Die Bauarbeiten Am Ohlenstück verzögern sich zum Ärger der Bauherren. Denn der spätere Einzug ins teure Eigenheim zieht einen Rattenschwanz von Problemen nach sich, etwa die Einschulung von Kindern. Zudem wird eine Kita gar nicht gebaut.
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Die Bauarbeiten Am Ohlenstück verzögern sich zum Ärger der Bauherren. Denn der spätere Einzug ins teure Eigenheim zieht einen Rattenschwanz von Problemen nach sich, etwa die Einschulung von Kindern. Zudem wird eine Kita gar nicht gebaut.

Nieder-Erlenbach

Häuslebauer sauer über späte Einzugstermine

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Baufirma pocht auf Vertragskonformität

Die Vorfreude auf das eigene Haus ist getrübt. Sie ist zwar nicht ganz verflogen, erzählt Cornelius Streva (Name von der Redaktion geändert), aber eben getrübt. Noch in diesem Jahr würde er in seiner eigenen Doppelhaushälfte im Neubaugebiet Westrand Silvester feiern, dachte er. Dann kam der Brief, den alle Bauherren Mitte August bekamen, die Am Ohlenstück bauen und Streva bekannt sind. Nun steht er mit sechs anderen Bauherren am Bauzaun, sie reden über ihre Sorgen. In besagtem Brief teilt ihnen die Baufirma Weisenburger ihren Einzugstermin mit - viel später als erwartet soll er sein. Das zieht einen Rattenschwanz an Problemen nach sich.

Nicht verzögert, nur schlecht informiert

Die 40 Doppelhaushälften, die die Baufirma Weisenburger Am Ohlenstück baut, sind eingeteilt in drei Bauabschnitte. Streva gehört zum ersten Abschnitt. Im Verkaufsgespräch mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding sei das Eigenheim mit Einzugstermin im vierten Quartal 2021 beworben worden, sagt Streva. Ein Screenshot von der Vermarktungsseite Immoscout belegt das. Nun schrieb ihm aber Weisenburger, er könne "von einer Fertigstellung ca. in den Monaten Juni/Juli 2022 ausgehen". Gut ein halbes Jahr später also als geplant. Bauherr Björn Euler baut im dritten Bauabschnitt. Er rechnete mit dem Einzug im Sommer 2022, nun soll es Januar 2023 werden.

Eine "Bauverzögerung" im juristischen Sinne ist es nicht. "Da hat sich Weisenburger vertraglich abgesichert", sagen die Bauherren. Der Baufirma bleiben laut Vertrag 22 Monate, das Haus zu errichten, sagt ein anderer Bauherr, der wie Streva wegen seines Berufs anonym bleiben möchte. Aber: Die Bauzeit kann sich verlängern. Beispielsweise "aufgrund höherer Gewalt", wie es heißt; also eventueller Streik, Schlechtwettertage oder Altlasten im Boden. Auch wenn wegen der Pandemie Arbeiter nicht arbeiten oder Material nicht geliefert werden kann und wegen individueller Gestaltungswünsche. So teilt es Weisenburger auf Anfrage mit: "Die genannten Termine sind vertragskonform und resultieren aus dem Werkvertrag und den Sonderwünschen". Für die Firma Weisenburger ist entscheidend, was die Kunden mit ihr vertraglich vereinbart haben - nicht, was im Verkaufsgespräch mit der ABG gesagt wurde. Daran sollten sich auch die zukünftigen Nieder-Erlenbacher orientieren.

Diese beklagen, dass Weisenburger auf die Fragen nach dem Einzugstermin nie geantwortet habe. Den Erwartungen vom 4. Quartal 2021 sei nie widersprochen worden. Streva zeigt eine Mail vom Juli. Darin antwortete ein Mitarbeiter von Weisenburger, er werde sich wegen des Fertigstellungstermins proaktiv melden. Aber ist knapp ein Jahr vor dem Einzug nicht früh genug?

Ein Haus bauen, das ist etwas ganz anderes als etwa eine Mietwohnung zu wechseln. Bei welcher Kita oder Grundschule soll das Kind angemeldet werden? Kann sich der Bauherr das Eigenheim überhaupt leisten? Bei diesen Fragen spielt der Einzugstermin eine wichtige Rolle. Mit den oft über 400 000 Euro Baukosten, plus Erbpacht, Zinsen und Miete während der Bauzeit sei "jeder an der Belastungsgrenze", sagen die sechs Bauherren.

Die jungen Familien mussten genau rechnen, als sie sich für den Hausbau entschieden. Da sie nun später einziehen sollen als im Verkaufsgespräche besprochen, kämen Kosten auf sie zu, die sie nicht einkalkuliert haben. Wie viel? Euler überschlägt. "Zwischen 10 000 und 15 000 Euro." Und die anderen? "Auch so ungefähr", sagen die Väter und nicken.

"Das Bad ist schon gefliest"

Auf Unverständnis stößt der Einzugstermin bei Streva vom ersten Bauabschnitt auch, weil sein Haus fast fertig zu sein scheint. "Da ist schon das Bad gefliest. Normalerweise heißt es: Drei Monate nach dem Estrich kann man einziehen. Der liegt bei mir seit Juli drin. Warum muss ich noch bis Juli 2022 warten?" Weisenburger verweist auf Erschließungsarbeiten, die noch unfertig seien.

Ein anderes Problem: Die Kinderbetreuung. Das Kind eines Bauherrn wird 2022 in der Nieder-Erlenbacher Grundschule eingeschult. Das passte perfekt zum Einzugstermin. "Jetzt müssen wir ein halbes Jahr pendeln." Seine Frau sei Lehrerin, er Handwerker. Ihre Jobs beginnen früh. "Ich weiß nicht, wie wir es morgens nach Nieder-Erlenbach schaffen." Den Bauherrn empört auch, dass die Stadt die Kita im Neubaugebiet nun doch nicht bauen wird. Damit habe die ABG aber geworben und für ihn sei das ein Grund gewesen, dort zu bauen. Er erwartet bald weiteren Nachwuchs.

Im Mai erklärte der Magistrat auf Anfrage des Ortsvorstehers Yannick Schwander (CDU): "In der Vergangenheit wurde mit Blick auf das entstehende Neubaugebiet ,Westrand/Ohlenstück' mit dem Bau der Kita Mühleninsel eine leichte Überversorgung an Plätzen in Nieder-Erlenbach geschaffen." Doch die Kitas sind alle voll, wie Schwander bestätigt: "Die Stadt übersieht wohl bei ihren Berechnungen die Nachverdichtungen im Stadtteil".

Für die Bauherren werfen die späten Einzugstermine und die Kinderbetreuung Schatten auf das teure Glück vom Eigenheim. Die Stadt solle ihnen einige Monate Erbpacht erlassen, sagt Streva. Aber wäre es fair, dass der Steuerzahler aufkommt, weil Weisenburger schlecht kommuniziert oder Verzögerungen tatsächlich unabwendbar sind, je nachdem wie man es sieht? Ein Bauherr sagt: "Ich will nur eher einziehen, mir ist egal, ob der Carport dann schon steht."

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