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Während seiner Ausführungen vor dem Landgericht wirkte der Angeklagte Jonas Köller völlig ruhig.

S&K-Prozess

S & K: Hauptangeklagter weist Vorwürfe zurück

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Zu Beginn seiner Einlassung vor dem Frankfurter Landgericht hat Jonas Köller, einer der beiden Hauptangeklagten im S & K-Prozess, der Staatsanwaltschaft einseitige Ermittlungen vorgeworfen. Den Vorwurf, er habe Anlegergelder in die eigene Tasche gesteckt, wies er zurück.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit seinen Komplizen Tausende Kapitalanleger betrogen und einen Schaden von 240 Millionen Euro verursacht zu haben. Zu Beginn seiner Einlassung im Prozess um den mutmaßlichen S & K-Anlagebetrug wirkte der Hauptangeklagte Jonas Köller gestern aber so, als könnte er kein Wässerchen trüben: Mit einem Hemd, so weiß wie die Unschuld, und engelsgleicher Miene nahm er auf der Anklagebank Platz.

Obwohl es zunächst Probleme mit der Projektionstechnik gab, ließ sich der Mann, der zum Firmennamen S & K den zweiten Buchstaben beisteuerte, keine Nervosität anmerken. Als er mit seiner Einlassung beginnen konnte, sprach er mit ruhiger Stimme, las mal vor, erläuterte dann wieder frei. Den Richtern und Schöffen stellte Köller frei, jederzeit Fragen zu stellen, was bei Einlassungen nicht üblich ist.

Köller ließ durchblicken, dass seine Ausführungen mehr Zeit in Anspruch nehmen werden als diejenigen des Mitangeklagten Hauke B. Das war insofern eine Ansage, als der Hamburger rund 230 Seiten vorgetragen und mehrere Tage gesprochen hatte. Dass die zeitlichen Abläufe im ungewöhnlich komplexen Prozess um die S & K-Gruppe andere sind als in anderen Verfahren, ist den Beteiligten aber längst klar: Gestern war zwar schon der 39. Sitzungstag, drei der sechs Angeklagten haben bis jetzt aber noch keinen Mucks zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen sagen können.

Zu Beginn seiner Ausführungen widersprach Köller dem Tenor der Anklage: Dass die Investitionen der S & K-Gruppe nicht geeignet gewesen seien, den Anlegern eine Rendite zu bringen; dass eine Rendite gar nicht beabsichtigt gewesen sei und die Geschäftsführer das Geld für eigene Zwecke verbraucht hätten, entspreche nicht der Wahrheit. Anders als von den Strafverfolgern dargestellt, seien die S &K -Gesellschaften für ihn „kein Selbstbedienungsladen“ gewesen.

Seinen aus Sicht der Staatsanwälte ausschweifenden Lebensstil habe er mitnichten mit Anlegergeldern, sondern mit seinen Vorstandsgehältern bestritten, sagte Köller. Im angeblichen Tatzeitraum habe er etwa 3 Millionen Euro erhalten, das entspreche einem Jahresgehalt von 1,2 Millionen. Dass das ein „exorbitantes Gehalt“ sei, wie die Staatsanwaltschaft behaupte, hält Köller unter Hinweis auf die in börsennotierten Unternehmen üblichen Vorstandsgehälter für fraglich. Köller räumte zwar ein, für private Zwecke Darlehen von S & K-Gesellschaften in Anspruch genommen und mit Firmenkreditkarte bezahlt zu haben; alle Privatausgaben habe er aber samt Zinsen zwischen vier und 18 Prozent zurückgezahlt.

Köller nannte das gesamte S & K-Verfahren ein „Konstrukt“. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen wegen Aussagen einer ehemaligen S & K-Mitarbeiterin begonnen, die vorsätzlich wahrheitswidrige Angaben gemacht habe; außerdem wegen eines Gutachtens der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Bei der „übereilten und völlig unverhältnismäßigen Razzia“ mit 1300 Beamten, gut 100 durchsuchten Objekten und Hubschrauber sei dann offenbar der „Point of no Return“ überschritten worden, mutmaßte Köller. Die Strafverfolger hätten danach an ihrer Hypothese, dass es sich bei den S &K-Geschäften um Betrug handelte, festhalten müssen.

Der Angeklagte warf der Staatsanwaltschaft vor, S & K mit den Inhaftierungen beträchtlichen Schaden zugefügt und in Aussicht stehende Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe verhindert zu haben. Auch Rechtsstreitigkeiten, die S & K für sich hätte entscheiden können, seien verloren gegangen. Über Nacht seien gut laufende S & K-Gesellschaften nichts mehr wert gewesen.

Köller berichtete gestern auch von seinen ersten Immobiliengeschäften mit Kompagnon Stephan Schäfer, der für ihn „wie ein großer Bruder“ gewesen sei. Er habe schon in seiner Jugend erfolgreicher Geschäftsmann werden wollen, sagte Köller. Seine Eltern hätten nur durchschnittliche Einkommen gehabt: „Ich war der Einzige, der mit 18 noch kein eigenes Auto hatte.“

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