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Prozess

Haftstrafe für Handel mit Doktortiteln

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Die Liste seiner Vergehen ist lang: Kreditkartenbetrug, Totschlag und versuchter Totschlag. Jetzt muss sich ein 49-Jähriger verantworten, weil er Doktortitel verkauft hat.

Nach der Urteilsverkündung verließ er zwar das Gerichtsgebäude auf freiem Fuß – gleichwohl ist ein 49 Jahre alter Geschäftsmann gestern vom Landgericht wegen verbotenem Titelhandels zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Er hatte in mindestens drei Fällen „faule“ Zertifikate über angebliche Doktortitel verbreitet.

Über den rechtlichen Charakter dieser angeblich von einer Londoner „High-School“ ausgestellten Dokumente wurde bis zuletzt vor der Strafkammer eifrig gestritten. Während die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass die angeblich in der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften angesiedelten Doktortitel ungültig seien, beteuerten der mehrfach vorbestrafte Angeklagte und sein Verteidiger die Rechtmäßigkeit der akademischen Auszeichnung, die bereits 2011 in drei Fällen gegen Geld an titelbegierige Kunden weitergegeben worden war. Vorsitzender Richter Thomas Striegl bezog sich in der Urteilsbegründung besonders auf die Unterschrift, die diese Zertifikate trugen. Und die stamme vom Angeklagten in seiner Eigenschaft als Gründer eines Unternehmens, das sich mit dem Handel solcher Artikel beschäftigt hatte. Gleichwohl aber habe ihm diese Eigenschaft nicht das Recht gegeben, die Zeugnisdokumente einer britischen Hochschule eigenhändig zu unterzeichnen. Er habe nämlich weder zum Lehrpersonal noch zu sonstigen Verwaltungskräften der Schule gehört, sagte Striegl. Als „intelligenter Mensch“ hätte der Geschäftsmann dies wissen müssen. Ein Unrechtsbewusstsein sei jedenfalls erkennbar, ein sogenannter Verbotsirrtum ausgeschlossen.

Weil die Taten schon siebeneinhalb Jahre zurückliegen, hielt sich das Gericht im Strafmaß zurück und erklärte darüber hinaus noch zwei der 18 verhängten Monate Haft als bereits verbüßt „wegen überlanger Verfahrensdauer“. Richter Striegl skizzierte anlässlich der Strafzumessung noch einmal den mit Straftaten und entsprechenden Verurteilungen gespickten Lebenslauf des Mannes: In den achtziger und neunziger Jahren wurde er unter anderem wegen Kreditkartenbetrügereien, Totschlags und versuchten Totschlags auffällig. Und bereits drei Wochen nach seiner Entlassung aus jahrelanger Haft gründete er 2010 eben jene Firma, die sich mit dem zweifelhaften Titelhandel beschäftigte.

Immerhin hatte der Tag gestern auch etwas Gutes für den Angeklagten: Weil das Strafverfahren nun erst einmal abgeschlossen werden konnte, wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt – an der Seite seines Verteidigers konnte der Angeklagte deshalb das Gebäude als (vorläufig) freier Mann verlassen.

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