Verzweifelt kämpfen Feuerwehrleute in Griechenland gegen die verheerenden Waldbrände. Verstärkung kommt nun aus Deutschland. Allein die Feuerwehr Frankfurt schickte am Montag 26 Kameraden in die Krisenregion, leitet den Einsatz der hessischen Helfer.
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Verzweifelt kämpfen Feuerwehrleute in Griechenland gegen die verheerenden Waldbrände. Verstärkung kommt nun aus Deutschland. Allein die Feuerwehr Frankfurt schickte am Montag 26 Kameraden in die Krisenregion, leitet den Einsatz der hessischen Helfer.

Eine Heimat in Flammen

Verheerende Brände: Griechen, Türken und Italiener in Frankfurt in „großer Sorge“

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Türkei, Griechenland, Italien: In mehreren Ländern in Südeuropa wüten weiter zahlreiche Brände. Auch in Frankfurt leben Tausende in großer Sorge um ihre Heimat.

Frankfurt – Die Situation in den Feuergebieten Südeuropas ist noch immer angespannt. Griechenland, die Türkei und der Süden Italiens stehen seit Tagen in Flammen. Eindrucksvoll schildert Ioannis Stamatis, Schatzmeister der griechischen Gemeinde Frankfurts, was er während eines Aufenthalts in seinem Heimatland erlebt hat: "Wir sind gerade im Urlaub, in Gythion südlich Spartas, auf der Peloponnes. Bei uns sind schätzungsweise 30 Quadratkilometer Wald abgebrannt." Seit einigen Tagen sei das Feuer aus, aber es habe tagelang gebrannt. "Wir hatten Glück, der Wind kam aus Westen, und wir haben kaum Rauch abbekommen. Nur zwei Kilometer entfernt musste eine Hotelanlage wegen des Rauchs evakuiert werden", berichtet Stamatis.

Er ist einer von mehreren Tausend Frankfurtern mit griechischen Wurzeln, die angesichts der Brände aktuell in großer Sorge um ihre Heimat sind. "Hier herrscht eine Hitze ohnegleichen. Der Wind ist ganz warm, wie aus dem Föhn." Gespenstisch sei die Fahrt vom Quartier aus in die Stadt Gythion gewesen: "Frau, Kinder, ich - alle waren wir ganz stumm. Es war surreal, alles war schwarz. Wir waren erschüttert, welche Kraft ein Feuer haben kann." Mit der Natur, so Stamatis, sei nicht zu spaßen, und mit dem Klimawandel auch nicht: "Wir erleben den Klimawandel hautnah."

Menschen in Frankfurt wegen Waldbränden in Südeuropa in Sorge: „Wir brauchen Hilfe“

Hilfe sei möglich und nötig. Eine Zahnärztin aus Sachsenhausen, die ihren Urlaub am selben Ort verbringt, sei ins Krankenhaus gefahren und habe gefragt, ob sie helfen könne. Sie habe dann Material aus umliegenden Apotheken besorgt. Doch Hilfe sei auch langfristig nötig, betont Stamatis. "Wir bieten als griechische Gemeinde Sprachkurse an. Ich empfehle jedem, der helfen will: Reisen Sie im kommenden Jahr nach Griechenland. Reisen Sie in die Brandgebiete. Viele Leute haben alles verloren, den Bauern sind die Olivenhaine abgebrannt. Helfen Sie dem Land, indem Sie dort Geld ausgeben und die Wirtschaft wieder ankurbeln!" Es sei auch möglich, Geld zu spenden.

Sorgen machen sich auch die gut 25.000 Türken und 15.000 Italiener in Frankfurt, denn auch in ihrer Heimat wüten verheerende Brände. "Wir brauchen Hilfe von allen, die helfen können", sagt Yanki Pürsün, Stadtverordneter der FDP. Er habe Verwandte in Antalya, dort brenne es zum Glück nicht. Tunca Caracas, ein Arzt aus Frankfurt, ist zurzeit in Urlaub, in Bodrum in der Türkei. Auch er hat Glück gehabt: "Bodrum hat nicht gebrannt", sagt er, "worüber wir sehr erleichtert sind." Die Lage sei angespannt, alle hofften, dass angesichts der Trockenheit nicht doch wieder Feuer ausbricht. Die Brände im nahe gelegenen Marmaris seien gelöscht, berichtet der Frankfurter Mediziner. "Die Situation hat sich etwas entspannt."

Verheerende Feuer in Südeuropa: Frankfurter machen sich „große Sorgen“

Ibrahim Esen vom Türkischen Volkshaus Frankfurt kritisiert die Regierung in der Türkei: "Erdogan lässt nicht alle Hilfswilligen ins Land. Wir machen uns große Sorgen um das Land und die Menschen." Löschflugzeuge seien jedoch ins Land gelassen worden.

Löschflugzeuge hat auch der Grieche Stamatis beobachtet: "Es war eindrucksvoll. Wir haben die Rauchfahnen gesehen, die Flugzeuge beobachtet, und nachts sah man das Licht des Feuers." In der Nähe seiner Ferienanlage sei ein Berghang abgebrannt, an dem zum Glück keine Menschen wohnten. Es war unberührte Natur.

Die Frankfurter Feuerwehr hat am Montag 26 Einsatzkräfte ins Brandgebiet nach Griechenland entsendet. Insgesamt 192 Feuerwehrleute umfasst das hessische Kontingent, das im Rahmen der EU-Katastrophenhilfe auf dem Weg nach Athen ist. Die Frankfurter Truppe stellt eine Instandsetzungs- und Logistikeinheit sowie Kapazitäten für den Mannschaftstransport. Zudem haben die Frankfurter die Führung der 192 hessischen Helfer übernommen. Es sind Mitglieder der Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehren im Einsatz. Voraussichtlich werden die Kameraden zwei Wochen im Katastrophengebiet bleiben. (Thomas J. Schmidt)

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