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Serie: Die häufigsten Krebserkrankungen

Hautkrebs - Hoffnung im Kampf

Das Schöne am Hautkrebs ist, dass man ihn sieht“, sagt der Dermatologe Privatdozent Dr. Markus Meissner vom Universitätsklinikum Frankfurt.

Das Schöne am Hautkrebs ist, dass man ihn sieht“, sagt der Dermatologe Privatdozent Dr. Markus Meissner vom Universitätsklinikum Frankfurt. Der schwarze Hautkrebs wuchert also nicht wie andere Tumorarten im Verborgenen, allerdings gilt er als besonders aggressiv. Wird er entdeckt, hat er häufig schon gestreut – das heißt, die Lymphknoten sind befallen, der Tumor hat sich im Körper ausgebreitet und Metastasen gebildet. Eine solche Diagnose war vor wenigen Jahren noch beinahe gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate lag bei wenigen Prozent. Das ist heutzutage anders. Den Kampf gegen das maligne Melanom haben die Mediziner zwar noch nicht gewonnen, in vielen Fällen können sie den Tumor und seine Tochtergeschwulste aber über einen längeren Zeitraum, häufig über Jahre, in Schach halten.

Seit 2008 das Hautkrebs-Screening in Deutschland eingeführt wurde, ist die Zahl der Diagnosen in die Höhe geschnellt. Allerdings auch die Zahl der Therapieerfolge, weil Hauttumore nun oftmals in einem früheren Stadium diagnostiziert werden. Grundsätzlich gilt: Je dünner der Tumor, umso besser stehen die Heilungschancen. Alles bis zu einem Millimeter Dicke ist in der Regel gut heilbar, bei zwei bis vier Millimetern besteht ein mittleres Risiko, dass der Tumor bereits gestreut hat. „Alles darüber sind Hochrisikomelanome“, sagt Meissner.

Egal ob dünn oder dick: Am Skalpell führt beim schwarzen Hautkrebs kein Weg vorbei. Um sicherzugehen, dass keine Tumorzellen zurückbleiben, entfernen die Dermatologen das umliegende Gewebe mit entsprechendem Sicherheitsabstand sowie, je nach Tumordicke, einen oder mehrere der angrenzenden Lymphknoten. Sind sie befallen, empfehlen Experten eine Interferontherapie. Diese stimuliert das Immunsystem, eventuell verbliebene Krebszellen zu bekämpfen.

Haben sich bereits Metastasen gebildet, blieb bis vor wenigen Jahren nur die Chemotherapie, die Patienten etwas Zeit im Kampf gegen den Tumor verschaffte, mehr jedoch nicht. „Das war für uns sehr frustrierend, weil wir sehr viele Patienten verloren haben“, erinnert sich Meissner.

Mittlerweile ist das anders: „In den letzten drei bis vier Jahren haben wir große Schritte in Richtung der Therapie des malignen Melanoms gemacht“, freut sich Meissner. Ein „ganz wichtiges Standbein“ dabei ist die Immuntherapie. „Wir haben Patienten, die unter dieser Therapie langfristig überleben. Da geht es nicht mehr um Monate, sondern um Jahre“, berichtet der Dermatologe. Bislang ist erst ein Wirkstoff zugelassen, der bei einem von fünf Patienten anschlägt, zwei weitere Präparate sollen im Sommer auf den Markt kommen. Der Anteil der Patienten, bei denen eine Immuntherapie wirkt, dürfte damit auf 50 bis 60 Prozent steigen, schätzt Meissner.

Die Immuntherapie ist nicht die einzige Hoffnung für Patienten mit Hautkrebs-Metastasen. Auch die „Targeted Therapy“ (zielgerichtete Therapie) feiert große Erfolge. In Frage kommt sie für Patienten, bei denen in den Krebszellen eine Genmutation namens B-RAF vorliegt – das ist bei 50 bis 60 Prozent der Betroffenen der Fall. Die Targeted Therapy blockiert das Wachstum der Krebszellen. „Sie wirkt sehr schnell, und die Metastasen schrumpfen bis zur Nicht-Existenz“, berichtet Meissner. Allerdings entwickeln die meisten Patienten nach fünf bis sechs Monaten Resistenzen – die Metastasen kehren zurück. „Wir haben aber auch Patienten, die machen das schon drei Jahre“, berichtet Meissner.

Aktuell sind weitere Präparate in der Entwicklung, die beispielsweise bei anderen Gen-Mutationen in den Krebszellen ansetzen. „Die Zukunft sieht relativ gut aus. In den nächsten Jahren werden wir einem Großteil der Patienten helfen können“, ist Meissner optimistisch. „Das heißt nicht, dass wir diese Patienten heilen können, aber dass wir den Krebs durch Kombi-Therapien lange hemmen können.“

Natürlich geht all das nicht ohne Nebenwirkungen. Bei allen Behandlungen, die sich die körpereigene Abwehr im Kampf gegen den Krebs zunutze macht, steigt das Risiko für Autoimmunerkrankungen – dann kämpft der Körper nicht nur gegen den Tumor, sondern auch gegen sich selbst. Entzündliche Darmerkrankungen treten ebenfalls häufiger auf. Mit Cortison könne man diese Nebenwirkungen aber in der Regel gut in den Griff bekommen, sagt Meissner.

Wesentlich besser behandelbar als der schwarze Hautkrebs ist der weiße Hautkrebs, der deutlich weiter verbreitet ist. In Deutschland allein wird er pro Jahr zwischen 150 000 und 200 000 Mal diagnostiziert. „Wir kommen teilweise gar nicht mehr hinterher“, sagt Meissner.

Die häufigsten Formen des weißen Hautkrebses sind das Basalzell- und das Plattenepithelkarzinom. Am Basalzellkarzinom, auch Basaliom genannt, erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft in Deutschland 130 000 Menschen pro Jahr. Am häufigsten treten Basaliome an Kopf und Hals auf. Sie bilden in den seltensten Fällen Metastasen, allerdings fressen sie sich in das angrenzende Gewebe hinein und können dabei auch Knorpel und Knochen befallen.

Beim Plattenepithelkarzinom lag die Zahl der Neuerkrankungen 2013 in der Bundesrepublik nach Zahlen der Deutschen Krebshilfe bei 70 000. Anders als das Basaliom kann das Plattenepithelkarzinom auch die Lymphknoten befallen, in seltenen Fällen bilden sich Metastasen.

Seit 1. Januar 2015 sind das Plattenepithelkarzinom und dessen Vorstufen, die aktinischen Keratosen, als Berufskrankheit anerkannt, wenn Arbeitnehmer berufsbedingt einen Großteil ihrer Arbeitszeit draußen verbringen. Das bedeutet, dass die Unfallversicherung für die Kosten der Behandlung aufkommt. Ihre Leistungen gehen oft über jene der gesetzlichen Krankenversicherungen hinaus.

Vorstufen und frühe Formen des weißen Hautkrebses können mit Cremes oder Gels behandelt werden. Größere Tumore müssen operativ entfernt werden.

Der wichtigste Risikofaktor bei Hautkrebs ist und bleibt das Sonnenlicht. Besonders gefährlich ist Sonnenbrand in der Kindheit und der Jugend, aber auch Erwachsene sollten sich davor schützen. 80 bis 90 Prozent des weißen Hautkrebses werden laut Meissner durch Sonnenlicht hervorgerufen. Besonders gefährdet sind hellere Hauttypen, also Personen mit heller Haut, mit blonden oder roten Haaren, blauen oder grünen Augen. Regelmäßige Besuche im Solarium begünstigen ebenfalls die Entstehung von Hautkrebs. Wer dennoch nicht auf eine schöne Bräune verzichten möchte, sollte auf Selbstbräuner oder Bräune zum Aufsprühen (Spray Tan) zurückgreifen. Diese hält Meissner für „unproblematisch“. Sie lassen, anders als das Sonnenlicht, die Haut auch nicht altern. Und wo wir gerade beim Thema sind: Sonnencreme schützt nicht nur vor Hautkrebs, sie ist auch, so Meissner, „eines der effektivsten Anti-Aging-Produkte“. Sie darf nicht zu dünn aufgetragen werden, alle zwei bis drei Stunden muss nachgecremt werden, rät der Dermatologe.

Darüberhinaus empfiehlt Meissner zur Früherkennungsuntersuchung zu gehen. Diese bezahlt die Kasse Versicherten ab 35 alle zwei Jahre. Dabei schaut sich der Dermatologe die Haut am ganzen Körper genau an – auch Kopfhaut und Fußsohlen. Wer eine Untersuchung mit dem Auflichtmikroskop wünscht oder Bilder seiner Muttermale archivieren lassen möchte, um später vergleichen zu können, zahlt extra. Beides könne sinnvoll sein, sagt Meissner. Zudem sollte jeder selbst seine Haut und die Muttermale im Blick haben und sich dabei an der ABCDE-Regel (siehe Info-Text links) orientieren. „Vor allem neue Leberflecke sollte man kritisch beäugen. Die meisten Melanome entstehen auf normaler Haut, nicht auf einem Leberfleck“, weiß Meissner.

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