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Mit dem Buch ?Der beherzte Patient? möchte Bettina Kübler anderen Mut machen, ihren eigenen Weg im Umgang mit Krankheit zu finden.

Krebspatientin macht Mut

„Die Heilung beginnt im Herzen“

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Beinahe 500 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs. Bettina Kübler ist eine von ihnen. Doch nicht irgendeine. Vor fünf Jahren erhielt sie die Diagnose Brustkrebs, hat mittlerweile Metastasen. Dennoch sagt Kübler von sich selbst, sie sei glücklicher als je zuvor – anlässlich des heutigen Weltkrebstags erzählen wir die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau.

Die Frau strotzt vor Energie: Bettina Kübler, 51, redet wie ein Wasserfall. Wenn sie lacht, was oft passiert, funkeln ihre Augen. Die Saarländerin, die beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt arbeitet, ist ein leidenschaftlicher Mensch. Jemand, der sich für Dinge begeistern kann. Sogar, möchte man meinen, für die lebensbedrohliche Erkrankung, die bei ihr vor fünf Jahren diagnostiziert wurde: Krebs. „Was wäre, wenn Krankheit kein Fluch, sondern Segen bedeutete?“, steht auf dem Einband des Büchleins, das sie im Eigenverlag herausgebracht hat. Und so hält sie es auch mit ihrem Krebs. „Ich sehe meine Krankheit als meinen Lehrer auf meinem Weg zu einem wirklich erfüllten Leben.“

Das ist nicht immer so gewesen. Die Diagnose Brustkrebs warf Kübler vor fünf Jahren völlig aus der Bahn. „Meine Mutter ist ziemlich kläglich daran gestorben“, erzählt die 51-Jährige. „Ich hatte immer Angst davor.“ Zwei Mal im Jahr ging sie zur Kontrolle, verpasste keine Vorsorgeuntersuchung. „Man hat das nie gesehen.“

Bis vor fünf Jahren. „Damals sagte mir ein renommierte Experte noch: Sie haben keinen Brustkrebs. Vier Wochen später waren beide Brüste ab“, erinnert sich Kübler. „Ich war sehr verzweifelt am Anfang. Ich habe geheult, ich habe geschrieen.“ Die Chemo – die stärkste, die es damals gab – „hat mich umgehauen“. Immer wieder sagte sie sich: Das ist heilendes Gift. „Ich hatte einen Wahnsinnsüberlebenswillen“, erzählt sie, was auch mit ihrer Adoptiv-Tochter zu tun habe. „Die erste Mutter meiner Tochter hat sie im Stich gelassen. Ich konnte nicht zulassen, dass das noch mal passiert.“

Als eine Computer-Tomographie schließlich Veränderungen in der Lunge offenbarte und ihr die Onkologin quasi im Vorbeigehen mitteilte, die Ärzte hätten darüber diskutiert, ob sie ihre Therapie einstellen, war Küblers persönlicher Tiefpunkt erreicht. Doch die heute 51-Jährige machte ihren eigenen Wendepunkt daraus. „In diesem Augenblick habe ich den Schalter umgelegt und entschieden: Ich lasse das so nicht mehr mit mir machen. Ich muss meinen eigenen Weg finden, mit meiner Krankheit umzugehen.“

Ihren nächsten „Auftritt in der Chemo“, wie sie sagt, plante Kübler akribisch. Sie kaufte sich schicke Kleider, machte sich hübsch, ließ sich „Kraftlieder“ und Lieblingsmusik auf ihren MP3-Player spielen und nahm sich Aufbauendes zum Lesen mit. „Ab da ging es bergauf.“

Kübler nahm die Sache selbst in die Hand. Sie informierte sich: Was könnte mir gut tun? Wer kann mir helfen? „Ich war total offen“, berichtet sie. Osteopathie, Reiki, Akupunktur, Ayurveda, Qigong, Bachblüten – Kübler probierte alles und noch viel mehr. „Außerdem habe ich versucht zu gucken: Was stimmt in meinem Leben nicht?“ Sie reduzierte ihre Arbeitszeit, die Familie zog um, fing neu an.

„Das ging drei Jahre gut. Dann kamen die Metastasen“, erinnert sich Kübler daran, wie sie erneut „in ein ziemliches Loch“ fiel. Einmal mehr begab sie sich auf die Suche nach etwas, das ihr in dieser Situation helfen würde – und fand es diesmal im Spirituellen. „Da hat die Erkenntnis ,Die Heilung beginnt im Kopf‘ ihre Fortsetzung gefunden in ,Die Heilung beginnt im Herzen.‘“ Körper und Psyche seien untrennbar miteinander verbunden. „Die Inder sagen: Krankheit ist ein Ruf der Seele, die sich anders nicht Gehör verschaffen kann“, begründet Kübler, dass sie nun selbst stärker in sich hineinzuspüren versucht. „Wenn man es schafft, der Krise, in der man ist, einen Sinn zu geben, entwickelt man schier übermenschliche Kräfte.“

Kübler ist alles andere als geheilt – Metastasen haben sich im Bauchfell und in den Eierstöcken eingenistet, die Tumormarker im Blut steigen. Für die Onkologen heißt das, dass die 51-Jährige gemäß der ärztlichen Leitlinien nur noch eine palliative Therapie erhält, also eine Behandlung, die nicht mehr auf Heilung zielt, sondern darauf, ihr noch möglichst lange ein möglichst gutes Leben mit ihrer Erkrankung zu ermöglichen. Für die 51-Jährige kein Grund, sich aufzugeben. Natürlich beschäftige sie sich mit dem Tod. Aber letztlich könne niemand sagen, wann es soweit sei. Das Wort Leitlinie jedenfalls ist eines, das sie überhaupt nicht gerne hört:. „Ich will nicht in einer Schublade stecken. Ich fühle mich gesund, habe Kraft ohne Ende. Ich will so behandelt werden.“

Mit ihrem Büchlein „Der beherzte Patient“ und ihrer Internetseite will Bettina Kübler anderen Betroffenen Mut machen, sich auf die Suche nach ihrem eigenen Weg im Umgang mit ihrer Krankheit zu machen. „Krankheit ist eine Aufforderung, das eigene Leben in die Hand zu nehmen – was immer das bedeuten mag.“

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