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Hauptbahnhof Frankfurt soll so schön werden wie zu Beginn

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Von: Michelle Spillner

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Fundstück im Hauptbahnhof während der Bauarbeiten: Die imposante Kuppeldecke mit dem aufwendigen Stuck und den dekorativen Malereien des ehemaligen Männerwaschraums aus dem Jahr 1888 war jahrzehntelang hinter einer Verschalung verschwunden.
Fundstück im Hauptbahnhof während der Bauarbeiten: Die imposante Kuppeldecke mit dem aufwendigen Stuck und den dekorativen Malereien des ehemaligen Männerwaschraums aus dem Jahr 1888 war jahrzehntelang hinter einer Verschalung verschwunden. © Spillner

Mehr Licht, mehr Luft, mehr Leben: Frankfurts Verkehrsknoten soll moderner werden und seinen historischen Charme zurückerhalten.

Frankfurt – In 20 Meter Höhe auf dem Gerüst am Portalbogen in der Mitte des Querbahnsteigs wird die Restauratorin Leonie Saltzmann-Tyll von kaum einem Reisenden am Hauptbahnhof Frankfurt bemerkt. Dort wurde in den vergangenen Monaten die Statik des 134 Jahre alten Portalbogens untersucht, und es ist alles gut. Den bis zu 450 000 Menschen am Tag, die teils schwer gepackt, teils kofferziehend durch den Hauptbahnhof eilen, fällt auch das kleine Loch in der Decke des Haupteingangs, der ehemaligen Schalterhalle, nicht auf. Ein Stückchen Blechverkleidung wurde entfernt, um zu sehen, wie es darunter aussieht, und die weiteren Maßnahmen abzustimmen.

Seit Herbst 2020 laufen der Umbau und die Sanierung des Hauptbahnhofs mit einem Gesamtvolumen von 375 Millionen Euro. "Wir machen so viel, was die Reisenden gar nicht sehen", berichtet Dr. Katja Maaser, Leiterin des Mammutprojektes "Masterplan Frankfurt Hauptbahnhof", der alle Maßnahmen zusammenfasst.

Reisende am Hauptbahnhof Frankfurt merken nichts von Testlauf

Auf den ersten 18 000 von insgesamt 55 0000 Quadratmetern der B-Ebene ist hinter einer weißen Bauschutzwand alles herausgerissen worden, 35 Zentimeter Boden wurden abgetragen. 320 Tonnen Asbestmaterial wurden herausgeholt und 580 Kilometer Kabel - so viel wie von Berlin nach Frankfurt. Während sich an Gleis 6 in der Bahnhofshalle der ICE in Richtung Chur im nebeligen Schweizer Kanton Graubünden in Bewegung setzt, rollt untendrunter, durch die dunstige B-Ebenen-Baustelle, ein Radlader mit einer Füllung Steine.

Alles steht dort im Rohbau. Bald wird dort nach und nach wieder eingebaut. Auch die Sprinkleranlagen und eine neue Trafostation für die künftig angestrebten 34 Geschäfte in der B-Ebene - das sind zehn mehr als bislang. Wie der Bodenbelag aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Am Abgang zur B-Ebene, kurz hinter der Rolltreppe, gibt es zwei Testfelder mit verschiedenen Fliesen. Die Reisenden laufen achtlos darüber und ahnen nicht, dass sie mit jedem Schritt, den sie daraufsetzen, an der Entscheidung mitwirken: Was den Testlauf am besten übersteht, kommt in die engere Wahl.

Frankfurt Hauptbahnhof: B-Ebene wird als erstes umgebaut

Wenn die weißen Bauwände geöffnet werden, soll es schöner, freundlicher, sicherer und praktikabler sein. Die 3,35 Meter hohe, bislang erdrückend wirkende Decke soll dank eines Lichtkonzeptes hell und freundlich wirken, dunkle Ecken sollen verschwunden sein. Der ganze Bahnhof soll so schön werden, dass man gerne dahingeht, vielleicht auch mal zum Eisessen. Die sogenannte Verteilerebene, sprich B-Ebene, soll 2024 fertig werden. Schon im April werden die Arbeiten dort, die Baustelle in der B-Ebene, ausgeweitet, dann werden die Baustellenwände vorrücken.

"Es ist interessant, was hinter diesen Wänden geschieht", sagt Dr. Maaser. Ein Guckloch gibt es nicht, abgesehen von den virtuellen Gucklöchern, die Webcams, die aber zurzeit abgeschaltet sind. Zu viel Baustaub. Man müsste alle naselang die Objektive abwischen, damit im Internet etwas zu sehen ist. Im März sollen die Kameras wieder eingeschaltet werden. Aktuell lässt nur das leise Surren und Klopfen hinter dem Schallschutz die Aktivitäten erahnen. Wenn Corona sich beruhigt hat, soll es auch Baustellenführungen für die Öffentlichkeit geben.

Pläne für Umbau am Frankfurter Hauptbahnhof: Teilweise zehn Jahre Bauzeit

Einer der größte bauliche Brocken wird die Errichtung des geschossübergreifenden Lichthofes im Bereich des Haupteingangs von 2026 an. Über eine Art Galerie sollen die Menschen künftig rechts und links der ehemaligen Schalterhalle geführt werden. Die wird zur Gleishalle hin versetzt und durch eine Öffnung wird man direkten Blick auf Geschäfte in der B-Ebene haben. Dort, wo der Boden aufgebrochen sein wird, zeigt ein großes Schaubild, wie es aussehen wird. Es findet kaum Beachtung.

Wer doch stehen bleibt und einen Blick darauf wirft, ist beeindruckt. Durch diesen Umbau wird der Bahnhof luftiger, und es ist eine der Maßnahmen, Wegebeziehungen zu verkürzen. Die erwarteten 30 Prozent mehr Reisekapazität der Zukunft müssen ja irgendwohin. Um das Mehr abzufangen, wird es auch noch ein Gleis Nummer 25 geben und schließlich, - irgendwann, geplant - nach mindestens zehn Jahren Bauzeit und 3,6 Milliarden Euro Kosten in 35 Meter Tiefe einen Fernbahntunnel.

Arbeiter machen überraschende Entdeckungen

Die Kunst bei alledem ist es zum einen, das alles im laufenden Betrieb zu stemmen - auch die anstehende Sanierung des Querbahnsteigs Mitte der 2030er Jahre, der noch auf dem Untergrund aus dem Jahr 1888 basiert. Und zum anderen Neuerungen umzusetzen und dabei Altes und somit Identifikation zu erhalten und die ursprüngliche Schönheit zu bewahren. Während der Bauarbeiten wurde und wird auch manches Historisches zutage gefördert, von dem man gar nicht wusste, dass es noch vorhanden war. Die Baumaßnahmen seien auch die Gelegenheit, viel vom historischen Charme des prachtvollen Gebäudes zurückzuholen und den Wiedererkennungswert des Bahnhofs zu stärken, "damit ich weiß, dass ich in Frankfurt bin", so Dr. Maaser. (Michelle Spillner)

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