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Alfred Quirin versteht die Welt nicht mehr. Nicht zum ersten Mal wurde sein Acker in eine Müllhalde verwandelt.

Illegaler Abfall

Unbekannte kippen 40 Säcke mit Müll auf Acker - Bauer schockiert

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Mehr als 40 Säcke Müll liegen auf einem Acker von Landwirt Quirin. Kein Einzelfall, sagt das Umweltamt: Mehr als 200 mal rückten dessen Mitarbeiter vergangenes Jahr aus, um Müll aus der Landschaft zu entfernen.

Harheim - Alfred Quirin ist sauer. Mehr als 40 Säcke mit Müll hat der Harheimer Metzger und Landwirt auf einem von ihm bewirtschafteten Acker gefunden. "Und das kurz nach der Einsaat. Wenn das nicht schnell entsorgt wird, gehen die Pflänzchen kaputt." Auch vorbei laufende Hunde könnten die Säcke durchwühlen, sie aufreißen und den Inhalt auf die umliegenden Felder verteilen. Einiges fliegt bereits umher, Quirin spießt es mit der Mistgabel auf und packt es ins Führerhaus seines Treckers.

Harheim: FES holt den Müll nicht ab

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass er und seine Kollegen Müll auf ihren Feldern finden. "In diesem Jahr gab es schon einen Reifenberg, da hinten Richtung Hauptstraße", sagt Quirin und zeigt in Richtung Harheimer Weg. Regelmäßig finde er Müll, den er erst einmal entsorgen müsse, wenn er seine Felder bestelle. "Am schlimmsten sind die Plastiktüten mit Hundekot." Ärgerlich sei auch, dass in diesem Fall viele Säcke, die er bereits abtransportiert habe, mitten auf dem Feldweg lagen. "Die Folge war, dass jemand drum herum und bei meinem Nachbarn Axel Schmidt über den frisch bestellten Acker gefahren ist."

Bei der FES habe er bereits angerufen, doch die habe den Müll nicht abgeholt, ärgert sich Quirin. Das sei auch die falsche Adresse, erklärt FES-Sprecher Stefan Röttele: Auf Privatgrundstücken dürfe die FES gar nicht entsorgen, da sei in der Regel der Eigentümer selbst zuständig. "Ohne Auftrag passiert da gar nichts." Überall im Grünen rund um Frankfurt sei das noch anders: Hier sei das Umweltamt zuständig.

Harheim: Äcker können und dürfen nicht eingezäunt werden

Dort gibt es sogar eine eigene Mitarbeiterin, die sich nur um derartige Fälle kümmert, erklärt Michael Eickenboom, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft beim Umweltamt. "Überall dort, wo keine Zäune aufgestellt werden dürfen, sind nicht die Grundstückseigentümer für die Entsorgung zuständig, sondern wir." Und Äcker könnten und dürften nicht eingezäunt werden.

Werde der Behörde ein Fall gemeldet, fahre die Mitarbeiterin dorthin und untersuche den Fundort. "Sie schaut dann, um welche Art Müll es sich handelt und kümmert sich um die Entsorgung." In der Regel beauftrage die Stadt, die auch die Kosten übernehmen muss, dann die FES-Tochter FFR mit dem Abtransport. "Handelt es sich um gefährliche Stoffe, die komplizierter zu entsorgen sind, beauftragen wir die FES."

Harheim: Bauschutt ist kompliziert und teuer

Auf den ersten Blick steckt in den Säcken in Harheim Hausmüll. Erweist sich das auch auf den zweiten Blick als wahr, sei eine solche illegale Deponie relativ einfach zu entsorgen, sagt Eickenboom. Schwieriger werde es etwa bei Bauschutt. "Aber wenn sich irgendwo im Grünen eine kleine Halde mit Bauschutt türmt, der einfach vom Laster gekippt wurde, wird es kompliziert und teuer." Etwa wenn ein Fahrzeug mit Greifarm oder gar ein kleiner Bagger anrücken muss.

Ärgerlich sei auch, dass im Grünen oft sogar Frankfurter Firmen ihren Müll entsorgten, sagt Eickenboom. "Die stellen sicher ihren Kunden auch Geld für die Entsorgung in Rechnung, sparen sich diese Ausgabe aber dann." Gerade Autoreifen würden so oft auf Feldern illegal entsorgt. Allein 2018 seien es über 4700 Autoreifen gewesen.

Harheim: 2018 über 200 Fälle

Insgesamt habe sich das Umweltamt 2018 in 207 Fällen um wilde Müllablagerungen im Außenbereich gekümmert, sagt Eickenboom. "In 2019 waren es bis Anfang dieser Woche bereits 208 Fälle." Der Schwerpunkt liege bei solchen Abfällen, die ansonsten nur kostenpflichtig zu entsorgen sind: in erster Linie Autoreifen und Bauschutt.

Melden könne man derartige wilde Ablagerungen am besten per E-Mail unter der Adresse abfall.wirtschaft@stadt-frankfurt.de, am besten mit Fotos und einer Lagebeschreibung, sagt Eickenboom. "Man kann aber auch das Frankfurter Umwelttelefon unter (069) 21239100 anrufen, das tagsüber besetzt ist. Die Kollegen nehmen das auf und leiten es dann an uns weiter."

Seit 1995 ist Philipp Roche als Müllmann bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH beschäftigt, seit mittlerweile elf Jahren auf dem Wertstoffhof in der Weidenbornstraße. Bald geht er in Rente. Kollegen wie Stammkunden bedauern das.

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Von Andreas Haupt

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