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Unweit vom Hauptbahnhof Frankfurt erstreckt sich das Bahnhofsviertel.

Gentrifizierung

Früher Drogen, heute Szene: Das Bahnhofsviertel in Frankfurt wandelt sich 

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Am Hauptbahnhof Frankfurt ist das Bahnhofsviertel berüchtigt. Doch die Gentrifizierung hat Einzug gehalten. Das Viertel wandelt sich.

  • Am Hauptbahnhof Frankfurt ist das Bahnhofsviertel berüchtigt
  • Früher war es bekannt für die Rotlicht- und offene Drogenszene
  • Mittlerweile hat die Gentrifizierung Einzug ins Bahnhofsviertel gehalten

Frankfurt - Spritzen. Pfeifen. Konsum. In Massen standen die Menschen im Bahnhofsviertel Frankfurt auf den Straßen. Öffentlich konsumierten die Abhängigen dort Heroin und Crack. Das Bahnhofsviertel glich in den 1980er und 90er Jahren einem Moloch. Die Drogenszene zählte zeitweise 1000 Abhängige. Bis zu 150 Tote im Jahr waren zu beklagen. Der Frankfurter Weg, ein Hilfsprogramm für Drogenabhängige, verbesserte die Zustände jedoch merklich.

Hauptbahnhof Frankfurt: Drogenszene im Bahnhofsviertel verlagert sich 

Seit 1992 können Abhängige in Konsumräumen Drogen nehmen. Außerdem gibt es Schlafplätze und soziale Unterstützung. Inzwischen liegt die Zahl der Drogentoten in Frankfurt laut "statista" bei durchschnittlich 25 bis 30 pro Jahr. Die Zahl der Verstorbenen ist also erheblich zurückgegangen.

Dennoch ist die Drogenszene im Bahnhofsviertel Frankfurt vor allem in der Nidda- und Elbestraße nach wie vor präsent. Anwohner klagen, dass sich das Milieu dorthin verlagert habe. Man sehe viele Menschen, die auf offener Straße Drogen wie Crack konsumieren - unweit vom Hauptbahnhof Frankfurt. Teilweise auch neben offenen Konsumräumen, heißt es. 

Hauptbahnhof Frankfurt: Bahnhofsviertel wandelt sich wegen Gentrifizierung

Doch an anderer Stelle wandelt sich das Bahnhofsviertel. Die Gentrifizierung hält am Hauptbahnhof Frankfurt Einzug. Am deutlichsten sichtbar ist das in der Münchener Straße. Gentrifizierung ist nach allgemeiner Definition ein Vorgang, bei dem ein Stadtteil kontinuierlich aufgewertet wird. Anfangs kann das durch den Zuzug von Studenten und Künstlern geschehen. Später folgen Bars, Clubs und Restaurants. Dann lassen Investore n Wohnhäuser aufwendig renovieren und restaurieren. Wohlhabende Menschen ziehen in die renovierten Wohnungen. 

Folge: Die Mieten steigen. Die zuvor ansässigen Bewohner werden aus ihrem Viertel verdrängt. Auch das Viertel wandelt sich und verändert im weiteren Verlauf mehr und mehr seine Erscheinung. Der Charme des Kiezes droht auf lange Sicht verloren zu gehen. 

Hauptbahnhof Frankfurt: Im Bahnhofsviertel gibt es wegen der Gentrifizierung nun trendige Bars

Dieses Phänomen der Gentrifizierung lässt sich auch im Bahnhofsviertel in Frankfurt beobachten. Eine Reihe von Szene-Bars wie die Kinly Bar, Terminus-Klause, das AMP, Plank oder Maxie Eisen versorgen die Frankfurter mit Drinks - unweit vom Hauptbahnhof Frankfurt

Und mittlerweile gibt es im Bahnhofsviertel Frankfurt ein großes Angebot an Restaurants. Das Sortiment reicht von Koreanisch, Arabisch und Indisch bis zu Osta frikanisch. Mittlerweile pulsiert das Leben im Bahnhofsviertel. Das Bahnhofsviertel in Frankfurt gilt laut "Wirtschaftswoche" sogar als angesagtester Stadtteil in der gesamten Main-Metropole. 

Hauptbahnhof Frankfurt: Im Bahnhofsviertel wird das Wohnen wegen Gentrifizierung teurer

Deshalb steigen vor allem die Preise für Altbauwohnungen und Neubauten im Bahnhofsviertel Frankfurt stark an. So lag der Durchschnittspreis für Neubauten laut Mietspiegel der Stadt Frankfurt im ersten Halbjahr 2019 bei 6900 Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 ist das ein Zuwachs von 13 Prozent. Bezogen auf das erste Halbjahr 2017 sind die Preise sogar um 30 Prozent angestiegen. 

Beispiel: Die Elbestraße 48/50 wird kernsaniert. „Urban Central“ heißt das Projekt. Im Juni 2020 sollen 80 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern bezugsfertig sein. Die Kaufpreise für die 38 bis 109 Quadratmeter großen Einheiten sollen jeweils zwischen 383.000 Euro bis 861.000 Euro liegen. Das sind Preise, die sich selbst Menschen mit mittlerem Einkommen kaum leisten können. Das ist die Schattenseite der Gentrifizierung.

Von Moritz Serif  

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