Denkmalschutz

So hegt und pflegt sich die Stadt

Für 9000 Bau-, Garten- und Kunstdenkmäler ist das Denkmalamt Frankfurt zuständig. Wo und wie es von 2014 bis 2016 Hand angelegt hat, hat das Amt jetzt öffentlich dokumentiert.Wir haben uns mal ein paar Beispiele rausgesucht.

Nicht alle Kostbarkeiten der Stadt sind so bekannt wie die Staufenmauer. Manches liegt im Verborgenen und ist lange Zeit vernachlässigt worden ist. Für 9000 Bau-, Garten- und Kunstdenkmäler ist das Denkmalamt zuständig. Wo und wie es von 2014 bis 2016 Hand angelegt hat, hat das Amt jetzt öffentlich dokumentiert. Hermann Wygoda hat  Beispiele ausgewählt.

Markantes Gebäude

Büro- und Geschäftshaus in der Goethestraße: Mit seinem zylinderförmigen Eckturm ist das Gebäude eines der markantesten in der Innenstadt. Es ist von dem Architekten Walter Zimmermann in den 1940er Jahren erbaut worden und wurde erst um die Jahrtausendwende unter Denkmalschutz gestellt. Ein Wechsel des Ladenbesitzers machte es 2012 möglich, dass die beiden vorher getrennten Geschäfte zusammengelegt und alle Schaufenster erneuert werden konnten. Im Zuge dieser Arbeiten konnte auch die Gestaltung der Werbeanlagen modernisiert werden, die jetzt über den Fenstern und nicht mehr an den früheren hängenden Stofflamellen angebracht sind.

Ernüchternde Geheimnisse

Die Staufenmauer, die bisher mit ihren 15 Bögen als Reste der Frankfurter spätmittelaterlichen Befestigungsanlage angesehen wurde, hat bei einer Untersuchung vor der jüngsten Sanierung 2014 bis 2016 ihr, wie es die Denkmalschützer ausdrückten, „ernüchterndes“ Geheimnis offengelegt: Sie stammt nicht aus dem 12. Jahrhundert, sondern ist 1711 bei einem Wiederaufbau errichtet worden. Offenbar wurde auch, dass sie 1719, 1796 und im 19. Jahrhundert mehrmals ausgebessert wurde.

Und: Der beim Durchbruch für die Töngesgasse in den 1950er Jahren verwendete zementhaltige Mörtel führte zu Schäden, die die Statik beeinträchtigten. Um die Mauer zu sichern, wurde das Institut für Steinkonservierung beauftragt, einen vor allen Witterungen schützenden Putz zu entwickeln. Dabei wurde die Mauerkrone mit Bleiplatten geschützt. Und noch eine neue Erkenntnis: Die Mauerkrone begrenzte wohl entgegen alter Vermutungen keinen Wehrgang. Ein Denkmal ist die Mauer gleichwohl.

Das ungleiche Paar

Großmarkthalle und EZB: Über kein Denkmal der Stadt wurde in den vergangenen Jahren so viel und kontrovers diskutiert wie über die Großmarkthalle im Ostend. Der Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte sie, um genau dort ihren Hauptsitz zu errichten. Die Großmarkthalle, oder auch Gemieskerch, wie die echten Frankfurter sie nannten, war den Bürgern so sehr ans Herz gewachsen, wie man es zuvor nicht erwartet hätte. An ihrem Beispiel kann dargestellt werden, welche Chancen man für die Umnutzung eines historischen Gebäudes hat, wenn der Denkmalschutz und der Bauherr mit gegenseitigem Verständnis zusammenarbeiten.

Coop Himmel(b)lau hat mit seinem Haus-in-Haus- Konzept erreicht, dass das Gebäude der Großmarkthalle, errichtet in den 1920er Jahren von dem Architekten Martin Elsaesser, von außen weitgehend erhalten werden konnte. Die notwendigen Konferenzräume wurden in eigenen „Häusern“ in die 13 500 Quadratmeter große Halle verlegt, die damit nicht klimatisiert werden muss. Auch die originalen Fenster auf der Nordseite und an den Stirnseiten wurden restauriert und durch Stahlfenster mit vergleichbaren Profilen ersetzt.

Im westlichen Kopfbau wurden die vorgefundenen Elemente des Sichtmauerwerks freigelegt und saniert. Ebenso wurden die Türbeschläge und die eingebauten Sitzbänke aus Beton wieder hergestellt. Der noch erhaltene Paternoster darf, obwohl ebenfalls saniert, nicht von den EZB-Mitarbeitern genutzt werden. Wie auch immer: Frankfurt hat mit dem EZB-Komplex ein neues, weltweit bekanntes Signet erhalten.

Ein lange Zeit vergessenes Schmuckstück

Das historische Klärwerk aus dem 19. Jahrhundert könnte ein Museum werden. Welch ein Glück also, dass es noch existiert. Obwohl sein großer Nachfolger auf die Hinterlassenschaften von 1,4 Millionen Menschen ausgelegt ist – Einwohner, Pendler, Messebesucher, Touristen –, ist die historische Kläranlage von 1887 in der Goldsteinstraße erhalten geblieben. Mit ihrem Verwaltungsgebäude stellt ein außergewöhnliches technisches Kulturdenkmal dar.

2012 wurden schwere Schäden an den Sandsteinelementen, den Fenstern, dem Sichtfachwerk und dem Dach festgestellt, die eine Sanierung dringend geboten erschienen ließen. Weil der Bau jahrelang nicht unterhalten worden ist, zeigten sich irgendwann Spuren der Vernachlässigung. Die Dachdeckung mit den Biberschwanzziegeln musste komplett erneuert werden, und für die Balustrade auf der halbkreisförmigen Eingangshalle wurde eine neue Brüstung entwickelt, da es bisher nur eine Brüstung aus zwei Rundrohren gab. Der Jugendstilbrunnen an der Ostfassade, der total überwachsen war, wurde freigeschnitten. Allerdings ist der Wasserspeier noch nicht an einen Wasserlauf angebunden.

Zurzeit ist ein Labor des Umweltamts in dem vielen Frankfurtern „vom Sehen“ her vertrauten Gebäude untergebracht. Wie erwähnt, geistert die Idee eines Museums herum. Das Umweltamt ziehe nämlich bald in einen Neubau um, heißt es.

Wo Kinder für frischen Wind sorgen

Zickzackhausen: Die Siedlung „Zickzackhausen“, die in der Ära von Ernst May gebaut wurde, ist eine der interessantesten Siedlungen des „Frankfurter Bauens“. Am Haardtwaldplatz in Niederrad hatte sie eine eigene „Volksbücherei“, die auch nach dem zweiten Weltkrieg als „Stadtbücherei“ genutzt wurde. Nun ist in den Räumen eine Kindertagesstätte untergebracht. Dafür musste buchstäblich für frischen Wind gesorgt werden. Die Belüftung wurde verbessert, Fenster und Eingangstür erneuert und die ursprüngliche Gebäudeaufteilung rekonstruiert. Die Stahlprofile der Fenster wurden nach den Beispielen anderer Fenster in den Siedlungen Ernst Mays in Azurblau ausgeführt. Da es keine historisch wertvollen Einrichtungs- oder Ausstattungsgegenstände gab, war es möglich, den Grundriss so zu ändern, dass er den Brandschutzauflagen gerecht wird.

Sanierungsschäden

Das barocke Fachwerkhaus in Höchst ist auf Vordermann gebracht worden. Dort, wo die eher unscheinbare Straße „Allmeygang“ auf die Bolongarostraße trifft, steht es. Vor 26 Jahren ist es zwar saniert worden, doch die Arbeiten damals verursachten viele Schäden. Die sind beseitigt worden. Dabei wurden die abgeblätterten Farben der Fachwerkkonstruktion erneuert und die im Zementputz gefundenen Hohlstellen ausgebessert. Das Haus barg noch eine Überraschung: Im Erdgeschoss entdeckte man historische Fenster- und Türöffnungen.

Ein anderes Denkmal steht in Frankfurt-Niederrad. Ihm droht allerdings der Abriss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare