Das „Loch“ an der Hauptwache, die große Treppenanlage zur B-Ebene, soll nun doch nicht geschlossen werden. Heute will die Römer-Koalition den „Deckel“ begraben.
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Das „Loch“ an der Hauptwache, die große Treppenanlage zur B-Ebene, soll nun doch nicht geschlossen werden. Heute will die Römer-Koalition den „Deckel“ begraben.

Frankfurt-Innenstadt

Neugestaltung der Hauptwache: Nächstes Provisorium droht

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Römer-Koalition will am Donnerstag (11.11.2021) das Konzept für die Umgestaltung der Hauptwache kippen. Zunächst soll eine provisorische Lösung herhalten.

Frankfurt – Das Schließen der ausladenden Treppenanlage an der Hauptwache in Frankfurt soll nicht länger Ziel sein: Heute will die Römer-Koalition den elf Jahre alten Beschluss der Stadtverordneten kippen. Stattdessen hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) das Umgestalten der Treppe zu einer Veranstaltungsarena vorgeschlagen. Allerdings droht damit wohl ein langes Provisorium mitten in der Stadt.

Den Stillstand an der Hauptwache in Frankfurt will Dezernent Josef überwinden: Die ungeliebten Treppen hinab in die B-Ebene sollen mit großen Sitzstufen zur Arena werden. Teilen des Bauwerks - konkret der "Apothekenhügel" und die "Verkehrsinsel" von Traffiq - könnten abgerissen werden. Neue "Verschattungselemente" und Bäume sollen das Areal um die am stärksten frequentierte S- und U-Bahn-Station mitten im Herzen der Stadt angenehmer machen. Anfang Oktober hatte Josef seine Pläne vorgestellt. Heute sollen die Stadtverordneten dies absegnen, den 2010 beschlossenen "Deckel" beerdigen.

Neugestaltung der Hauptwache Frankfurt: Beschluss wird als Befreiungsschlag gewertet

Der alte Beschluss "blockiert neue Ideen", findet Grünen-Fraktionsvorsitzender Dimitrios Bakakis aus Frankfurt. Den Beschluss heute wertet er als Befreiungsschlag. Im Beschlusstext werden die von Josef vorgestellten Vorschläge des Stadtplanungsamtes jedoch nur als "Ziele" und "Maßgabe" definiert. Eine Umsetzung aber beschließen die Stadtverordneten noch nicht: Sie geben bloß beim Magistrat "ein Konzept für temporäre Maßnahmen" in Auftrag - für 180 000 Euro.

Warum so unkonkret? Zunächst sollten die Bürger eingebunden werden, erklärt Bakakis. Zudem "können wir nichts Dauerhaftes planen wegen der ausstehenden Bauarbeiten unten". Dort muss das Bauwerk der Verkehrsstation saniert werden. Was das umfasse, sei noch nicht klar, sagt der Grüne. Die Zeit bis zur Klarheit darüber wolle man nutzen, um "verschiedene temporäre Dinge zu entwickeln und auszuprobieren, ob sie angenommen werden".

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Neugestaltung der Hauptwache Frankfurt: "Manches wird in zehn Jahren noch stehen"

Bislang hatte die CDU aus Frankfurt den Deckel favorisiert. Dieser sei die Lösung, die alle am liebsten gehabt hätten, gesteht Dimitrios Bakakis ein. "Es macht aber keinen Sinn, an Ideen festzuhalten, die unrealistisch sind." Das Schließen des Treppenabgangs koste bis zu 234 Millionen Euro - so viel Geld könne die Stadt in absehbarer Zeit nicht aufwenden.

Dass sieht die CDU offenbar nun ähnlich: Sie hat drei Vorschläge für die Gestaltung des Geländes ohne Deckel vorgelegt. So fordert die Fraktion, große Bäume zu pflanzen statt bloß "Verschattungselemente" aufzubauen. Auch solle ein großer Brunnen als Planungsziel aufgenommen werden und das Schillerdenkmal zurück auf die Hauptwache kommen.

Über den Umzug des Denkmals "kann man 'mal nachdenken", findet Dimitrios Bakakis. Der Brunnen sei schon als Ziel gesetzt. Das Pflanzen großkroniger Bäume prüfe man gerne, es sei aber "ein bisschen unrealistisch", da sich unter der Oberfläche ja das Bauwerk befinde. Während der Koalitionsantrag heute in Frankfurt beschlossen werden soll, wollen die Koalitionäre die CDU-Vorschläge erneut im Planungsausschuss besprechen. "Die CDU hat sich Mühe gegeben, ein Haar in der Suppe zu finden", findet der Grünen-Fraktionschef. "Das ist ihr aber nicht geglückt."

Frankfurt: Keine Klarheit über die Bauarbeiten an der Hauptwache

Allerdings bringt ja auch der Koalitionsbeschluss heute zunächst nichts Dauerhaftes ohne Klarheit über die Bauarbeiten im Untergrund. Droht also ein langwieriges Provisorium? "Manches Temporäre wird vielleicht auch in zehn Jahren noch dort stehen", gesteht Dimitrios Bakakis ein.

Darüber ärgert sich der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion aus Frankfurt, Frank Nagel. Es sei nicht zu verstehen, warum die neue Koalition alles neu plane, obwohl die Stadt schon 2005/2006 untersucht habe, welche Umbauten möglich seien. Offenbar arbeite das Planungsdezernat nicht mit dem für die Station verantwortlichen Verkehrsdezernat zusammen. "Das ist frustrierend", so Nagel.

Frankfurt: Gesamtplanung mit Verkehrsgesellschaft Frankfurt

Nötig sei daher dringend, dass eine Gesamtplanung entstehe, die gemeinsam mit der Verkehrgesellschaft Frankfurt entstehe, fordert der Verkehrspolitiker. Die VGF ist für das sanierungsbedürftige Bauwerk zuständig. Frank Nagel mahnt: "Nur wenn klar ist, was die Stadt haben will, kann die VGF mit der Sanierung anfangen."

Auch die Zeil in Frankfurt soll umgestaltet werden. Damit wollen die Verantwortlichem dem Leerstand in der Innenstadt entgegenwirken. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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