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Deutlich mehr Präsenz zeigte zuletzt die Polizei im Bahnhofsviertel. Auf unserem Bild werden Dealer kontrolliert.

Mehr Kontrollen und Prävention

Härteres Vorgehen gegen Dealer gefordert

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Das Bahnhofs- und das Gutleutviertel sind Schwerpunkte bei den Themen, die Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) 2017 angehen will. Vor allem bei der zuletzt eskalierten Drogenproblematik müsse eine Lösung her.

Die Klagen über die offene Drogenszene und Belästigungen der Passanten und Geschäftsleute in der Kaiserstraße und der Düsseldorfer Straße reißen nicht ab. Polizeirazzien stehen an der Tagesordnung, einige Geschäfte wie „Der Trockenrasierer“ oder „Cream Music“ haben deshalb bereits geschlossen oder stehen kurz davor. „Hier müssen wir eine neue Form des Frankfurter Weges finden, die aus schärferen Kontrollen und Repressionen gegen Dealer ebenso besteht wie aus präventiven Hilfsangeboten für die Süchtigen“, erklärt Oliver Strank, Ortsvorsteher im Ortsbezirk 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut).

Doch bei diesem Thema zeigt sich auch, wo die Frankfurter Kommunalpolitik an ihre Grenzen stößt. Denn ob im Kampf gegen die illegale Drogenszene Rauschmittel kontrolliert abgegeben oder gar völlig legalisiert werden können, wie es einzelne Politiker der FDP und der Grünen im Ortsbeirat 1 immer wieder fordern, regelt das Betäubungsmittelgesetz auf Bundesebene. Genau hierhin strebt Strank und kandidiert bei der Bundestagswahl für den Wahlkreis 182. „Bis dahin bleibe ich mit voller Kraft Ortsvorsteher und werde mich im Fall meiner Wahl in Berlin auch weiterhin für unseren Ortsbezirk einsetzen“, verspricht Strank.

Um im Bahnhofsviertel Belästigungen oder gar Gefährdungen durch die Drogenszene vor Geschäften oder Gastronomiebetrieben zu vermeiden, hält er eine Begleitung und Betreuung der Süchtigen nach Hamburger Vorbild in einer geschützten Umgebung für nötig, erläutert Strank. Der Vorsitzende des Gewerbevereins Treffpunkt Bahnhofsviertel Ulrich Mattner hat für diesen Ansatz den Begriff „Frankfurter Weg 2.0“ geprägt und beispielhaft eine kontrollierte Drogenszene in den Innenhöfen des alten Frankfurter Polizeipräsidiums vorgeschlagen.

„Ja, wir müssen solche neuen Wege gehen und unter Umständen bestimmte Substanzen behutsam und mit Augenmaß entkriminalisieren“, bestätigt Strank. Das gelte auch fürs Allerheiligenviertel.

Wichtig für die Aufwertung des Bahnhofsviertels sei die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Dazu gehöre neben dem neuen Busbahnhof auch die Denkmalkultur: So brachte der Ortsbeirat 1 noch vor der Weihnachtspause eine Vorlage an den Magistrat auf den Weg, neben dem seit langem von Giuseppe Bruno eingeforderten Gastarbeiterdenkmal ein weiteres Denkmal für Kindertransporte an einem geeigneten Ort aufzustellen.

„Da bis Ende der 1930er Jahre nicht genügend jüdische Familien nach Palästina ausreisen konnten, ergab sich für viele Familien nur die Chance, wenigstens ihre Kinder in Sicherheit zu bringen“, erklärt Strank. So nahm etwa Großbritannien 10 000 Kinder auf, Frankreich und Großbritannien rund 2000 Kinder. Das Denkmal soll zusammen mit dem Verein „Jüdisches Leben in Frankfurt“ realisiert werden.

„In der Innenstadt konnten wir uns dafür über die Rückkehr Karls des Großen auf die Alte Brücke freuen und hoffen nach dem Umzug des Stoltze-Brunnens in die neue Altstadt auf ein passendes Denkmal auf dem Stoltze-Platz“, sagt Strank. „Wenn im Stadthaus am Markt ein ökumenisches kirchenhistorisches Museum einzieht, muss trotzdem genügend Platz für ein Seniorentreff und Räume bleiben, die Vereine für erschwingliche Preise anmieten können.“ Außerdem brauche die Innenstadt moderne selbstreinigende City-Toiletten.

Auch im Gallus seien mit der Benennung der Julius-Munk-Anlage und des Platzes „An den Fleschwerken“ wichtige Gedenkorte an einen verfolgten jüdischen Geschäftsmann und einen Arzt des KZ-Außenlagers Katzbach im Gallus geschaffen worden. Außerdem, so verspricht Strank, werde sich der Ortsbeirat dort für die konsequente Umsetzung des Bildungscampus und der gymnasialen Oberstufe einsetzen. Dort und in den anderen Stadtteilen müssten vor allem an den Bus- und Bahnhaltestellen barrierefreie Zugänge geschaffen werden. Eine wichtige Aufgabe bleibe es zudem, das Europaviertel besser in das Gallus zu integrieren.

Seinen Jahresempfang werde der Ortsbeirat 1 voraussichtlich im April im Gutleut ausrichten, um ein Zeichen zu setzen: „Der Stadtteil, der in das Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft aufgenommen wird, braucht eine verbesserte Infrastruktur mit mehr Einkaufs- und Bildungsmöglichkeiten, einem Quartiersmanagement und einem Erzeugermarkt“, betont Strank. Schon jetzt müsse die Karmeliterschule vom Bahnhofs- ins Gutleutviertel umziehen, von woher mittlerweile die Mehrheit der Schüler komme.

„Außerdem brauchen wir im neuen Bebauungsplan für das westliche Gutleutviertel 30 Prozent bezahlbaren Wohnraum.“ Während man hier noch bis zur Ablösung alter Verträge im Jahr 2025 warten müsse, sei auf der Gutleutbrache, wo mehr als 30 Rumänen in einem Slum wohnen, dringendes Handeln geboten: „Hier haben wir die Bildung einer Arbeitsgruppe unter Federführung des Ordnungsamts gefordert, doch die Situation hat sich vor Ort kaum verbessert“, moniert Strank. Hier müsse und werde man durch neue Anträge nachlegen.

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