Umzug (fast) abgeschlossen: Die neue Buchhandlung/Antiquariat Schott in der Arnsburger Straße 78. Das beeindruckende Deckengemälde stammt von dem Cartoonisten und Maler Rudi Hurzlmeier. Am 2. Dezember ist er in den Räumen zu Gast und wird über seine Arbeit und das monumentale Deckenensemble sprechen. FOTO: rüffer
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Umzug (fast) abgeschlossen: Die neue Buchhandlung/Antiquariat Schott in der Arnsburger Straße 78. Das beeindruckende Deckengemälde stammt von dem Cartoonisten und Maler Rudi Hurzlmeier. Am 2. Dezember ist er in den Räumen zu Gast und wird über seine Arbeit und das monumentale Deckenensemble sprechen.

Frankfurter Geschäftsleben

Harry Potter saust ums Uhrtürmchen

  • VonSabine Schramek
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In Bornheim locken mehr als 25 000 Bücher und ein einmaliges Deckengemälde

Der Laden in der Arnsburger Straße 78 ist dunkel, die deckenhohen Holzregale sind leer. Einige Filmplakate mit Audry Hepburn hängen noch, auf dem Boden stehen Umzugskisten. Nur die Wandgemälde vor der Eingangstür und das wunderschöne Hoftor mit der Aufschrift "Buchhandlung Antiquariat Heinz Schutt" erinnern noch an die vielen Leser und Lesungen, die sich hier mit Literatur eingedeckt oder Autoren gelauscht haben.

Gut 30 Meter umgezogen

Vor knapp 100 Jahren hatte Heinz Schutt hier seine Bücherei und sein Antiquariat eröffnet. Im Januar 1999 hat die Frankfurterin Angelika Schleindl übernommen, Bücher verkauft und Autoren und Künstlern einen Raum gegeben. Jetzt macht sie das gleiche 30 Meter weiter in der Arnsburger Straße 68. "Glück gehabt. Neues kann auch schön sein", sagt sie sichtlich erleichert. "Fertig sind wir allerdings noch nicht."

Der helle Raum, der rundum mit Holzregalen und Holzleitern aus der alten Buchhandlung bestückt ist, hat riesige Fenster, 128 Quadratmeter Fläche und 3,15 Meter hohe Decken. Bücher, so weit das Auge reicht. Außer man blickt zur Decke auf. Sowohl im Eingang als auch im hinteren Teil strahlen Wandgemälde herab. "Die hat Rudi Hurzlmeier gemalt", sagt sie stolz. "Ab dem 2. Dezember hat er eine Ausstellung im Caricatura-Museum. Am Abend kommt er hierher und erzählt, wie er auf die Idee der Deckengemälde gekommen ist."

Der Karikaturist und Maler hat 45 Bücher veröffentlicht und unzählige Ausstellungen gemacht. An der Decke im Eingang ist das Bernemer Uhrtürmchen in der Mitte des Gemäldes auf einer Weltkugel zusehen. Der Dom und der Messeturm ragen rundherum im All und dazwischen fliegen Harry Potter, Ufos, Pipi Langstrumpf, Bücher und Fabeltiere um eine brennende Welt. Eine heile Welt voller Inseln und Tieren, Bäumen, Bergen und Büchern gibt es im hinteren Teil bei den Kinderbüchern zu sehen. Kunden kommen rein und staunen. "Es ist schön hier", sagt ein Mann. "Der Spirit ist geblieben."

Eine Frau trauert den Veranstaltungen im Antiquariat nach. "Was für tolle Abende wir da erlebt haben", schwärmt sie. Schleindl beruhigt sie. "Immerhin haben wir sie erlebt und Lesungen wird es hier auch geben."

Stammkunden bringen Alpenveilchen vorbei, die Schleindl auf das Regal neben der Kasse stellt. Zwischen Kirschlollies, Schleckmuscheln, bunte Lutschschnuller und einen Stoffesel, der wie ein plüschiges Maskottchen über die neue Buchhandlung wacht.

Weggeworfen wurde nichts

Ganz oben auf den Regalen stehen vereinzelt ein grünes Schaf, ein Hahn, eine Goethe-Büste, ein Rabe, eine Loriot-Bücherstütze, eine Mäuse-Bücherstütze, ein Rabe und ein rotes Sparschwein mit weißen Tupfen. 25 000 Bücher sind in die Holzregale eingeräumt, im Gang stehen noch Kisten, die nach und nach ausgeräumt und wieder einsortiert werden. Für die meisten Bücher aus dem Antiquariat war kein Platz mehr. "Einen Teil hat ein Antiquariat in Bad Vilbel bekommen, den Rest das Antiquariat aus Bücherkisten vor dem Unicampus. Der braucht die Bücher dringend, weil vor einiger Zeit viele durch Brandstiftung verloren gegangen sind. Weggeschmissen habe ich absolut nichts", so die Buchhändlerin.

Bis Ende des Monats will sie auch den Rest noch aus der alten Buchhandlung holen. Zwei Jahre lang hat sie gekämpft, um an der alten Adresse bleiben zu können. Der Eigentümer wollte die Miete verdoppeln und sie räumen lassen. Viele Tage vor Gericht hat es gedauert, bis es zum Vergleich kam. "Dass die Bornheimer die Buchhandlung lieben, haben sie bei einer Petition mit mehr als 2000 Unterschriften gezeigt. Es hat zwar nicht geholfen, aber es hat mir die Kraft gegeben, eine Alternative zu suchen und weiter zu machen." Ihr Lächeln ist zurück. "Nochmal so einen Ärger und Stress mit einem Vermieter möchte ich nicht haben." Der Neubau ist hell, eine Fußbodenheizung hilft gegen das Frieren. "Für die Regale, die noch im alten Laden drinnen sind, habe ich auch schon einige Interessenten", freut sie sich. "Die Leute kommen zu uns, weil wir ihnen nicht nur Beratung und Zuverlässigkeit bieten, sondern auch ein kulturelles Wohnzimmer. Beides bleibt und im Sommer gibt es das Lesewohnzimmer auf der Terrasse." SABINE SCHRAMEK

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