Am Bahngleis musizieren

Am Hauptbahnhof steht jetzt ein Klavier

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Einen Monat lang steht im Hauptbahnhof ein Klavier. Allerdings nicht als Dekoration, das Piano soll und darf gespielt werden. Mit dieser Aktion will Pianist Aristo Khosrobeik Menschen für das Musizieren begeistern.

So manch ein Passant wird sich wohl verwundert die Augen reiben und trotz der Hektik, die ihn treibt kurz innehalten, wenn er heute oder in den nächsten Tagen an den Gleisen zwei, drei und vier im Frankfurter Hauptbahnhof vorbei eilt. Denn dort, direkt vor der Markthalle, steht für die nächsten vier Wochen ein Klavier, das bespielt werden darf. Von jedem der mag.

Dort aufstellen lassen hat es Aristo Khosrobeik, Leiter der Musikschule Clavina in Höchst. „Unter dem Motto ,Keine Berührungsängste’ möchte ich alle Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft, Sozialisation oder Nationalität für das Musizieren begeistern“, erklärt der 37-Jährige, warum das Piano in den nächsten Wochen zum Freiluftklavier wird.

Vor einem Jahr hatte Khosrobeik schon einmal ein Instrument im Hauptbahnhof aufgestellt. Mit einem Pariser Chanson und anderen bekannten französischen Melodien begrüßte und verabschiedete der Musiker damals den neuen ICE-Sprinter, der Deutschen Bahn, der seit Dezember 2016 zwischen Frankfurt und Paris unterwegs ist.

Schon damals hatten die Passanten die Möglichkeit auf den Tasten des Klaviers, das sich Khosrobeik übrigens aus dem kleinen Pavillon aus dem Garten des Bolongaropalastes ausgeliehen hatte, zu klimpern. Das Instrument, das ab heute an den Gleisen steht, musste Khosrobeik sich allerdings nicht borgen, er hat es geschenkt bekommen.

Welche Töne dem Instrument entlockt werden, ob diese schief klingen oder nicht, das sei letztlich zweitrangig, erklärt der Musiker. „Es geht um viel mehr. Die spontane Erfahrung, ein Klavier am Straßenrand oder eben am Hauptbahnhof zu entdecken, versetzt die Passanten in Erstaunen und reißt sie aus dem grauen Alltag heraus“, sagt er und beschreibt eine ganz typische Situation. Plötzlich setze sich jemand ans Klavier und schenke allen Anwesenden eine schöne Melodie und eine angenehme Erfahrung. Oder Menschen, die noch die die Möglichkeit hatten, Klavier zu spielen, entdeckten das Instrument für sich und fänden Freude daran.

„Die Erfahrung von 2016 hat gezeigt, dass Menschen, die sonst aneinander vorbei gegangen wären, miteinander ins Gespräch kommen. Wir brauchen mehr Musizieren und Kunst im öffentlichen Raum“, schlägt Aristo Khosrobeik vor. Aber auch wenn die Aktion in Frankfurt so gut ankommt, auf andere Städte ausweiten und dort sein Freiluftklavier aufstellen, das will der Musiker nicht.

Die Idee ein Klavier im Bahnhof einer Großstadt aufzustellen, stammt übrigens aus Frankreich. Über 100 Bahnhöfe haben sich dort bereits in Konzertsäle verwandelt. Auch in Frankfurt ist ein Klavier unter freiem Himmel keine Sensation mehr. An der Hauptwache und auf dem Paulsplatz standen bereits Instrumente, Aristo Khosrobeik musizierte bereits vor dem Höchster Bikuz, vor einem Supermarkt in Unterliederbach sowie im Garten des Bolongaropalastes. Und vom 15. Januar bis 15. Februar zwischen Gleis zwei und vier im Frankfurter Hauptbahnhof.

Das Freiluftklavier ist längst nicht die einzige Veranstaltung, mit der sich Aristo Khosrobeik in Frankfurt einen Namen gemacht hat. Der gebürtige Iraner, Absolvent der Wiesbadender Musikakademie und als freiberuflicher Pianist und Pädagoge für Klavier tätig, ist zudem mit verschiedenen Konzertprogrammen im Rhein-Main-Gebiet unterwegs.

Für sein Freiluftklavier wurde er zudem bereits mit dem Frankfurter Bürgerpreis im Bereich „Integration und Völkerverständigung“ ausgezeichnet.

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