Villa Kennedy

Ein Haus voller Geschichte

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Stadtführer und Stadtteilhistoriker Dieter Wesp erforscht die Geschichte der heutigen „Villa Kennedy“. Im Laufe von rund 110 Jahren haben die denkmalgeschützten Mauern viel gesehen und eine wechselhafte Vergangenheit hinter sich gebracht.

Vor 110 Jahren ging es beschaulich zu im Südwesten Sachsenhausens, unweit des Mains. „Da war es hier noch ländlich. Deshalb haben eine ganze Reihe wohlhabender Frankfurter sich hier ihre ruhig gelegenen Villen gebaut“, weiß Dieter Wesp. Eine dieser Villen interessiert ihn besonders. Als einer der neuen Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft arbeitet Wesp die Geschichte des heutigen Luxushotels „Villa Kennedy“ auf. Der Stadtteilführer kennt das Areal zwischen Kennedyallee, Main und Uniklinik gut, schließlich wohnt er um die Ecke. Was lag da näher, als für seine Bewerbung als Stadtteilhistoriker einen tiefen Blick in die Geschichte seiner Nachbarschaft und eben ganz besonders der „Villa Kennedy“ zu werfen?

„Gefunkt hat es, als ich ein altes Foto entdeckt habe“, berichtet er. Darauf zu sehen ist, wie Teile der Villa als Krankenstation und Lazarett zu Kriegszeiten genutzt wurden. Das war im vergangenen Jahr und Wesp beschäftigte sich eigentlich mit dem Frankfurt zu der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Doch die wechselhafte Geschichte der Villa an der Kennedyallee ließ ihn nicht mehr los. „Gebaut wurde sie 1904 oder 1905, da gibt es abweichende Angaben. Aber das recherchiere ich noch genau“, sagt der Stadtteilhistoriker.

Einige Details der Geschichte liegen noch im Dunkeln, auf viele Facetten kann Wesp aber schon Licht werfen. Bauherr war damals einer der wohlhabendsten und einflussreichsten Frankfurter Bürger. Eduard Beit von Speyer, geboren 1860 in Hamburg, war Teilhaber des Bankhauses Speyer-Ellissen, Vorsitzender des Frankfurter Bankvereins und Aufsichtsrat mehrerer Gesellschaften. Und dann in den Jahren 1904 oder 1905 eben Bauherr im Südwesten Sachsenhausens. Die „Villa Speyer“ bildet bis heute den denkmalgeschützen Zentralbau des Luxushotels „Villa Kennedy“, die Präsidentensuite des Hotels trägt noch heute den Namen „Speyer Suite“. Als Familiensitz erbaut, fanden zu Friedenszeiten regelmäßig Konzerte in der Villa statt. Zu den Freunden der Familie soll etwa der Komponist Richard Strauss gezählt haben.

Rund 30 Jahre konnten sich Eduard Beit von Speyer, der 1933 starb, und seine Familie über den Bau im Stil der Gotik Renaissance freuen, dann jedoch begann ein sehr viel dunkleres Kapitel in der Geschichte des Hauses. „1937 ist die Villa samt Grundstück in den Besitz der Stadt übergegangen. Das war ein Fall von Arisierung“, erklärt Wesp. 137 000 Reichsmark habe die Stadt der Familie bezahlt – eine lächerlich geringe Summe für die Villa samt fast 7000 Quadratmetern Grundstück. „Ob das Haus beim Verkauf leer stand oder nicht, ist noch nicht klar“, sagt Wesp. Die Stadt drängte darauf, auf dem Areal das „Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik“ unterzubringen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Herrschaft wurde in der Villa dann das Max-Planck-Institut für Biophysik eingerichtet.

2006 zog das Institut aus und über die Hände mehrere Investoren gelangte schließlich die Rocco-Forte-Gruppe als Pächter an das Anwesen. Die Villa erhielt ihr ursprüngliches Erscheinungsbild zurück und wurde für die Nutzung als Hotel erheblich erweitert. „Etwa 90 Prozent sind neu“, schätzt Stadtteilhistoriker Wesp, der keine Quelle ungenutzt lassen will, um die genaue Geschichte des Hauses zu erforschen. Auch zu einem Nachkommen des Bauherrn hat er Kontakt aufgenommen. „Der Enkel Eduard Beits lebt in Amerika und ist schon in den 80ern. Ich hoffe, dass es bei ihm vielleicht noch alte Alben mit Familienfotos aus der Zeit gibt“, erklärt Wesp.

Unterstützt wird der Stadtteilhistoriker auch von der Leitung des Luxushotels, das seit rund zehn Jahren das Gebäude nutzt. Auch dieser Teil der Geschichte des Hotels soll seinen Platz in seiner Aufarbeitung finden. Im Haus ist man froh über die Arbeit Wesps. „Es gibt ein paar Jahre in der Geschichte des Hauses, auf die gibt es bislang einfach keine richtigen Antworten. Da ist es ein Glücksfall jemanden wie Dieter Wesp zu haben, der sich so engagiert. Wenn man die Geschichte des Hauses kennt, kann man sich ganz anders damit identifizieren“, sagt Ines Plantikow von der Hoteldirektion. Auch Plantikow hat sich mit der Geschichte des Hauses auseinandergesetzt, Teile der Erkenntnisse sind in eine Schulung für neue Mitarbeiter eingegangen. „Aber uns fehlt einfach die Zeit, da richtig einzutauchen“, sagt sie.

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