Yves und Karina Rakow mit Tochter Pina freuten sich auf Förderprogramm für Familien in Frankfurt, bevor intransparente Nebenkosten auftauchen.
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Der Traum vom Eigenheim steht auf der Kippe: Stadt Frankfurt fordert intransparente Nebenkosten.

Hohe Nebenkosten

Hausbau in Frankfurt :Familie erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der Stadt

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Mit Hilfe günstiger Erbbaupacht sollen Familien in Frankfurt finanziell einfacher bauen können. Doch die Realität sieht offenbar anders aus. Eine Familie erhebt nun schwere Vorwürfe gegenüber der Stadt.

  • Stadt Frankfurt bietet Familien-Förderprogramm für günstigen Hausbau.
  • Als das Projekt ins Laufen kommt, tauchen versteckte Nebenkosten auf.
  • Finanzierung der Familie steht dadurch auf der Kippe.

Frankfurt – Für Karina (37) und Yves Rakow (44) soll der Traum vom eigenen Häuschen in Erfüllung gehen. Die beiden leben seit Jahren in einer Mietwohnung. Doch nach drei Jahren wird es mit Töchterchen Pina (3) darin zu klein. Als Sozialpädagoge arbeitet Papa Yves auf der Akutstation der Kinderpsychiatrie der Uniklinik. Mama Karina ist Erzieherin bei Kita Frankfurt.

Frankfurt: Förderprogramm für Familien macht Hoffnungen

Der Traum von einem Eigenheim scheint unerreichbar, bis die Rakows vom Förderprogramm der Stadt für Familien hören. Damit müssen diese das Grundstück fürs Häuschen nicht kaufen, sondern sie pachten es auf 99 Jahre von der Stadt. Zusätzlich gibt die Stadt je nach Zahl der Kinder einen Rabatt von 20 bis 80 Prozent auf die monatliche Erbbauzinszahlung. Im Baugebiet in Nieder-Erlenbach werden die Rakows fündig. Dort errichtet die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG derzeit 40 Doppelhäuser.

Nebenan verkauft ein Bauträger Doppelhäuser klassisch mit Grundstück. Die 820 000 Euro wären für die Familie mit den Einkünften unfinanzierbar. Via ABG stehen hingehen nur Baukosten von 385 000 Euro auf der Rechnung. Hinzu kommen bei den Rakows 357 Euro Erbpachtzins je Monat hinzu, die Familienermäßigung abgezogen.

Unerwartete Kosten erschlagen die junge Familie

"Wir wurden von der Nachfrage überrollt", erklärt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Für die 40 Häuser habe es mehr als 800 Interessenten gegeben. Solche Einfamilienhaus-Projekte gebe es in Frankfurt kaum.

Die Rakows gehören zu den Glücklichen, die einen Zuschlag bekommen. Doch als sich ihr Finanzberater Jens Völker in die Details einarbeitet, wird klar: Alles in allem muss die Familie 437 000 Euro stemmen. Dabei kommen auch mehr als 15 000 Euro an unerwarteten Nebenkosten hinzu.

Versprochene Ermäßigungen der Stadt Frankfurt verzögern sich

Als größter Posten darin soll die Familie 8000 Euro zahlen, um das Erbbaurecht zu kaufen. So etwas hat Völker noch nie gehört: "Das wäre, als wenn man zu einer Autovermietung geht und muss erstmal etwas bezahlen, um ein Auto überhaupt anmieten zu dürfen." Frank Junker erklärt es: Die Stadt habe das Erbbaurecht zunächst an die ABG übertragen. Die Kosten für diesen Zwischenschritt - Grunderwerbssteuer und Notarkosten - gebe die ABG nun an die endgültigen Käufer weiter.

Dadurch aber zahlen die Rakows beides nun faktisch doppelt. Warum verpachtet die Stadt die Grundstücke nicht direkt an die künftigen Käufer? "Um den zeitlichen Ablauf zu beschleunigen", erläutert Günter Murr, Sprecher von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU). So habe die ABG die Erschließung erledigen können. Ohne den Zwischenschritt hätte zudem jeder einzelne der 40 Pachtverträge von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden müssen. "Wenn es schneller geht, ist das auch ein finanzieller Vorteil für die Familien", betont Murr.

Versteckte Kosten bringen große Probleme die Familie

Teurer als erwartet wird es auch beim Erbbau-Zins. Denn den ermäßigten Satz von 357 Euro erhalten die Rakows nicht sofort, sondern erst nach Einzug. Vorher müssen sie den vollen Zins von monatlich 447 Euro bezahlen. Ohne Nachweis der Fördergründe könne die Stadt den Rabatt nicht gewähren, erklärt Murr. Denn die Familie müsse nachweisen, das Haus selbst zu bewohnen. So hätten es die Stadtverordneten festgelegt. Der Rabatt sei aber ohnehin "ein großes Entgegenkommen der Stadt", unterstreicht der Dezernatssprecher.

Das sieht Yves Rakow durchaus auch so. Doch durch die Extra-Kosten steht seine Finanzierung plötzlich auf der Kippe. Für die anderthalb Jahre bis zum Einzug müssen die Rakows jeden Monat neben 700 Euro für die Mietwohnung nicht nur weitere 880 Euro für Darlehen und Zinsen bestreiten. Es kommt auch der unrabattierte Erbbauzins dazu, 90 Euro mehr als kalkuliert. Was nach einer kleinen Summe klingt, kann große Probleme bringen, warnt Finanzberater Völker: "An so etwas scheitern Finanzierungen."

„Nicht transparent und familienfreundlich“

Es sind letztlich die Eltern der Rakows, die helfen: Sie stocken ihren Beitrag auf, damit die Familie nun die 90 000 Euro Eigenkapital vorweisen kann. "Sonst hätten wir uns das nicht leisten können", sagt Yves Rakow.

In diesen Wochen soll der Bau des neuen Hauses losgehen. Auf die Familie kommt nun eine finanziell harte Zeit zu. Sämtliche Altersvorsorge ist gestoppt, an Urlaub nicht zu denken. "Leben müssen wir ja auch", erinnert Papa Rakow. Über das eigenwillige Vorgehen der Stadt Frankfurt wundert er sich. "Sie hat alles herausgerechnet und stellt es nachher in Rechnung, das ist nicht transparent", sagt der Sozialpädagoge. "Das ist alles andere als familienfreundlich."

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