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Freundinnen müssen Patricia (Anja Kruse, Mitte) im Stück ?Was dem einen recht ist? trösten. Ihr Mann hat eine Jüngere.

Stadtgeflüster

Hand in Hand auf die Bühne

Als junge Schauspielerin musste sie einmal nackt vor die Kamera, erinnert sich Anja Kruse mit leichtem Unbehagen. Am Samstag feiert sie ihr 40. Bühnenjubiläum.

Frankfurt - Als junge Schauspielerin musste sie einmal nackt vor die Kamera, erinnert sich Anja Kruse mit leichtem Unbehagen. Etliche Berufsjahre sind seitdem vergangen, die facettenreichen Karriere angefüllt mit unzähligen Auftritten im Fernsehen, auf deutschsprachigen Bühnen und auch im internationalen Film. Am heutigen Tag feiert die gebürtige Essenerin ihr 40. Bühnenjubiläum – und ganz die Vollblutschauspielerin steht sie abends in einer starken Rolle auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuten.

„Was dem einen recht ist“, heißt die Gesellschaftssatire unter der Regie von Pascal Breuer , die noch bis 17. März in der Komödie eine männliche Midlife-Crisis genüsslich seziert. Als verlassene Ehefrau Patricia kann Anja Kruse darstellerisch alle Register ziehen: weinen, kämpfen und dann mit einem jugendlichen Liebhaber wieder Selbstbewusstsein tanken. Der Österreicher Christian Fischer , viele Fernsehzuschauer kennen ihn durch seine langjährige Rolle als Chauffeur in der ZDF-Telenovela „Alisa – Folge deinem Herzen“, mimt den Testosteron überfluteten Ehemann, der sich mit einer jüngeren Frau gleich selbst verjüngen will. Zusammen werfen die beiden Schauspieler über 80 Jahre Bühnenerfahrung in den Ring, der 60-Jährige feierte schon im vergangenen Jahr das Jubiläum.

Wenn Anja Kruse mal nicht auf der Bühne steht, sucht sie sich Arbeit. Neulich erst war sie im Baumarkt und hat Bretter und Winkel besorgt, selbst ist die Frau. Typisch Sternzeichen Löwe. Einen „Löwen“ übersieht so schnell niemand, und als unermüdliche Macher sind sie ebenso bekannt. Die zwei British-Kurzhaar-Katzen der Schauspielerin, die „anhänglich wie Hunde“ überall mit hin reisen, sollen es auch in der Theaterwohnung rundum gut haben und für eine praktische Katzentoilette musste unkompliziert etwas gezimmert werden.

Anja Kruse und Christian Fischer stehen in Frankfurt gemeinsam auf der Bühne und spielen ein Ehepaar mit Differenzen. Im echten Leben haben die beiden aber etwas gemeinsam: Beide stehen jeweils schon seit 40 Jahren auf der Bühne.

Ist in Frankfurt abgespielt, geht es für das Mensch-Tier-Trio gleich weiter nach Wien, wo eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1945 verfilmt wird. Ständig auf Achse, die Schauspielerin kennt es kaum anders. Dem Prädikat deutsches „Fernsehgesicht“ ist die attraktive 62-Jährige längst entwachsen, sie dreht nach wie vor weltweit, bedient konträre Sparten und will sich nicht festlegen lassen. „Ich sehe mich in der Zukunft noch mehr in internationalen Independent-Filmen, wo ich weit weg bin von dem wie immer besetzt werde“, sagt sie. Als Greisin mit grauen Haaren etwa, wie zuletzt im Edith Stein-Drama „A Rose in Winter“, für das Anja Kruse beim Independent Filmfestival in Los Angeles als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

In ihrem Beruf habe sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert, oft nicht zum Guten, wissen die erfahrenen Schauspieler. „Die Quote entscheidet die Besetzung. Außerdem gibt es immer mehr Quereinsteiger, die denken, das ist einfach, das kann ich auch. Talent, Qualität und Können sind drittrangig“, so Anja Kruse. Und Christian Fischer fügt hinzu: „Der wachsende Zwang der Selbstvermarktung ist mir zuwider. Die Quintessenz des Schauspielens, das Brennen, etwas mitzuteilen, wird immer unbedeutender“, bedauert der erfahrene Schauspieler.

Im Frankfurter Stück geht es um Liebe und Verletzungen, wie bewegt sich Anja Kruse selbst auf diesem dünnen Eis? „Der Buddhismus, den ich seit langem praktiziere, hat mich verändert“, bekennt sie, und erklärt: „Ich war 14 Jahre verheiratet mit der Liebe meines Lebens. Als wir uns in verschiedene Richtungen weiterentwickelten, war das traurig, aber kein Drama. Man darf den anderen nicht für das eigene Glück verantwortlich machen.“ Eine durchaus weise Haltung.

(fai)

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