+
Symbolbild

Sanierung

Hauptbahnhof Frankfurt vor großem Umbau – B-Ebene wird komplett neu gestaltet

Kommendes Jahr könnte der lang angekündigte Ausbau der B-Ebene des Hauptbahnhofs Fahrt aufnehmen. Mitten in die Pläne platzt die Idee, Fernzüge künftig unterirdisch in die Metropole zu leiten.

Gebaut wird am Hauptbahnhof eigentlich immer, sagt sein Manager Hartmut Schwarz. Ähnlich wie beim Kölner Dom gebe es am verkehrsreichsten Schienen-Knotenpunkt Deutschlands ständig etwas zu tun. Gerade werden Arbeiten an den Bahnsteigen abgeschlossen, größere Bildschirme und ein zusätzlicher Info-Schalter sowie mehr Sitzgelegenheiten für Wartende stehen auf der To-do-Liste. Und nächstes Jahr könnte endlich Schwung in ein seit Jahren in den Startlöchern stehendes Vorhaben kommen: den Umbau der unterirdischen B-Ebene.

Die Genehmigung des Eisenbahnbundesamts werde bis Ende 2018 erwartet, sagt Schwarz. Die schmuddelige Passage soll heller und freundlicher werden, schicke Läden sollen auf der vergrößerten Verkaufsfläche einziehen.

136 Millionen Euro beträgt die Investitionssumme insgesamt, ein Teil fließt auch in die Renovierung der Ladenzeile und des Eingangs in der nördlichen Haupthalle. Eine neu gestaltete Zwischenebene soll den Strom der Pendler unkompliziert und direkter von der S-Bahn in Richtung Haupteingang leiten. Aus vielen kleinen und unübersichtlichen Zugängen sollen wenige und gut einsehbare werden.

Urin, Müll, Drogen

470 000 Reisende durchqueren den Hauptbahnhof täglich im Schnitt. Findet eine größere Messe statt, sind es auch deutlich mehr als eine halbe Million. Mit Streifen von Polizei und Sicherheitsleuten sowie verstärktem Einsatz von Reinigungspersonal versuchen Stadt und Bahn bis zum Umbau, auf Klagen über Uringestank, Müll und Drogenkriminalität zu reagieren. „Es ist schon besser geworden als vor zwei Jahren, als sich die Kunden gar nicht mehr hinunter getraut haben“, sagt Schwarz. Den Durchbruch aber erhofft er sich von den Bauarbeiten, die Ende 2019 oder Anfang 2020 beginnen könnten. Mit vier bis fünf Jahren Bauzeit wird gerechnet. Bei der Ankündigung ihres Vorhabens vor vier Jahren war die Bahn noch davon ausgegangen, dass der Umbau 2020 schon fertig ist.

Kommendes Jahr könne nach Erteilung der Genehmigung die Ausschreibung beginnen. Baufirmen und Handwerker seien jedoch auch für die Bahn schwer zu finden, sagt Schwarz. Schwierig sei, dass grundsätzlich bei laufendem Betrieb gearbeitet werden müsse, das heißt, auch nachts. In einem Musterraum in der B-Ebene zeigt der Bahnhofsmanager, wie er sich Einzelheiten der neuen Passage vorstellt. Stücke verschiedener Wand- und Deckenverkleidungen wurden hier probeweise montiert, um deren Wirkung auszuprobieren. Auch Bodenplatten werden auf Robustheit getestet.

Ist die B-Ebene umgebaut, kann die seit zehn Jahren geplante Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes beginnen. Vor Mitte 2024 sei deshalb nicht mit dem Beginn der Arbeiten zu rechnen, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. Rund zehn Millionen Euro sollen in das neue „Tor zur Stadt“ fließen.

Idee genau prüfen

Weitaus einschneidendere Pläne für den Hauptbahnhof hat vor einigen Wochen das Bundesverkehrsministerium ins Spiel gebracht: Einen Fernbahntunnel zwischen Offenbach und der Mainbrücke bei Niederrad (wir berichteten). Während sich die Stadt darüber beglückt zeigte, reagierte der Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zurückhaltend: Es müsse sehr genau geprüft werden, ob ein solches Projekt überhaupt sinnvoll und machbar sei.

Bei den Bauvorhaben südlich des Hauptbahnhofs gibt es unterdessen konkrete Fortschritte: Ein neues Intercity-Hotel feiert dort am 1. Dezember Eröffnung. In dessen Erdgeschoss soll auch das Terminal des Fernbus-Bahnhofs einziehen, der voraussichtlich Anfang 2019 seinen Betrieb aufnehmen kann.

Von Isabell Scheuplein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare