Den Treppenabgang an der Hauptwache will die Stadt zur Veranstaltungsarena umbauen. Das genügt den Einzelhändlern nicht.
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Den Treppenabgang an der Hauptwache will die Stadt zur Veranstaltungsarena umbauen. Das genügt den Einzelhändlern nicht. (Archivbild)

Zeil in Frankfurt

Protest der Händler gegen Umgestaltung der Hauptwache

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Nur eine kleine Lösung plant die Stadt für den Umbau des Platzes an der Hauptwache. Das bringt die Einzelhändler auf die Palme.

Frankfurt – Die Einzelhändlerschaft an der Zeil ist enttäuscht darüber, dass die Stadt nur eine kleine Lösung zur Neugestaltung der Hauptwache Frankfurt umsetzen will. Das erklären die in der Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammengeschlossenen Unternehmen in einem bisher nicht veröffentlichten "Politikbrief" an die Planungspolitiker der Römer-Fraktionen, der dieser Zeitung vorliegt.

Es zeichneten sich nach 20 Jahren Diskussion wieder nur "Stückwerk und ein Provisorium und erneute langjährige Verzögerungen bei der ober- und unterirdischen Sanierung der Hauptwache ab", schreibt die IHK. Die Hauptwache und ihre B-Ebene seien jedoch einer der frequenzstärksten Orte in Frankfurt und "das Eingangstor für nationale und internationale Gäste unserer Stadt", erinnert Frank Bertsch, Filialgeschäftsführer der Galeria Hauptwache. "Es ist dringend erforderlich, eine Aufenthaltsqualität herzustellen, die einlädt, die Innenstadt zu besuchen und hier zu verweilen."

Frankfurt: Umgestaltung der Hauptwache im nächsten Jahr geplant

Einzelhändler und IHK zweifeln, dass das mit der stark abgespeckten Neugestaltung gelingt: "Allein die Umgestaltung des großen Eingangs zur B-Ebene in eine kleine Veranstaltungsarena reicht nicht aus, um die dringend erforderliche deutliche Verbesserung des Gesamteindrucks der Hauptwache zu erreichen", mahnt die IHK. Anfang November hatten die Stadtverordneten auf Vorschlag von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ihre zehn Jahre alte Vorgabe aufgehoben, den großen Zugangstrichter in die Bahnstation zu schließen. Es soll dafür nun nur kleine Umgestaltungen geben.

Josef will mehr Sitzmöglichkeiten, Bäume, das Umgestalten des Treppenabgangs zu einer Veranstaltungsarena sowie den "Verkehrsinsel"-Pavillon und den Aufbau über der Apotheke abreißen. Nächsten Sommer oder Herbst sollten erste Umgestaltungen an der Hauptwache Frankfurt erfolgen, kündigte Josef am Dienstag im Planungsausschuss an.

Kritik an Plänen für die Hauptwache Frankfurt: „Grundsanierung notwendig“

„Ob sich eine wirkliche Verbesserung der Situation durch den alleinigen Umbau des großen Eingangs zur B-Ebene in eine kleine Veranstaltungsarena erzielen lässt, ist fraglich“, zweifelt Geschäftsführer Uwe Beckmann von Juwelier Wempe. Sein Laden liegt direkt neben dem „Loch“. Es seien eine Grundsanierung des Platzes und der B-Ebene notwendig, sagt Beckmann. Mit der Arena sei „nach den bisherigen Erfahrungen in der Innenstadt zu befürchten, dass sich dort die gleichen Missstände einstellen, wie sie insbesondere von der Zeil bekannt sind.“

Deshalb warnt die IHK auch: "Eine solche Arena birgt die Gefahr, dass sie verstärkt zum Lagern von organisierten Bettlergruppen und zum öffentlichen Alkoholmissbrauch genutzt wird, sofern dies nicht konsequent kontrolliert und unterbunden wird." Ihm sei nicht bekannt, dass bisher "das Großbürgertum" den Platz an der Hauptwache zum Flanieren nutze, reagiert Dezernent Josef am Dienstagabend im Ausschuss verstimmt auf die Reaktionen von Händlern und IHK. Mit ihrem Vorhaben wolle die Stadt schnell etwas verbessern und nicht erst die technische Sanierung des Bauwerks im Untergrund abwarten, erklärt Josef, die noch zehn Jahre dauern könne.

Kaum Fortschritt an der Hauptwache Frankfurt: Stadt und VGF blockieren sich gegenseitig

"Technische und gestalterische Sanierung hängen voneinander ab und können nicht unabgestimmt voneinander zu einem sinnvollen Ergebnis führen", warnt hingegen C&A-Filialgeschäftsführer Hans-Jürgen Dröge im "Politikbrief". Für die technische Sanierung sei nicht er zuständig, betont Josef im Ausschuss, sondern die Verkehrsgesellschaft (VGF).

Die VGF aber wartet seit Jahren auf die Vorgabe der Stadtpolitik zur Neugestaltung, um auf deren Basis die technische Sanierung umsetzen zu können. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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