die Schule ist einfach toll“, so Greco.

Frankfurter Häppchen

Hoch konzentriert zaubern Küchenchef Markus Wolf und vier Azubis klitzekleine kunstvolle Frankfurter Häppchen. Ausgehölte Pellkartoffel mit Grüner Soße, gehacktem Ei und einem Minichips, der das Amuse Bouche knuspern lässt. Frankfurter Linsen gerollt in Teig mit hausgemachtem Entenbrustschinken und Senf-Confit. Und Sauerteigbrot mit Handkäs mit Musik aus eingelegter Zwiebel und einem klitzekleinen Kerbelblatt. „Gestern haben wir sechs Stunden lang vorbereitet, heute sind wir ebenfalls seit Mittag dabei“, verrät der Koch. Die Gäste naschen und loben und fühlen sich wohl bei passenden Weinen. Und sie bewundern die Kunst der früheren Lehrerin Dorothee Thiele, die ersteigert werden kann.

Durch die ganze Schule führt das leckere Essen. Ceviche von der Jacobsmuschel und konfierter Lachs mit Gurkensud gibt es als Vorspeisen. Geschmorter Kürbis mit Blauschimmel Espuma danach von Jan Hoffmann, der im Seven Swans einen Michelin-Stern erkocht hat und nach der Schließung der Villa Philippe in Kronberg jetzt ein Pop-up Restaurant im Seehaus im Englischen Garten in München betreibt. „Als die Anfrage kam, war ich sofort dabei“, sagt er strahlend. „Der Abend ist für einen guten Zweck, die Kollegen sind toll und ich kann endlich wieder mit meinen Azubis Sina, Fari und Pauline arbeiten.“ Alle drei besuchen die Bergiusschule und sind daher in anderen Lokalen Frankfurt geblieben. Es macht ihnen sichtlich Spaß, das ausgefallene Gericht zuzubereiten und wie einen Herbst-Traum zu dekorieren. Schulleiterin Susanne Albert betrachtet zufrieden die vielen Köche, Azubis und beeindruckten Besucher. „Alle drei Klassen und eine weitere sind komplett dabei. Wir alle wollen uns einsetzen für die Menschen in der Ukraine.“

Nach Hirschrückencrepinette mit Nüssen, Kerbelwurzelpüree und wildem Brokkoli lockt die Tombola. Für je 10 Euro pro Los gibt es von Kaffeemaschinen über Übernachtungen, Essen und Yoga-Auszeit spannende Gewinne. „Auch die Preise sind komplett gesponsert worden für die Spendenaktion“, so Sabine Stubbe, die die Öffentlichkeitsarbeit für die Bergiusschule mit ihren 1600 Azubis macht.

Fritz Stalter ist mit seinem Kaffeestand von „The Holy Cross Brewing Society“ hier. „Ich habe hier die Hotelausbildung und mich dann mit unserem Familienbetrieb selbstständig gemacht“, verrät er. Dass er heute dabei ist, sei „Ehrensache“.

Die ehemaligen Schüler Florian und Sebastian Hölscher, die als Chefkoch und Chef-Patissier das Dorint-Hotelrestaurant in Oberursel leiten, haben Linda mitgebracht. Die junge Frau ist im März aus der Ukraine vor dem Krieg geflohen. Sie arbeitet jetzt ebenfalls in der Küche des Restaurants und hat ein Rezept für die traditionellen Warenki ihrer Oma mitgebracht und mit Pflaumen verfeinert. Sie hat Tränen in den Augen, als sie die vielen Gäste sieht und erzählt, dass ihre Familie im Kriegsgebiet geblieben ist. „Es tut sehr weh und ist furchtbar“, sagt sie. „Dass ich Arbeit gefunden habe und dass ich sehen kann, wie sehr uns die Menschen in Deutschland unterstützen ist so schön, dass ich kaum Worte finde. Ich bin unendlich dankbar.“ SABINE SCHRAMEK

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