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Der Pfingstberg ist die letzte große und zusammenhängende Freifläche, die es in Nieder-Eschbach noch gibt. Der neue Ortsvorsteher Ernst-Peter Müller will sich dafür einsetzen, dass das auch so bleibt.

Ortsvorsteher setzt sich für Erhalt ein

Hände weg vom Pfingstberg

Ernst Peter Müller (58) ist der neue Ortsvorsteher von Nieder-Eschbach. Der vierfache Vater gehört zur CDU. Thomas J. Schmidt hat mit ihm gesprochen.

Ihr Vorgänger Holger Dyhr war 15 Jahre im Amt. Ortsvorsteher scheinen in Nieder-Eschbach lange zu halten. Wollen Sie auch so lange durchstehen?

ERNST PETER MÜLLER: Holger Dyhr ist hier in Nieder-Eschbach eine Institution. Er ist ja auch Vorsitzender des Vereinsrings. Ich würde mich nie mit ihm vergleichen. Leider hatte er sich entschlossen, nicht mehr zu kandidieren. Das war eher überraschend, und auch für mich ist das neue Amt überraschend gekommen. Ich muss mich erst mal einleben.

Also denken Sie noch nicht an eine zweite Amtszeit?

MÜLLER: Nein. Und wenn, entscheiden das die Wähler und der Ortsbeirat.

In Nieder-Eschbach braucht man im Ortsbeirat keine Koalition, sondern man versteht sich meistens durch Zuruf, per du über die Parteigrenzen hinweg, und sucht seine Mehrheiten. Sollte Kommunalpolitik überall so aussehen?

MÜLLER: Wir können nicht viel entscheiden, wir haben keinen Haushalt zu verabschieden. Aber wir sind nahe dran im Stadtteil. Es gibt viel Übereinstimmung im Interesse der Sache, und wir sind uns oft einig. Die stärkste Fraktion unterstützt auch Anträge anderer Fraktionen, wenn es in der Sache richtig ist.

Fühlen Sie sich als Ortsbeiräte gewürdigt und angehört?

MÜLLER: Oftmals nicht. Eine frühere Oberbürgermeisterin hat uns mal als Kanaldeckelpolitiker bezeichnet. Aber Stadt, Land oder Bund wären gut beraten, auf die Ortsbeiräte zuzugehen. Wir sind das Fundament, sind näher bei den Leuten. Ich habe mich in den vergangenen Jahren nicht immer gut behandelt gefühlt im Römer oder in Wiesbaden. Dabei machen wir das auch alles ehrenamtlich.

Die CDU ist in Nieder-Eschbach die stärkste Partei.

MÜLLER: Ja, schon seit die unbeliebte Eingemeindung 1972 gekommen war, hat die CDU hier eine starke Bastion. Es war eine Zwangseingemeindung. Damals bin ich zur Politik gekommen. Und später dann, 1989, beim Schlachthof-Streit, wieder. Aktiv wurde ich dann 1997, als ich zum Kinderbeauftragten ernannt wurde. Damals war ich in keiner Partei. Ich bin später erst in die CDU eingetreten und habe für den Ortsbeirat kandidiert.

Sie haben vier Kinder, sie waren Kinderbeauftragter. Was wollen Sie für Kinder erreichen?

MÜLLER: Meine Kinder waren im Sportverein aktiv. Angebote wie der Sport sind für Kinder sehr wichtig. Meine Hoffnung ist, dass noch in dieser Legislaturperiode die alte Turnhalle der Otto-Hahn-Schule abgerissen und eine neue gebaut wird. Die Vereine brauchen eine Tribüne, um vor Publikum spielen zu können, um bei Vereinsfesten Geld einzunehmen. Wichtig ist mir auch das Jugendzentrum am Bügel. Dort gibt es ein Sportfeld in einem erbärmlichen Zustand, und die Stadt sollte sich hier engagieren.

Nach der Kommunalwahl fürchten die Nieder-Eschbacher, dass der Pfingstberg doch noch bebaut wird. Aber was haben Sie denn dagegen? Alle drängen nach Frankfurt, wir brauchen Wohnungen und bezahlbare Mieten.

MÜLLER: Der Pfingstberg ist ein No Go. Wir hatten mit dieser Position einen Stimmenzuwachs erzielen können in Nieder-Eschbach. Während wir einen hohen Siedlungsdruck haben, setzt im ländlichen Raum die Entvölkerung ein. Wir müssen zur Balance zurück. Wir müssen über die heutigen Stadtgrenzen hinausdenken. 20 000 neue Einwohner, das schafft die Verkehrsinfrastruktur gar nicht!

Sie fürchten einen Stadtteil wie den Ben-Gurion-Ring.

MÜLLER: Wir bemühen uns nach Kräften, den Ring lebenswert zu gestalten. Da wurde die Infrastruktur als letztes geschaffen, und der Erhalt stand zurück. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch sehr viel getan.

Auf dem Pfingstberg könnten Sie aber doch auch einen zweiten Riedberg bekommen.

MÜLLER: Der Pfingstberg ist das letzte Stück Natur hier. Was mit der Bebauung Bonames Ost auf uns zukommt, schränkt uns ja auch ein – wir leisten schon unseren Beitrag. Und wir haben den Ben-Gurion-Ring. Nieder-Eschbach hat sich immer den Aufgaben gestellt. Wir haben ausgebombte Frankfurter aufgenommen, wir haben in den 90ern Flüchtlinge aus Jugoslawien aufgenommen. Wenn Frankfurt so gewachsen wäre wie Nieder-Eschbach, gäbe es keine Grünflächen mehr. Es ist unser gutes Recht, jetzt für organisches Wachstum und gegen die Pfingstberg-Bebauung zu plädieren. Wenn sonst jeder Feldhamster verteidigt wird, ist es unser Recht, für die letzte Freifläche einzutreten.

Was haben Sie noch vor in Ihrer Amtszeit?

MÜLLER: Wir möchten den Verkehrsfluss in der Deuil-la-Barre-Straße bremsen und schlagen Parkmarkierungen vor. Zu wenige Autofahrer halten sich an Tempo 30, das muss sich ändern. In den kommenden Jahren steht auch die Neugestaltung der Ortsmitte an. Wo jetzt noch die Berufsfeuerwehr ist, könnten Seniorenwohnen entstehen. Ältere Menschen, die für bezahlbare Mieten selbstbestimmt leben und Hilfe in Anspruch nehmen können, wenn sie sie brauchen – das wäre doch schön im Ortskern. Außerdem sollten die Umkleiden und der Sanitärbereich unseres Schwimmbads erneuert werden. Als viertes habe ich eine Kinder- und Jugendfarm auf meiner Wunschliste. Es ist ein Vorschlag der Kinderbeauftragten, und ich denke, was in Offenbach geht, sollte in Frankfurt auch möglich sein.

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