Maha Zarkout und Willi Bob wollen ihre Medienwerkstatt in der Kleinen Nelkenstraße mit ihren Ateliers wieder mehr in den Fokus rücken.
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Maha Zarkout und Willi Bob wollen ihre Medienwerkstatt in der Kleinen Nelkenstraße mit ihren Ateliers wieder mehr in den Fokus rücken.

Atelier 19

Hausen: Medienfabrik will wieder durchstarten

  • vonAlexandra Flieth
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Krise macht auch der Ateliergemeinschaft an der Nelkenstraße zu schaffen, denn: Projekte liegen auf Halde.

Hausen -Maha Zarkout schließt die Tür zum "Atelier 19" auf, das sich im Gebäude der ehemaligen Munitionsfabrik in der Kleinen Nelkenstraße 19 befindet und 2018 gegründet wurde. Die Frankfurter Künstlerin ist an diesem Morgen alleine in den Räumen, die sie sich mit Frank Kambor, Stepha Schede und Eric Mayer teilt. Jeder der vier Kreativen hat dort seinen eigenen Arbeitsraum.

Das Herz schlägt in der Küche

Das Herz der Ateliergemeinschaft ist die Küche, die in normalen Zeiten ein Treffpunkt zum Austausch ist. Dort ist es ruhig. "Die anderen haben Termine oder sind im Urlaub in Deutschland unterwegs", erzählt sie und stellt erst einmal die Kaffeemaschine an. Ausstellungsmöglichkeiten gebe es für sie derzeit nicht, sagt die Künstlerin. Dafür aber genug Zeit, um neue Ideen für ihre Bilder zu entwickeln oder an bereits bestehenden Werken weiterzuarbeiten. Wie an einem großformatigen Gemälde, das an der Wand ihres Ateliers hängt. Eine abstrakte Komposition in Weiß, Schwarz und Grau. "Ich empfand es als zu grau und habe es deswegen noch einmal überarbeitet", erklärt sie und wirft einen zufriedenen Blick auf das nun fertige Bild.

Der regelmäßige Besuch im Atelier ist ihr wichtig. Trotz der aktuellen Situation blickt Maha Zarkout hoffnungsvoll in die Zukunft und möchte die durch die Corona-Pandemie gewonnene Zeit kreativ und sinnvoll nutzen. Sie experimentiert und probiert neue Malgründe aus und schaut, wie ihre Kompositionen darauf wirken. Zwar sei es für Künstler derzeit nicht leicht. Dies sei für sie aber kein Grund, die Dinge negativ zu betrachten.

In den vergangenen zwei Jahren stellten sich das "Atelier 19" mit anderen Kreativen, die im Haus oder auf dem Areal ansässig sind, dazu zählen Musiker, Fotografen und Schreiner, bei einem Hoffest der Öffentlichkeit vor. Auch das entfällt 2020. Dabei, so empfindet es Zarkout, sei es wichtig, diesen besonderen Ort bekannter zu machen und auch bei denen, die ihn kennen, in Erinnerung zu rufen.

Dass in diesem Jahr für sie oder die anderen noch eine Ausstellung kommen wird, davon geht die Künstlerin nicht mehr aus. "Das, was mir wirklich fehlt, ist, rauszugehen, meine Bilder zu präsentieren und in einen Austausch über meine Arbeiten mit anderen Menschen zu treten", spricht sie aus, was aktuell viele Künstler empfinden.

Ein Stockwerk höher arbeitet Wilhelm Bopp. Der Musiker, Tonmeister und Soundspezialist ist seit Mitte der 90er Jahre ein Teil der Medienfabrik, wie das Areal genannt wird. Er öffnet die Tür zu den Räumen, in denen unter anderem professionelle Aufnahmen gemacht werden und Bands proben können. "Durch Corona wurden mehrere Projekte, für die ich die Musik gemacht habe, verschoben oder erst einmal auf Halde gelegt", erzählt er.

Bopp hat bereits mit zahlreichen renommierten Künstlern zusammengearbeitet, darunter dem japanischen Choreografen und Tänzer Saburo Teshigawara, der schwedischen Performancekünstlerin Charlotte Engelkes oder mit dem Komponisten und Regisseur Heiner Goebbels, mit dem er seit vielen Jahren Projekte realisiert. "Ich habe Heiner schon in meinen Anfängen als Tonmeister im früheren Theater am Turm kennengelernt", sagt Bopp, den alle einfach nur Willi nennen. Das TAT, wie das Theater am Turm einst abgekürzt wurde, sei für ihn selbst eine gute Möglichkeit gewesen, in die Facetten des Berufes einzutauchen.

Unabhängigkeit geht verloren

Bopp erinnert sich noch an seine Anfänge in der Medienfabrik. "Es gab viele Synergieeffekte. Arbeiten, die man selbst vielleicht nicht machen konnte, wurden weitergegeben", erinnert er sich. Das habe sich mit der Zeit verändert, bedauert er. Trotzdem empfinde er bis heute den Ort als etwas Besonderes. "Ich bin einfach gerne hier", sagt er. Willi Bopp empfindet die aktuelle Zeit als einen wirklichen Umbruch - im negativen Sinn: "Die Corona-Krise sorgt dafür, dass wir als Künstler unsere Unabhängigkeit verlieren", beschreibt er die Situation. Eigentlich sollten Künstler in dieser Zeit viel mehr zusammenrücken. "Stattdessen versucht jeder erst einmal, selbst zurechtzukommen. Viele Jobs sind weggebrochen, Künstler werden alleine gelassen und wir arbeiten ins Blaue, ohne zu wissen, ob es stattfinden wird", bringt er es auf den Punkt und erinnert daran, dass Kunst und Kultur für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft unabdingbar sind.

Alexandra Flieth

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