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Modellprojekt gegen Drogenhandel: Ministerin zieht positive Bilanz – Kritiker bezweifeln Effektivität

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Von: Julius Fastnacht

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Politik und Polizei bewerten ein neues Projekt im Kampf gegen den Drogenhandel am Hauptbahnhof Frankfurt positiv. Doch Kritiker sehen darin keine Problemlösung.

Frankfurt – Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hat eine positive Zwischenbilanz des Drei-Säulen-Modells im Frankfurter Bahnhofsviertel gezogen. Seit 2020 verfolgt es das Ziel, konsequenter gegen gewerbsmäßigen Drogenhandel rund um den Hauptbahnhof Frankfurt vorzugehen.

Wie Kühne-Hörmann am Dienstag (26. April) in Frankfurt sagte, sei das Modell ein Musterbeispiel für gelungene Zusammenarbeit zwischen Justiz und Polizei. Dealer könnten deutlich früher und härter bestraft werden. „Dies ist ein großer Erfolg und ein klares Signal an die Täter.“

Das Drei-Säulen-Modell zur Bekämpfung des Drogenhandels am Hauptbahnhof Frankfurt sieht einen konsequenteren Umgang mit Dealern vor.
Das Drei-Säulen-Modell zur Bekämpfung des Drogenhandels am Hauptbahnhof Frankfurt sieht einen konsequenteren Umgang mit Dealern vor. © dpa/Boris Roessler

Hauptbahnhof Frankfurt: Drei-Säulen-Modell soll Kampf gegen Drogenhandel erleichtern

Auch der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill schließt sich dieser Sichtweise an. In der Praxis schrecke das Modell polizeibekannte und schon seit längerem tätige Drogenhändler erkennbar ab, sagte er. Die Säulen des Modells setzen sich dabei wie folgt zusammen:

Laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt sind seit Einführung des Drei-Säulen-Modells in mindestens 19 Fällen Angeklagte wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels verurteilt worden.

Zudem habe auch die Zahl der Verfahren seit Projektbeginn deutlich zugenommen. So gab es letztes Jahr 50 neue Verfahren und 18 Anklagen. Der Hessenschau zufolge wurden 2019, also vor Beginn des Modellprojekts, lediglich zwei Verfahren eröffnet und jeweils wieder eingestellt. Außerdem beschlagnahmte die Polizei seit Projektbeginn über Kleinbeträge insgesamt 100.000 Euro bei Straßendealern.

Kritikern zufolge bringt das Modellprojekt in Frankfurt keine nachweisbaren Erfolge. Zudem sei der Drogenhandel an sich gar nicht Kern des Problems.
Kritikern zufolge bringt das Modellprojekt in Frankfurt keine nachweisbaren Erfolge. Zudem sei der Drogenhandel an sich gar nicht Kern des Problems. © dpa/Boris Roessler

Drogenhandel am Hauptbahnhof Frankfurt: Kritiker bezweifeln Effizienz des Modellprojekts

Allerdings: Nicht alle scheinen von der Durchschlagskraft des neuen Modellprojekts überzeugt. Zur Hessenschau sagte etwa Petra Thomsen, die für die Grünen im Frankfurter Ortsbeirat 1 sitzt: „So richtig vor Ort beobachten kann man es nicht.“ Vielmehr sei der Drogenkonsum im Szeneviertel seit Pandemiebeginn wieder viel präsenter geworden.

Angela Grünzel, die im Bahnhofsviertel für die Integrative Drogenhilfe arbeitet, äußerte sich ebenfalls kritisch: „Das Problem ist nicht der Verkauf, sondern das Verbot“, sagte sie der Hessenschau. Erst der Verkauf sorge dafür, dass Abhängige in die Kriminalität abrutschen würden. Ob der Drogenhandel im Bahnhofsviertel zuletzt zu- oder abgenommen hätte, das sei jedenfalls kaum zu ermitteln, teilte Grünzel der Hessenschau weiter mit. (dpa/juf)

Sogar anderen Kommunen diente die liberale Drogenpolitik rund um den Hauptbahnhof Frankfurt lange Zeit als Vorbild. Mittlerweile gibt es Diskussionen, ob das Modell mit Blick auf die anhaltende Drogen-Problematik in Frankfurt angepasst werden muss.

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