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Die Statue Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv

Jugendkriminalität

Harte Strafe für 15-jährige Betrügerin

Ein erst 15-jähriges Mädchen ist vom Jugendgericht Frankfurt unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs in fünf Fällen verwarnt worden. Ferner wurde ein Freizeitarrest verhängt und der Jugendlichen auferlegt, binnen fünf Monaten 80 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Ein ungewöhnlich scharfes Urteil gegen eine junge Ersttäterin.

Die 15-jährige nicht vorbestrafte Schülerin hatte sich nach der Trennung ihrer Eltern auf das Internetgeschäft mit gefälschten hochwertigen Taschen verlegt, die sie unter anderem über das Internetportal „Kleiderkreisel“ zum Verkauf anbot.

Kurz nach ihrem 14. Geburtstag legte sie los. Anfangs pries sie unter anderem Originaltaschen der Marke Louis Vuitton über das Internet an – zwischen 350 und 500 Euro verlangte sie. Die Käuferinnen erhielten nach erfolgter Zahlung entweder minderwertige Fälschungen der Taschen oder gingen gänzlich leer aus. In einem Fall wurde der Käuferin unter Vortäuschung der Lieferung lediglich eine nicht existente Sendungsnummer mitgeteilt.

Für das auf diese Weise erlangte Geld kaufte sich die junge Betrügerin Klamotten. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Ermittler denn auch fest, dass das Mädchen bereits über eine „überdurchschnittlich großzügige Garderobe verfügte“, wie es im Urteil formuliert ist.

Im Urteil stellte das Gericht fest, dass die Angeklagte bereits die ausreichende Reife besaß, um das Unrecht ihrer Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Dementsprechend erfolgte neben der jugendgerichtlichen Verwarnung auch die Ver-hängung eines Freizeitarrests. Mit der zusätzlich verhängten 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit soll die Jugendliche einen Teil der von ihr begangenen Taten wieder gut machen, indem durch die Anrechnung dieser Arbeiten über einen sogenannten Täter-Opfer-Fonds die Betrugsopfer entschädigt werden sollen.

Bei der für eine Ersttäterin deutlichen Strafzumessung spielte für das Gericht nicht nur das besonders professionelle und planvolle Vorgehen bei den Betrugstaten über die Plattform „Kleiderkreisel“ und der für eine jugendliche Ersttäterin außergewöhnlich hohe wirtschaftliche Gesamtschaden eine Rolle. Daneben hatte die Angeklagte im laufenden Strafverfahren auch noch versucht, das Gericht hinters Licht zu führen. Sie legte den Durchschlag eines nicht ausgeführten Überweisungsträgers vor. So wollte sie offenbar den Eindruck erwecken, durch eine Einzahlung bereits eine Teilwiedergutmachung geleistet zu haben. Tatsächlich hatte sie nichts für niemanden eingezahlt.

Dass einige Taschenverkäufe inzwischen über ein Konto wieder „rückabgewickelt“ worden sind, wertete das Gericht ebenfalls nicht zugunsten der jungen Gaunerin. Erstens waren diese Verkäufe gar nicht Bestandteil des Strafverfahrens. Zweitens gehört dieses Konto der Mutter. Womöglich hatte sie sich um die Sache gekümmert.

(red)

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