Im Kühlschrank ist noch genug Platz für den Corona-Impfstoff: Dr. Philip R. Sänger, Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsenhausen.
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Im Kühlschrank ist noch genug Platz für den Corona-Impfstoff: Dr. Philip R. Sänger, Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsenhausen.

Corona in Frankfurt

Hausärzte in Frankfurt bereiten sich aufs Impfen vor: „Patienten scharren schon mit den Hufen“

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Ab 6. April wird in die Hausarztpraxen in Frankfurt das Biontech-Vakzin geliefert. Doch die Menge des Corona-Impfstoffs ist noch gering.

Frankfurt - Nach Ostern sollen endlich auch die Hausärzte gegen Corona impfen können. Die meisten Frankfurter Mediziner sind dazu bereit. Sechs "Pilotpraxen" erhalten dazu bereits heute eine erste Lieferung von jeweils 100 Dosen des Impfstoffs Astrazeneca. "Wir müssen probieren, ob die Rückmeldung an das Robert-Koch-Institut funktioniert", sagte Dr. Udo Götsch gestern, der kommissarische Leiter der Infektiologie beim Stadtgesundheitsamt.

Bei den anderen etwa 400 Hausarztpraxen Frankfurts wusste gestern noch niemand genaue Modalitäten der Corona-Impfung - anders als Dr. Armin Beck. Der Arzt aus Hofheim ist der Vorsitzende des Hessischen Hausärzteverbandes, der rund 2500 der etwa 3500 Praxen in Hessen vertritt. Am Mittwoch sei ein Rundschreiben vorbereitet worden, erklärte er. Demnach seien die Modalitäten jetzt klar: "Der Impfstoff wird ab 6. April über die Apotheken geliefert. Jede Praxis kann das als Praxisbedarf bei der Apotheke bestellen. Jede Praxis erhält maximal 50 Dosen pro Woche." Wie viel geliefert werde, hänge auch davon ab, wie viele Praxen sich beteiligen. Denn zunächst würden bundesweit nur rund eine Million Dosen via Apotheke an die Hausärzte verteilt.

"Wenn ich die Dosen habe", erklärte Beck, "rufe ich die Patienten an, von denen ich weiß, sie sind über 80 und noch nicht geimpft." Sie würden dann in die Praxis bestellt. Alle Kosten trage der Bund: "Die Impfung wird mit 20 Euro vergolten, ein Hausbesuch mit 35 Euro, die Beratung mit zehn Euro und die Zweit-impfung, wenn ich mich recht erinnere, mit 14 Euro", sagte Beck. Verimpft werde das Vakzin von Biontech, also jenes, von dem es anfangs noch hieß, es könne nur bei minus 70 Grad gelagert werden.

Impfen in Frankfurt: „Es bleibt dennoch nur Mangelverwaltung“

"Es wird höchste Zeit, dass wir Hausärzte einbezogen werden", erklärte Beck. "Denn wenn in Hessen, wie es heißt, nach drei Monaten immer noch 57 000 der über 80-Jährigen nicht geimpft sind, dann beweist das, dass der Bund und die Impfzentren es nicht hinkriegen."

"Die Patienten scharren mit den Hufen", bestätigte Dr. Philip R. Sänger, der eine Hausarztpraxis in der Gartenstraße in Sachsenhausen betreibt. "Sie rufen an, wir haben schon viele Anfragen, aber", so der Stand der Informationen gestern, "wir können noch nichts sagen." Sänger wird impfen, sobald dies möglich ist. "Aber da wir so wenig Impfstoff haben, ist es nur eine Mangelverwaltung. Daran ändert sich nichts, wenn der Impfstoff auch in den Praxen verteilt wird - mit entsprechend geringerer Menge in den Impfzentren." Er will sich deshalb strikt an die Vergabekriterien der Ethikkommission halten. "Ich kenne meine Patienten und werde die älteren und gefährdeten einladen respektive besuchen und impfen, wenn diese noch nicht geimpft sind." Offizielle Anweisungen gebe es noch nicht, aber an die Priorisierung, die in den Impfzentren gelte, werde auch er sich halten - "wenngleich die Nachfrage auch unter den Jüngeren und Gesunden riesig ist".

Ärzte in Frankfurt bekommen Corona-Impfstoff – jedoch nur wenig

Dr. Daniel Ekhart, Inhaber der Praxis Leo Najman in der Schweizer Straße in Sachsenhausen, glaubt: "Die Impfung ist in den Arztpraxen viel effektiver. Wir kennen die Patienten, wir werden sie impfen." Die Zahl der Portionen sei aber anfangs rationiert und jede Rationierung sei schlecht. "Wir fangen halt klein an", so Ekhart. Dass bislang nur in Impfzentren geimpft wird, liegt laut Ekhart daran, dass man Erfahrungen mit der Lagerung des Biontech-Vakzins sammeln musste.

Armin Beck berichtet, inzwischen könne auch der Biontech-Impfstoff problemlos bis zu fünf Tage lang im Kühlschrank gelagert werden.

Die Ärztin Türkan Aygül aus der Gebeschusstraße in Höchst sagt: "Wir werden Impfungen anbieten, sobald wir den Impfstoff bekommen. Da es voraussichtlich anfangs nur eine begrenzte Menge an Impfstoff geben wird, werden wir eine Reihenfolge erstellen. Das heißt, geimpft wird nur nach Anmeldung."

Corona-Impfung: Nicht alle Ärzte in Frankfurt machen mit – viele ungeklärte Fragen

Viele Ärzte kündigen die Möglichkeit der Impfung auf ihren Homepages im Internet an. Doch nicht alle Hausärzte sind so positiv eingestellt. Einer, dessen Name hier nicht genannt werden soll, sagte nur: "Nach einem Jahr Corona glaube ich gar nichts mehr, was da im Fernsehen oder im Radio gesagt wird und was unsere Regierung verspricht." Und auch Dr. Petra Becker aus der Klingenberger Straße will noch abwarten, ehe sie impft: "Bis jetzt ist doch alles unklar. Auch die Kassenärztliche Vereinigung weiß nichts Näheres. Wer zahlt für das Aufklärungsgespräch, das sicher länger dauern kann?" Sie sei auch in einem Pflegeheim tätig. "Wenn dort geimpft wurde, waren immer mehrere Fachkräfte dort, und vor der Tür stand ein Krankenwagen für Notfall-Impfreaktionen." Bei neuen Impfstoffen wisse noch niemand genau, was geschehen könne. "Jetzt sollen wir das in der Praxis einfach so mitmachen? Wer haftet, wenn es zu Impfschäden kommt?" Solange das nicht alles genauer geklärt sei, wolle sie sich nicht an der Aktion beteiligen.

Armin Beck versicherte, dass der Bund für alle Kosten aufkomme - auch für eventuelle Folgeschäden einer Impfung wie bereits in den Impfzentren der Fall. (Thomas J. Schmidt)

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