Die aufgestellten Schilder haben bisher nichts gebracht.
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Die aufgestellten Schilder haben bisher nichts gebracht.

Ärger über Hundekot

Ein Häufchen Probleme

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Sie verrichten ihr Geschäft auf Salat und Kräutern und zertrampeln den Saatboden. Dass Hunde auf den Oberräder Feldern auch Schaden anrichten, kümmert ihre Besitzer wenig. Die Kräuter- und Gemüseanbauer sind genervt und rufen nach Leinenzwang und Feldpolizei.

Wer früher durch die Oberräder Felder schlenderte, der hatte den Duft nach frischem Schnittlauch, nach Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie und Kresse in der Nase. Doch der Duft ist längst verflogen.

Nur noch wenige der zwölf Oberräder Landwirte bauen ihre sieben Kräuter für die Grüne Soße, Kopfsalate oder Gemüse in den Feldern zwischen der Eisenbahn-Trasse nach Offenbach und der Kochstraße an. Die meisten von ihnen produzieren größtenteils nur noch in Gewächshäusern – und das hat auch einen Grund: Hunde, die wahllos durch die Felder toben, die Ernte zerstören und im schlimmsten Fall darauf auch noch ihr Geschäft hinterlassen. „Es ist wirklich schlimm geworden“, beklagt sich Ortslandwirt Horst Krämer. „Ständig muss man aufpassen, nicht in Hundekot zu laufen.“ Früher, so vor 20 Jahren, da habe es in Oberrad noch Feldpolizisten gegeben, die kontrollierten, dass keine Vierbeiner durch die Felder tobten. Doch die Zeiten sind vorbei – das Problem ist geblieben.

„Die Hundehalter verstehen einfach nicht, dass wir hier Essen, auch ihres, anbauen. Niemand will aber Gemüse essen, auf den zuvor Hunde ihr Geschäft gemacht haben.“ Zwar würden die Kräuter und das Gemüse, bevor es auf den Markt oder in den Handel kommt, gewaschen, appetitlich sei der Gedanke daran aber dennoch nicht. „Es ist einfach eklig“, sagt Krämer. Deshalb ist er dazu übergegangen, seine Produkte – Grüne-Soße-Kräuter, Gemüse, Fertigsalate – überwiegend in Gewächshäusern am Scheerwald anzubauen.

Kräutergärtner Rainer Schecker handhabt es ebenso. Er selbst baut auf den Feldern nur noch Saatgut für die Grüne Soße an, „nichts für den Frischeverzehr“, sagt Schecker. Ihm bereiten allerdings eher die durch das Feld tobenden Hunde Sorgen. „Sie zerstören alles“, sagt er. Wenn der Boden für das Einsäen vorbereitet ist, müsse er glatt sein, damit der Samen richtig aufgehen könne. „Rennt dann aber ein Hund durchs Feld, hinterlässt er überall Löcher und es wächst wieder Unkraut“, erklärt der Fachmann. Sei schon ausgesät und die zarten Pflänzchen wachsen, werden sie zertrampelt, wenn ein Vierbeiner im Feld spielt. „Dann wächst hier vier bis fünf Jahre nichts.“ Einfrieden könne man die Felder aber nicht. Sie liegen im Grüngürtel. „Zäune würden uns aber auch bei unserer Arbeit behindern, wenngleich es die beste Lösung für unser Problem wäre.“

Seit Jahren versuchen die Landwirte gegen achtlose Hundehalter vorzugehen. Sie haben Schilder mit den Worten „Nicht vergessen, hier wächst essen“ in den Feldern aufgestellt. Sie haben sich an die Mitglieder des Ortsbeirats 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) gewandt. Sie haben mit Spaziergängern gesprochen. Bisher ohne Erfolg. Dabei sind gerade die tierischen Hinterlassenschaften auf den Feldern nicht ungefährlich. Denn Hundekot stellt für den Menschen ein potenzielles Infektionsrisiko in Form von Parasiten dar. So können Menschen etwa an Spulwürmern, Bandwürmern oder dem Fuchsbandwurm erkranken. Diese Parasiten können Organe befallen oder allergische Reaktionen auslösen.

Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, das auch für das Veterinärwesen in Frankfurt verantwortlich ist, rät deshalb: „Man sollte Salat, Kräuter und Gemüse immer ausgiebig vor dem Verzehr waschen.“ An die Hundehalter appelliert er, dass sie die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner einsammeln und wegwerfen. „Das ist sonst wirklich unschön“, sagt Rohr. Zudem sei das Liegenlassen von Hundehaufen eine Ordnungswidrigkeit. 90 Euro kostet das.

Die Landwirte würden am liebsten sehen, wenn die Hunde an der Leine geführt und nicht die Wege verlassen würden. „In Parks und auf Spielplätzen gibt es ja auch einen Leinenzwang“, sagt Kräuter- und Blumengärtner Reinhold Scondo. Oder, so ein anderer Vorschlag von ihm, die Oberräder sollen mit ihren Vierbeinern nur noch im Stadtwald spazieren gehen. „Da stört die Hundehaufen jedenfalls niemand.“ Sein Kollege Horst Krämer hingegen wünscht sich die Feldpolizisten zurück. „Wir haben doch alles probiert. Das bringt alles nichts“, sagt er resigniert. „Man muss in den Feldern wieder von Zeit zu Zeit kontrollieren und an die Einsichtigkeit der Hundehalter appellieren.“ Wer diese Aufgabe übernehmen soll, darauf hat er allerdings auch keine Antwort – noch nicht.

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