Prozess

Mit Hammer auf Hundehalter losgegangen

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Vier teilweise schwere Übergriffe auf Kinder, Hunde und Passanten werden seit gestern einem 29 Jahre alten Amerikaner vor dem Landgericht zur Last gelegt. Gravierendster Vorfall: Im Dezember 2017 schlug er auf der Hamburger Allee (Bockenheim) einem Hundehalter mit einem Hammer auf den Kopf. In dem Prozess geht es um die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie.

Die Serie der Übergriffe begann im Mai vergangenen Jahres in Heddernheim, wo der Beschuldigte in einem Geschäft beim Diebstahl einer Stoffhose beobachtet wurde. Als ihn der Ladendetektiv mit dem Vorwurf konfrontierte, wurde der Täter aggressiv und schlug und trat den Sicherheitsbediensteten. Am 11. Dezember kam es auf der Hamburger Allee zu der Begegnung zwischen einem Passanten, der einen stattlichen Rottweiler an der Leine führte, und dem Amerikaner, der sich von dem großen Vierbeiner offenbar bedroht fühlte.

Zunächst wollte er das Tier anfassen. Der Hundehalter tat das einzig Richtige und versuchte, sich mit seinem Hund von dem aggressiv auftretenden Mann zu entfernen. Als er sich von ihm abgewendet hatte und weggehen wollte, spürte er den heftigen Hammerschlag auf seinem Hinterkopf und sackte bewusstlos zusammen. Der Täter wurde erst einige Tage durch Zufall ausgemacht – ein Polizeibeamter sah ihn auf der Straße mit dem Hammer herumlaufen, erinnerte sich der Strafanzeige des Hundehalters und schöpfte Verdacht. An dem Werkzeug wurden schließlich Blutspuren festgestellt. Zwischendurch hatte sich der Mann auch noch mit einer weiteren Hundebesitzerin und ihrer französischen Bulldogge angelegt: Der Hund erhielt einen Tritt und das Frauchen wurde bedroht. Die Staatsanwaltschaft hielt diesen Vorfall im Vergleich zu den drei anderen Übergriffen für so unerheblich, dass dieses Verfahren eingestellt werden konnte.

Im Eingangsbereich eines Supermarktes in Ginnheim kam es schließlich im Februar dieses Jahres zum letzten Übergriff, der auch die vorläufige Unterbringung des Täters in der Psychiatrie zur Folge hatte. Der Mann wollte den Markt gerade verlassen, als ihm ein dreijähriger Junge entgegenlief, der nach einem Kinder-Einkaufswagen greifen wollte. Seine Großmutter suchte im Freien noch nach einem Einkaufswagen für Erwachsene. Der Bub war dem Amerikaner offenbar im Weg, denn er trat das Kind mit solcher Wucht in den Bauch, dass es kurze Zeit bewusstlos liegenblieb. Jetzt reagierten aber zahlreiche Marktbedienstete und Kunden, die die Verfolgung des flüchtenden Treters aufnahmen. Nach einer wilden Hatz konnte der Mann schließlich gestellt und der Polizei übergeben werden.

Sein mehrere Monate langer Aufenthalt im psychiatrischen Krankenhaus Haina trug zwischenzeitlich bereits Früchte. Sehr sachlich und medikamentös gut eingestellt, erläuterte er gestern vor der 30. Großen Strafkammer jeden einzelnen Vorwurf und räumte alles mit Worten des Bedauerns und der Entschuldigung ein. Das Kind sei ihm einfach im Weg und auch der Hund in Bockenheim ein Störfaktor gewesen. Heute tue ihm das alles leid.

Für die Anklagevertreterin war es von Anfang an klar, dass hier jemand im Zustand der absoluten Schuld- und Steuerungsunfähigkeit gehandelt hatte und deshalb nicht regulär verurteilt werden kann. Im weiteren Prozessverlauf wird es deshalb vor allem darum gehen, ob der Mann weiter in deutscher Behandlung bleiben soll oder ob es einen Therapieplatz in seiner Heimat Amerika (Nevada) geben wird. Bis Mitte Oktober soll darüber entschieden sein.

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