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Haushalte bekommen endlich schnelles Internet

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Von: Thomas J. Schmidt

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Ein Arbeiter zeigt die aufgespleissten Fasern eines Glasfaserkabels beim Anschluss eines Netzwerkkabels auf einer Baustelle.
Ein Arbeiter zeigt die aufgespleissten Fasern eines Glasfaserkabels beim Anschluss eines Netzwerkkabels auf einer Baustelle. © picture alliance / Andreas Frank

Die Telekom verspricht, das Glasfasernetz bis 2025 über die ganze Stadt auszubreiten.

Das schnelle Internet kommt. Seit Jahren versprochen, rollen in Frankfurt die Bagger. Seit 2021 schließen sie rund 42 000 Haushalte in Sachsenhausen Nord und in Bockenheim ans Glasfasernetz an. "Die Technik heißt Fiber to the home, kurz FTTH", erläutert George-Stephen McKinney, Sprecher der Telekom. Es unterscheidet sich vom bisherigen FTTC, Fibre to the Curb, wo das Glasfasernetz nur bis zu den grauen Verteilerkästen reicht. Von dort bis in die Haushalte führt ein Kupferkabel. Diese Technik ist aktuell Standard in Frankfurt.

Die Engstelle ist dabei, einem Flaschenhals ähnlich, die "letzte Meile" bis ins Gebäude. Abhängig von der Länge der Kupferleitung erreichen viele Haushalte Übertragungsgeschwindigkeiten von einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s), im besten Falle 100 Mbit/s.

Die Telekom baut jetzt quasi parallel zum bestehenden Netz ein zweites Netz, bei dem die Glasfaser bis ins Haus kommt. "Bis Ende 2025 wollen wir alle 375 000 Haushalte in Frankfurt erreicht haben", sagt McKinney. Die Telekom verspricht Glasfaser bis zum Router mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde, dem Zehnfachen der bislang möglichen Höchstgeschwindigkeit. Dabei kann dieses Maximum später noch gesteigert werden.

Für die Stadt ist dieser Ausbau kostenlos, es zahlt die Telekom. Sie zahlt sogar für den Hausanschluss - vorausgesetzt, die Immobilienbesitzer haben eine "Gestattung" unterschrieben. Die betroffenen Haushalte werden zuvor angeschrieben. Dann legt der Telekom-Techniker den Anschluss im Keller. Kosten entstehen nicht dabei. Wer sich später entschließt, doch das schnelle Glasfasernetz zu nutzen, muss für den Hausanschluss 800 Euro zahlen. Trotzdem will McKinney nicht verraten, wie viele der Immobilienbesitzer eine solche Gestattung erteilt haben.

Fünf Stadtteile sind schon 2022 dran

Noch im Jahr 2022 soll der Ausbau in Sachsenhausen Nord und in Bockenheim beendet werden - die Hälfte der Anschlüsse sei bereits verfügbar, so der Telekom-Sprecher. Noch in diesem Frühjahr geht es weiter mit Westend Süd (8000 Haushalte), später im Jahr mit Nordend West (12 000) und Niederrad (14 000). Wenn es gut laufe, könne in diesem Jahr noch mit Bornheim begonnen werden. 2022 sollen somit gut 70 000 und in den kommenden drei Jahren jeweils 100 000 Haushalte Glasfaser erhalten. Dabei verspricht die Telekom die Offenheit des Netzes - auch andere Anbieter können es nutzen, wie bislang auch schon. Auch wer jetzt den Anschluss bis in den Keller legen lässt, ist nicht verpflichtet, später ein Angebot der Telekom zu buchen. Der günstigste Tarif der Telekom liegt derzeit bei rund 20 Euro pro Monat.

Bei Neubauten ist Glasfaser bis in die Wohnungen bereits lange ein Thema. Anbieter wie FiberONE beispielsweise erstellten das FTTH bereits im Omniturm auf der Großen Gallusstraße, ebenso im Neubauprojekt GrünHoch2 im Ben-Gurion-Ring und im Marie im Nordend. Auch der Regionalverband ist auf den Geschmack gekommen. Zu den 80 Kommunen haben sich 55 weitere bis in den Kreis Bergstraße zur "Gigabitregion" zusammengeschlossen. Partner in den ländlichen Regionen ist die Deutsche Glasfaser.

Obwohl die Telekom selbst die Initiative ergriffen hat und die Kosten trägt, will Frankfurts Digitalisierungs-Dezernentin Eileen O'Sullivan (Volt) mit weiteren Unternehmen verhandeln: "Grundsätzlich sind neue Verträge geplant. Die große Herausforderung in sämtlichen Überlegungen ist die Prüfung der Frage, ob die Stadt selbst federführend beim Ausbau sein oder mit Partnern zusammenarbeiten sollte. Der Glasfaserausbau bringt hohe Kosten mit sich, die Entscheidung will gewissenhaft getroffen sein. Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Quartal eine Entscheidung treffen und dann zügig in die Umsetzung gehen."

Für Telekom-Sprecher McKinney kein Problem: "Wir haben ja kein Monopol. Natürlich kann die Stadt mit anderen Unternehmen sprechen, das ist in anderen Städten auch so." Wichtig sei, dass das Glasfasernetz bis ins Haus und in die einzelnen Wohnungen und Endgeräte komme. "Das Datenvolumen kann schon im ersten Schritt bis zu einem Gigabit betragen". Dies sei jedoch am Ende eine Frage des Vertrages.

Internet auf der Überholspur ist teurer. Doch auch das auf dem Kriechstreifen ist mit Glasfaser noch immer 250 Mbit/sec schnell. Für normale Anwendungen reicht das völlig. Auch wenn die Signale für das hochauflösende Fernsehen aus der Glasfaser kommen und zeitgleich die Kinder Home-Schooling machen, während die Eltern im Home-Office auf Video-Konferenzen unterwegs sind. "Welche Anwendungen in Zukunft kommen, kann niemand absehen", sagt McKinney. Hartmut Müller, Regiomanager der Telekom, sieht mit FTTH die technischen Anforderungen für die nächsten 30 Jahre erfüllt. Thomas J. Schmidt

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