+
Oskar Mahler weiß immer, wo der Hammer hängt: In seinem Hammer-Museum in der Münchener Straße. Doch jetzt muss er aufgrund der Statik diese Adresse verlassen ? und will notfalls verkaufen.

Kurioses Museum

Frankfurter Hammer-Museum sucht neue Bleibe

  • schließen

Das ist ein Hammer: Oskar Mahlers Hammer-Museum, das laut einem Ranking zu den elf kuriosesten Museen der Welt zählt, wird für die Zwischenebene in der altehrwürdigen Schuhmacherei Lenz in der Münchener Straße langsam zu schwer. Grund: Die Statik. Am 28. März ist Schluss.

Der kleinste Hammer ist nur durch eine große Lupe zu erkennen: Er ist nur 0,85 Millimeter lang und der Hammerkopf nur 0,55 Millimeter breit. Über dieses Geschenk, eine Sonderanfertigung des Goldschmiedemeisters Karlheinz Bales, freut er sich noch heute: Oskar Mahler (66). Er ist Gründer und Betreiber des kleinen Hammer-Museums, das seit 2005 in einer Zwischenebene der alteingesessenen Schuhmacherei Lenz in der Münchener Str. 36 residiert. Inzwischen hat sie Jürgen Dohn übernommen.

Kuriosität

Es zählt neben dem Karl-Valentin-Museum in München zu den elf kuriosesten Museen der Welt. Mahler, Gründer und Impresario des 30 Jahre lang erfolgreichen „Klappmaul-Theaters“ sowie Gewerbevereinsbegründer (das war im Jahr 2007), Stadtteilbildhauer und Quartiersführer, Künstler, Autor und profunder Kenner des Hauptbahnhofs und seiner Historie, hat es 2005 eröffnet. Es ist das einzige Museum im Frankfurter Bahnhofsviertel und zählt inzwischen 4500 Exemplare. Das größte ist ein 18 Kilogramm schwerer Vorschlaghammer, doch möchte Mahler weitere Groß-Exponate ausstellen, etwa mit Pressluft betriebene Modelle oder ein mehr als eine Tonne schweres Hammer-Werk, das einst in einer Mühle betrieben wurde. „Diese Dinger sind aber alle viel zu groß und zu schwer für die eingebaute Zwischenebene“, sagt Mahler. Dies habe ihm ein Architekt erläutert. Die Raumhöhe beträgt zudem nur knapp zwei Meter.

Zudem benötigt die Schuhmacherei Lenz die in der einst nachträglich eingezogenen Zwischenebene gelegene Besucher-Toilette für ihre weiblichen Auszubildenden. Darauf habe die Handwerkskammer hingewiesen.

Nicht behindertengerecht

Es gibt noch ein Problem: Die Gäste müssen über eine kleine Wendeltreppe hochsteigen – das Ganze ist also weder behinderten- noch rollstuhlgerecht. Die Auswirkungen der räumlichen Enge wurden vor allem in den beliebten Bahnhofsviertelnächten offensichtlich, sagt Mahler: „Zuletzt durfte ich nur noch maximal 15 Besucher gleichzeitig hier hoch lassen, das war recht schwierig zu organisieren.“ Ausgerechnet in der besucherstärksten „Nacht der Nächte“ musste er also Eintrittskarten ausgeben, diese dann kontrollieren, Nachrücker beiholen, falls ein Interessent wieder abgesprungen war, „undsoweiterundsofort“. Das Prozedere, auszuführen etwa alle 20 Minuten, wurde ihm bald lästig. „Das war sehr viel Aufwand“, sagt er.

Nun will Mahler, der schon immer ein Lebenskünstler war und Stillstand nicht kennt, das Museum entweder verlegen, so er eine passende Bleibe angeboten bekommt. Oder die Sammlung, die er ästhetisch und rhythmisch sortiert hat („ich bin kein Historiker“), verkaufen. Einen Interessenten gebe es bereits: Es handelt sich um einen Werkzeughersteller, der die Hammer-Sammlung in seinem Firmen-Foyer präsentieren könnte. Darunter natürlich auch den berühmten „Tatort“-Hammer. Eine Filmausstattungsfirma erkundigt sich damals bei Mahler nach einem speziellen Hammer für einen Mord in einer „Tatort“-Folge. Die Szene, in welcher der Münsteraner TV-Pathologe Professor Börne einen Schlaghammer auf einen Schweinskopf drischt, kennt halb Deutschland.

Jetzt folgt „Zukunftslabor“

Mahler geht offensiv mit dem Schließungstermin um („ich kann sehr gut loslassen“), publiziert ihn auf der Homepage und in sozialen Netzwerken. Dazu hat er eine Agentin beauftragt, Interessenten oder Räume zu finden. Denn er steckt längst tief im nächsten Vorhaben drin: die „Rote Treppe“ samt dem „Zukunftslabor Bahnhofsviertel“ in der Kaiserpassage. Diese wird am 15. Januar nach ihrer Renovierung durch die DIC Asset AG wiedereröffnet. „Ein Team aus 30 Leuten und ich wollen das Bahnhofsviertel in den nächsten fünf Jahren als Ort des Fortschritts weiterentwickeln“, sagt Mahler.

Führungen und Frühstück

Oskar Mahler, Tel. (069) 37 56 04 02, E-Mail: info@vollderhammer.eu. Bis zur Schließung am 28. März gibt es weiterhin Führungen. Auch Termine für das Frühstück (bis zu sechs Personen) sind noch buchbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare