Vögel

Harheimer Störche haben vier Küken

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Im dritten Jahr hintereinander brütet ein Storchenpaar erfolgreich in Harheim. Andere künstliche Horste werden nicht so gut angenommen.

Vier Storchenkücken sitzen in ihrem Nest ganz im Westen von Harheim unweit der Nidda und heben ihr Köpfchen – das ist Frankfurter Rekord! Nun ja, zumindest was die neuere Geschichte der Storchenpopulation angeht, und die ist noch recht kurz. Im dritten Jahr hintereinander gibt es nun Nachwuchs in Harheim, 2016 hatte das Storchenpaar zwei Kücken, im Jahr darauf waren es drei. Fast 50 Jahre lang hatte sich Meister Adebar rar gemacht im Niddatal: 1968 brütete der letzte Storch in Bonames.

Yukiko Kaneko, die in Harheim lebt und fast täglich das künstliche Nest im Niddabogen besucht, ist zuversichtlich, dass alle vier Kücken überleben. „Der Boden ist feucht und weich, die Elternvögel finden also viel Futter für die Kleinen. Wenn es trocken und der Boden hart ist, haben sie es schwerer.“

Auch Gerd Bauschmann von der Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland ist optimistisch. „In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen werden die Jungvögel von den Eltern gehudert. Das heißt, sie breiten ihre Flügel über sie und schützen sie vor starkem Regen und Sonne.“ In dieser Zeit wechseln sich die Eltern mit der Nahrungssuche ab. Doch nach drei bis vier Wochen ist der Futterbedarf des Nachwuchses so groß, dass beide Eltern das Nest gleichzeitig verlassen müssen. Doch noch haben die Kücken ihren Flaum, der kaum vor Regen schützt. Temperaturstürze und Dauerregen könnten den Jungen jetzt noch gefährlich werden. „Zum Glück regnet es nicht durchgehend. Das Gefieder kann wieder trocknen.

Zum dritten Mal also gibt es Nachwuchs in Harheim – aber wieso ausgerechnet hier? Vier künstliche Horste auf hohen Pfählen ließ die Stadt aufstellen, um den Storch anzusiedeln: Zunächst auf dem Alten Flugplatz Bonames, weil man sich angesichts der vielen Besucher auch einen umweltpädagogischen Effekt erhoffte. Einige Jahre später folgten zwei weitere in Harheim – im Niddabogen im Westen und am Harheimer Ried im Osten – sowie im Mainbogen in Fechenheim. Alle Nester testen die Weißstörche, doch nur im Niddabogen sind sie jedes Jahr zum Brüten da.

„Man kann in ein Storchenhirn nicht hineinschauen“, sagt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Experten gingen davon aus, dass die großen schwarz-weiß-roten Vögel die Umgebung eines Nistplatzes genau erkunden, ob er ihren Bedürfnissen gerecht werde. „Aber wir kennen ihre Checkliste nicht.“

Es könne auch daran liegen, dass es meist Jungstörche waren, die die künstlichen Frankfurter Horste erkundeten, sagt Bauschmann. „Störche brüten erst, wenn sie drei, vier Jahre alt sind. Und dann erkunden sie verschiedene Standorte.“

An der Qualität der ausgewählten Standorte liege es nicht, sind sich die Experten allerdings einig. „Gerade im Fechenheimer Mainbogen liegt das Nest ruhig, rund einen Kilometer von der nächsten Wohnung entfernt. Genug zum Fressen finden Störche dort auch“, sagt Rothenburger. Ähnlich sei es am Harheimer Ried. Ein Misserfolg sei es jedoch nicht, dass bislang kein Storch sich auf den drei Nestern niederließ, im Gegenteil: Die Ansiedlung in Harheim sei ein richtiger Erfolg.

Nachdem der Storch in den 1970er in Hessen fast verschwunden war, leben hier nun wieder über 600 Paare, sagt Bauschmann. So viele, dass nicht alle Jungvögel beringt werden können: Nur 200 Ringe stelle die Vogelschutzwarte Helgoland bereit.

Dass die Zahl der Vögel wieder gestiegen ist, hänge weniger mit den verbesserten Lebensbedingungen zusammen als vielmehr damit, dass der Weg ins Winterquartier nicht mehr so weit ist, sagt Bauschmann. „Früher flogen sie bis Südafrika, heute überwintern sie in Spanien.“ Vor allem auf den vielen offenen Müllkippen dort fänden die Störche viel Nahrung –neben Mäusen auch Essensreste. „Und in den spanischen Reisfeldern wurde ein asiatischer Krebs eingeschleppt, der eine gute Nahrungsquelle ist.“

Harheimer Storchen-Blog

Regelmäßig veröffentlicht Vukiko Kaneko Fotos der Störche unter blogs.yahoo.co.jp/fuerstenkrone.html in ihrem Blog.

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