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Eingezwängte Bahn-Pendler: Waggon-Knappheit wegen Ukraine-Krieg

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Von: Julius Fastnacht

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Kaum Platz in den Regionalzügen am Hauptbahnhof Frankfurt: Weil wegen des Ukraine-Krieges Ersatzteile fehlen, muss die Bahn derzeit weniger Waggons einsetzen.

Frankfurt – Matthias Stein* ärgert sich. Jeden Mittag fährt er nach Ende seiner Frühschicht vom Hauptbahnhof Frankfurt in Richtung Hanau. Seit kurzem wird die Fahrt im Regio aber regelmäßig zur Tortur: „Wie im Viehtransport sind wir da drin zusammengepfercht“, sagt er. Stein drückt die Arme eng an den Körper, um zu zeigen, wie dicht aneinander die Pendler stehen.

Stein findet, derzeit seien regelmäßig zu wenige Waggons an die Lok angeschlossen. Tatsächlich ist er nicht der einzige, der ein Problem ausgemacht hat. In der Facebook-Gruppe des Rhein-Main-Verkehrsbundes echauffiert sich ein Mann: „HLB von Niedernhausen-Limburg komplett überfüllt! Gestern so schlimm, dass ein Teil der Fahrgäste nicht einsteigen konnte! Ein zweiter Wagen wäre sinnvoll!“

Hauptbahnhof Frankfurt: Wegen Ukraine-Krieg fehlen Waggons Ersatzteile

Nachgefragt bei der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt, die beide Strecken betreibt. Wo liegt die Ursache des scheinbar akuten Waggon-Dilemmas? Die Antwort an unsere Redaktion kommt prompt und verklausuliert: Bei einzelnen Verbindungen im Regionalverkehr „können vorübergehend teilweise kürzere Züge im Einsatz sein.“ Ursache seien ausbleibende Lieferungen von Radscheiben eines Herstellers in der Ukraine. Wegen des russischen Angriffs sei die Produktionsstätte vor Ort geschlossen.

Wie die Welt berichtet, musste das Unternehmen deshalb zwei Aufträge für die schnelle Beschaffung von Zugrädern kurzfristig neu vergeben. Auf ein geregeltes Ausschreibungsverfahren sei dabei sogar verzichtet worden. Für die wohl vierstellige Zahl von bestellten Rädern habe der DB-Konzern dann mit dem spanischen Eisenbahnkonzern CAF und einem kleinen Nürnberger Unternehmen, das angeblich in China produziert, Verträge abgeschlossen.

Regionalzüge starten am Hauptbahnhof Frankfurt starten mit weniger Waggons: Ersatzteile können wegen des Krieges nicht mehr in der Ukraine bestellt werden.
Regionalzüge starten am Hauptbahnhof Frankfurt starten mit weniger Waggons: Ersatzteile können wegen des Krieges nicht mehr in der Ukraine bestellt werden. © dpa/Soeren Stache

Hauptbahnhof Frankfurt: Deutsche Bahn bestellt Waggon-Ersatzteile aus Spanien

Auch wenn die DB jetzt auf Ersatz von der iberischen Halbinsel und aus dem Fernen Osten setzt, bleibt offen, wie schnell denn der Nachschub wirklich eintrifft. Zwar teilt die Bahn-Pressestelle der Redaktion über den spanischen Produzenten mit: „Dieser hat zugesagt, bereits in diesem Monat die Produktion der Räder aufzunehmen“ – ein Auslieferungsdatum nennt der Betreiber allerdings nicht.

Mit Blick auf den sich ankündigenden Sommer und den zu erwartenden Ansturm auf das 9-Euro-Ticket blickt Matthias Stein jedenfalls mit Sorge auf die täglichen Fahrten nach Frankfurt. „Und Corona gibt‘s ja auch noch“, fügt er hinzu. Fest steht: Zumindest die nächsten Wochen über sollten sich Pendler warm – in diesem Fall wohl besser möglichst luftig – anziehen. (Julius Fastnacht)

*Name von der Redaktion geärgert

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