Gerade der Westhafen spielt im dem neuen Krimi von Franziska Franz eine wichtige Rolle.
+
Gerade der Westhafen spielt im dem neuen Krimi von Franziska Franz eine wichtige Rolle.

Frankfurt-Krimi

Gutleutviertel: Nur der Main ist ihr Zeuge

  • vonGernot Gottwals
    schließen

Autorin legt neue Krimi vor: Mörderischer Ausflug in die Welt der Schönen und Reichen

Gutleutvierte -lMein Haus, mein Auto, mein Boot. Francesco Lione weiß, was Frauen beeindruckt. Doch für die junge Melinda Brandt wird ein Bootstrip mit dem muskulösen Traummann zum Alptraum: Niedergeschlagen erwacht sie am Westhafen mit Filmriss und blutender Wunde. Wo ist Francesco? In seiner Wohnung sind nur teure Kleider einer Frau zu finden, deren Leiche später geborgen wird. Hat sie am Ende zwei Menschen auf dem Gewissen?

"Blutmain" heißt der neue Krimi von Franziska Franz, und er spielt in der Welt der Schönen und Reichen. Glamouröse Modeschauen und schicke Villen im Dichter- und Diplomatenviertel gehören ebenso dazu wie Segeljachten, schnelle Autos und die Bad Homburger Spielbank. Kein Wunder, dass die Eltern kaum Verständnis für ihre Tochter Melinda haben, die diese doch recht eitle und oberflächliche Welt als Model auf dem Laufsteg genießt. Und dann ist da noch ihr Ex-Freund Mike, der auf Francesco eifersüchtig ist. Kann er ihr in ihrer Not helfen?

Manchmal auch Kinderbücher

"Da ich als Autorin eine gute Beobachterin bin, komme ich nicht umhin, in gewissen Gegenden Frankfurts auch auf die Schönen und Reichen zu stoßen", sagt Franziska Franz. Die in Detmold geborene Autorin, die seit ein paar Jahren regelmäßig Krimis und Kinderbücher schreibt und in jungen Jahren sogar als Schauspielerin in der Serie "Angelo und Luzy" zu sehen war, hat selbst eine erwachsene Tochter und kommt schließlich zu der Entscheidung, dass Melinda in Frankfurt eine Ersatzfamilie finden soll.

Und die braucht Melinda schneller, als ihr lieb ist: Denn nachdem die Polizei sie am Folgetag ihres Bootsabenteuers ohne Führerschein in Francescos Flitzer aufgreift, der offenbar der ermordeten Frau gehört, steckt sie richtig tief in Schwierigkeiten. Doch zum Glück hat sie die richtigen Nachbarinnen: Die Anwältin Beate Pauli und die Privatdetektivin Carla Senkrecht, die "ihre" Melinda nicht im Stich lassen.

Das starke Frauenteam, das den Polizeikommissaren zuweilen einen Tick voraus ist, mag ein wenig an die Serie "Ein Fall für zwei" erinnern. Doch Franz ließ sich nicht etwa von der Grundidee inspirieren, die Polizei durch eine Anwältin und eine Privatermittlerin vorzuführen. Ihr geht es um Melinda und den kompensierten Elternwunsch eines Frauenpaars. Und natürlich um Francesco, den offensichtlichen Schlüssel zur Lösung dieses verzwickten Falles.

Das Geld reifer Damen

Und so wird auch seine Lebensgeschichte erzählt. Auch er arbeitet als Model und zuweilen als Callboy, verdient und erschwindelt sich das Geld, das ihm die Tür zur Bad Homburger Spielbank öffnet. Hier erobert er auch die Herzen gut betuchter und reiferer Damen. Doch die wahre Gefahr scheint nicht vom Traum ums schnelle Geld in der Spielbank auszugehen. Denn die schönen und reichen Damen, die hier regelmäßig verkehren, haben längst ausgesorgt, gönnen sich aber gegenseitig nicht die Butter auf dem Brot. Und erst recht nicht Francesco, nach dem Melinda immer noch sucht und sich dabei in höchste Not begibt. Doch Carla Senkrecht lässt ihren Schützling nicht aus den Augen. "Gerade die reichen Damen, die sich teilweise sogar durch Operationen ihre Jugend zu erhalten suchen, wollen natürlich lieber einen jungen, attraktiven Mann an ihrer Seite haben", betont Franz. Wer ihre Krimis kennt, ahnt die Konstellation: Der begehrte, doch in Wahrheit eher selbstverliebte Gigolo, trifft auf die selbstbewusste, aber etwas naive junge Frau, die ihr Glück in der Großstadt sucht. Da ist Gefahr in Verzug. Und die beiden Ersatzmütter, die auch mal selbst am Rand der Legalität agieren, bekommen ihren Auftritt.

"Blutmain" ist für 13 Euro im Gmeiner-Verlag erschienen. Am 3. September liest die Autorin um 20.15 Uhr bei "Buch und Weib", Berger Straße 122, aus ihrem Werk. gernot gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare