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Ein mit 24 000 Litern Wasser gefülltes Kissen bedeckt den Fundort. Das Wasserkissen soll verhindern, dass bei der Detonation der Bombe, die auf einer Baustelle am Ratswegkreisel gefunden wurde, Teile herumfliegen.

Kampfmittelräumdienst

So haben Experten die Fliegerbombe im Ostend gesprengt

Eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde bei Bauarbeiten auf einem Gelände am Ratswegkreisel entdeckt und erfolgreich gesprengt. Unter einem rechteckigen weißen Wassersack, gefüllt mit 24 000 Liter Wasser.

Das Gelände am Ratswegkreisel zwischen der A 661 und der Hanauer Landstraße ist mit großen Scheinwerfer beleuchtet wie das Spielfeld im Fußballstadion während eines Abendspiels. Experten bereiten die Sprengung einer amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg vor. Um 14 Uhr war die Bombe am vergangenen Donnerstag bei Bauarbeiten auf dem Gelände entdeckt worden.

Umgehend wurde der Kampfmittelräumdienst gerufen. René Bennert von Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen, fällt nach kurzer Begutachtung ein schnell ein Urteil: „Wir müssen sprengen. Der Zünder der Bombe ist deformiert. Den kann man nicht transportieren.“

Wie Maulwurfshügel

Während Feuerwehr und Polizei die Evakuierung im Umkreis von 150 Metern planen, weite Straßensperren und den Stopp von öffentlichen Verkehrsmitteln einleiten, ein Bürgertelefon schalten und 70 Einsatzkräfte bereitstellen, bringt Bennert die Sprengladung nah an der Bombe an und legt eine lange Zündschnur. Vorsichtig bedeckt der Baggerführer die Fundstelle mit 1,50 Meter Erde, darüber wird ein eckiger weißer Wassersack mit 24 000 Litern Wasser gefüllt. Aus einiger Entfernung sieht er aus wie ein riesengroßes Wasserbett mitten in Maulwurfshügeln.

„Die sind bei der Tiefensondierung durch Bohrverfahren im Erdreich entstanden“, erklärt Bennert. „In die Löcher werden Plastikrohre für die Sonde gesteckt, die Magnetfelder entdeckt. So suchen wir Anomalien im Boden. Hier war es die Bombe.“ Sie wiegt 500 Kilogramm und hat noch eine Sprengkraft von etwa zehn Kilogramm. Hoffentlich ist das Grafitto an der Betonwand gegenüber kein schlechtes Omen – dort ist ein orangener Feuerteufel gesprüht, der eine Flamme über der ausgestreckten Hand tanzen lässt.

Noch innerhalb der Straßensperre liegen der Internetknotenpunkt De-Cix mit seinen Sicherheitsgebäuden, der IT-Gewerbepark im Osthafen und eine Tankstelle. Da hier keine Wohnungen sind, sondern nur Gewerbe, müssen Feuerwehr und Hilfsdienste keinen Evakuierungsraum für Anwohner organisieren. Die Firmenmitarbeiter fahren vor der Sprengung nach Hause. Um 20.20 Uhr gehen dann die Lichter in benachbarten Fast-Food-Restaurants aus, die wegen der Sprengung schließen. Auch die Tankstelle macht zu. Um 20.45 Uhr werden Zu- und Auffahrten der A 661 gesperrt. Es ist gespenstig still am Ratswegkreisel. Die Leuchtreklamen sind dunkel. Nur das Brummen eines Polizeihubschraubers ist zu hören. Er sucht mit einer Wärmebildkamera die Gegend nach Personen ab, die sich noch im gesperrten Gebiet befinden könnten.

„Die Sprengung selbst wird nur Millisekunden dauern“, sagt Bennert, der schon 1999 bei der Bundeswehr für die Entschärfung von Bomben ausgebildet worden war und seit 2014 beim Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen arbeitet. „Danach müssen auch noch alle eventuellen Reste weg, die wir dann mit Sonden suchen.“ Wie oft er schon Bomben entschärft oder gesprengt hat, weiß er nicht mehr. „In dieser Woche ist es auf jeden Fall die erste.“

Wasserkissen ist geplatzt

Um 21.15 Uhr ist alles still. Plötzlich durchdringt ein lauter dumpfer Knall die Nacht. Der Sprengstoffexperte hat den Knopf gedrückt. Es ist im ersten Moment nicht klar, ob alles gut gegangen ist. Als kein Martinshorn zu hören ist, sondern weiterhin nur Blaulicht der Einsatzfahrzeuge an den Sperrungen zu sehen ist, wird aufgeatmet. Nach einer Weile ist zu sehen, dass das Wasserkissen geplatzt ist, Wasser läuft in Strömen rund um die Sprengstelle, bildet Seen in der lehmigen Erde. Um 21.44 Uhr wird die Verkehrssperre weitgehend aufgehoben. Nur die Abfahrt Frankfurt-Ost der A661 bleibt noch zu. Nach und nach rattern allmählich dann auch wieder Straßenbahnen und Busse fahren. Ein Bagger schaufelt unermüdlich Erde auf die Sprengstelle. Bennert sieht zu und nickt zufrieden. Um 22.30 Uhr ist der Spuk dann vorbei, überhaupt nichts deutet mehr auf eine brenzlige Situation hin.

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