Hilfe statt Repression

Der Frankfurter Weg, oder: die liberale Drogenpolitik der Stadt

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In den 1980er Jahren bestimmten Drogen das Bahnhofsviertel und den angrenzenden Hauptbahnhof. Der Frankfurter Weg änderte alles. 

  • Drogenproblem in Frankfurt spitzt sich Ende der 1980er Jahre dramatisch zu
  • Offene Drogenszene in der Taunusanlage nahe des Hauptbahnhofs Frankfurt
  • Frankfurt geht neuen Weg in der Drogenpolitik

Frankfurt - In Frankfurt spitzt sich Ende der 1980er Jahre das Drogenproblem dramatisch zu. Immer mehr Menschen leben aufgrund ihrer Abhängigkeit komplett oder teilweise auf der Straße, in der Taunusanlage nahe vom Hauptbahnhof Frankfurt bildet sich eine offene Drogenszene. Zu Hochzeiten halten sich in der kleinen Grünanlage zwischen Bankentürmen und Bahnhofsviertel rund 1000 Drogenabhängige und Dealer auf. Crack und Heroin werden öffentlich konsumiert und gedealt. 

Da nicht genügend saubere Utensilien – wie beispielsweise Spritzen – zum Konsumieren der Drogen vorhanden sind, breiten sich HIV und Hepatitis aus, die Polizei hat immer häufiger mit Beschaffungskriminalität zu kämpfen. 1992 kommt es dann zu einem traurigen Höhepunkt: 147 Menschen sterben in Frankfurt in diesem Jahr an den Folgen des Drogenkonsums. Die Stadt Frankfurt ist gezwungen zu handeln – der Frankfurter Weg entsteht. Kern dieser Idee: Hilfe für Abhängige statt strafrechtlicher Verfolgung. 

Hauptbahnhof Frankfurt: Versuche, offene Drogenszene zu zerschlagen, scheitern

Bei der Entwicklung der Idee arbeiten Politik, Drogenhilfe und Polizei zusammen, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. In den Jahren zuvor hatten sowohl Stadt als auch Polizei mehrere Versuche gestartet, die offene Drogenszene in der Taunusanlage und im angrenzenden Bahnhofsviertel nahe des Hauptbahnhofs Frankfurt (Hauptbahnhof Frankfurt: Die wichtigsten Verbindungen der Deutschen Bahn (DB)) zu zerschlagen, diese scheiterten jedoch. Der neue, etwas unkonventionelle Ansatz, soll helfen, die entstandenen Probleme zu lösen. 

Der Frankfurter Weg beruht auf vier Säulen: 

  • Prävention
  • Beratung und Therapie
  • Überlebenshilfe
  • Repression

Drogenpolitik anders am Hauptbahnhof Frankfurt: Der Frankfurter Weg

Die Prävention soll den Einstieg in die Drogen vermeiden oder zumindest verzögern. Die Säule der Beratung und Therapie sollen den Ausstieg erleichtern. Hierfür wurde unter anderem auch die Ausgabe von Methadon, also eines Heroin-Ersatzstoffes, ausgeweitet. 

Überlebenshilfe soll gesundheitliche Risiken, wie HIV oder Hepatitis, mindern. Repression gilt vor allem den Dealern, um den Drogenhandel zu bekämpfen. Razzien im gesamten Bahnhofsviertel nahe des Hauptbahnhofs Frankfurt sollen den Verkauf von Heroin und Crack erschweren. 

Am Hauptbahnhof Frankfurt und in der angrenzenden Taunusanlage gab es es Ende der 1980er Jahre ein massives Drogenproblem.

Hauptbahnhof Frankfurt: Drogen in Konsumraum konsumieren

Um die gesundheitlichen Risiken durch die Mehrfachnutzung von Utensilien zum Konsum von Drogen minimieren zu können, gehen die Verantwortlichen der Stadt, der Polizei und der Drogenhilfe noch einen Schritt weiter. Bereits vor dem Frankfurter Weg organisiert die Integrative Drogenhilfe in Frankfurt einen Spritzentausch, damit Abhängige mit sauberen Utensilien ihre Drogen konsumieren können. 

Zusätzlich wird 1994 im Bahnhofsviertel nahe des Hauptbahnhofs Frankfurt (Zu welchen Öffnungszeiten Sie am Hauptbahnhof Frankfurt einkaufen gehen können) der erste Konsumraum eingerichtet. Dort ist es möglich, in einem geschützten Raum Heroin und Crack zu konsumieren. Heute gibt es im Frankfurter Stadtgebiet insgesamt vier solcher Konsumräume, die immer strakt frequentiert sind. 

Drogen am Hauptbahnhof Frankfurt: Zahl der Drogentoten stark zurückgegangen 

Der Frankfurter Weg in der Drogenpolitik hat Wirkung gezeigt. Denn inzwischen liegt die Zahl der Drogentoten in Frankfurt laut „statista“ bei durchschnittlich 25 bis 30 pro Jahr. Die Zahl der Verstorbenen ist also erheblich zurückgegangen. Auch deshalb gilt das Modell bis heute als Vorbild für viele Kommunen im In- und Ausland. 

Rubriklistenbild: © FNP-Archiv

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