Geheimkonzert vor 200 Fans: Hanybal rapt die Bude.
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Geheimkonzert vor 200 Fans: Hanybal rapt die Bude.

Stadtgeflüster

Hanybal stürmt die Charts

Der Heddernheimer Rapper Hanybal hat, seit er 2013 einen Labelvertrag bei der Frankfurter Rapgröße

Der Heddernheimer Rapper Hanybal hat, seit er 2013 einen Labelvertrag bei der Frankfurter Rapgröße Haftbefehl unterschrieb, einen kometenhaften Aufstieg hingelegt.

Mit seinem Debütalbum „Weg von der Fahrbahn“ landete er auf Platz 13 der deutschen Albumcharts, sein zweites Album namens „Haramstufe Rot“ hielt sich fünf Wochen lang auf dem vierten Platz. Nun gab er vor gut 200 Fans ein „Geheimkonzert“ in XTiP-Wettbüro.

Doch seine Vergangenheit war alles andere als von Erfolgen gekrönt. Mehrmals musste er die Schule wechseln und Klassen wiederholen, bis er schließlich mit 16 die Schule gänzlich abbrach und zwei Jahre lang arbeitslos war. Mit 19 Jahren dann raffte er sich auf und holte seinen Hauptschulabschluss nach.

Doch bis er als Rapper voll durchstartete, verging noch einige Zeit. Hanybal, der mit bürgerlichem Namen Sascha-Ramy Nour heißt, verbrachte seine Jugend vorrangig in Heddernheim, unter anderem im dortigen Fußballverein. „Natürlich hab’ ich damals davon geträumt, Profi zu werden, welcher Amateur-Fußballer hat das nicht“, erzählt der heute 33-Jährige. Massive persönliche und familiäre Probleme hätten ihn aber dann dazu gebracht, den Fußball ganz aufzugeben. Heute lebt er immer noch in Heddernheim, kickt dort hin und wieder mit Freunden auf dem Bolzplatz.

Hanybal verarbeitet die schwierigen Jahre seiner Jugend in seinen oft düsteren Texten, in denen er immer wieder direkt und ungeschönt gesellschaftliche Missstände und die Probleme seiner Generation thematisiert. „Hast du gestern gehungert, wirst du heute zum Täter / Begehen krumme Dinger und bereuen sie dann später / Mal im Ernst, keiner hier wird aus Freude zum Täter “ rappt er etwa in „Außer Kontrolle“.

Das meiste, von dem er in seinen Liedern erzählt, habe er selbst erlebt. „Und wenn nicht ich, dann zumindest jemand aus meinem Umfeld“, so der Gangsta-Rapper. Auch die Spielsucht kommt in seinen Texten immer wieder zur Sprache. „Ich war früher selbst spielsüchtig, habe mein ganzes Geld in Automaten gesteckt. Bis ich irgendwann aufgewacht bin und meinen Kopf eingeschaltet habe“, erzählt Hanybal. Die Spielsucht sei in Frankfurt ein großes Problem, er selbst habe Freunde ihre Existenzen verspielen sehen. Doch etwas dagegen tun, so denkt er, könne nur man selbst. „Man muss mit gewissen Dingen umgehen können und erkennen, wenn es zu weit geht. Viele Spielsüchtige haben einfach einen zu niedrigen IQ. Die wissen nicht, was sie da machen“, so die Meinung des Rappers.

Hanybal hatte das große Glück, erst den ebenfalls deutschlandweit bekannten Rapper Azad , und seinen heutigen Mentor Haftbefehl kennenzulernen und so durch die Musik seiner Vergangenheit zu entkommen. Inzwischen konnte er sich eine feste Stellung in der Branche sichern und unterstützt seinerseits nun selbst junge, aufstrebende Rapper aus schwierigen sozialen Verhältnissen wie etwa die in Offenbach lebenden Newcomer Nimo und Soufian . Dennoch ist sich der Frankfurter Rapper sicher: „Die Musik ist definitiv ein Mittel, um da rauszukommen aber grundsätzlich sollten die ganzen Jungs aus dem Ghetto lieber ihre Schule machen. Auf Dauer haben sie da mehr davon.“ jme

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