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Mehrere tausend Mauereidechsen leben in dem 13 Hektar großen Paradies

Heimische Reptilien

Ein 13 Hektar großes Paradies für Eidechsen mitten in Frankfurt

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Ein unbebautes Areal so groß wie 18 Fußballfelder und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das gibt es in einer dicht bebauten Stadt wie Frankfurt so gut wie nie. Eine Ausnahme macht da eine 13 Hektar große Fläche im Westen des Europaviertels – dort leben Eidechsen sowie die Blauflügelige Ödlandschrecke.

Tief im Westen des Europaviertels, quasi im letzten Zipfel des Quartiers, im Schatten des Wohnhochhauses „Axis“ ist in den vergangenen Jahren ein Paradies für Eidechsen geschaffen worden. Mehrere tausend Mauereidechsen haben es sich dort auf insgesamt 13 Hektar gemütlich gemacht. Binnen zehn Jahren – von 2001 bis 2011 – wurden sie dorthin umgesiedelt.

Denn ihre eigentliche Heimat lag nördlich der Idsteiner Straße, auf dem ehemaligen Rangierfeld des Hauptgüterbahnhofs, dort wo heute der Europatunnel verläuft. In ihm erinnern nur noch gemalte Eidechsen an den Tunnelwänden an die einst dort heimischen Bewohner.

Ausgleichsfläche soll die heimischen Reptilien schützen

„Die dort geschaffene Ausgleichsfläche entspricht dem Ursprungshabitat. Damit sich die Eidechsen dort auch wohlfühlen“, erklärt eine Sprecherin von Aurelis. Das Immobilienunternehmen hat das Areal entwickelt und rund zwei Millionen Euro in dieses Artenschutzprojekt investiert. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten jedoch nicht. Das bemerkte auch der Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt), der die Fläche sogleich als Brache bezeichnete und wissen wollte, wann diese denn nun entwickelt würde.

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Diese Brache, so der Magistrat in seiner Stellungnahme, sei eben die von Aurelis entwickelte Ausgleichsfläche, das sogenannte Eidechsenland. Dort fehle lediglich noch der Zaun, denn das Gelände soll für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein. Damit die dort lebenden Tiere sollen nicht in ihrem Lebensraum gestört werden. Anders sehe es mit der rund 10 000 Quadratmeter großen Fläche aus, die direkt an das Wohnhochhaus grenzt. Denn diese ist im Bebauungsplan als Öffentliche Grünfläche ausgezeichnet.

Ein Platz zum Kicken geplant

Ein Bolzplatz ist dort geplant, der den Anwohnern, vor allem den Jugendlichen zum Fußballspielen, zur Verfügung stehen soll. Für den Bau ist ebenfalls Aurelis verantwortlich, mit der Planung ist aber frühestens Anfang 2019 zu rechnen. Bei der Gestaltung sei vorgesehen, den Sportkreis Frankfurt in die Planungen einzubinden, so der Magistrat. Platz für eine Hundesauslauffläche, die der Magistrat angefragt habe, gebe es dort allerdings nicht.

Flächen nur mit Bahnschotter, andere mit Gleisen und Schwellen, wieder andere nur mit Schwellen. Dann wieder Flächen mit besonderen Erdmischungen und Schotter in verschiedenen Körnungen finden sich im Eidechsenland. Die Ausgleichsfläche wurde eben dem ursprünglichen Lebensraum der Reptilien zwischen Gleisen und auf Mauern angepasst.

Nach und nach, mehrere Jahre lang, seien die Tiere umgesiedelt worden, behutsam habe man sie von Ost nach West „vertrieben“ erklärt die Aurelis-Sprecherin. Ein Teil der Population musste eingefangen werden. Dafür wurde eine schmale Nylonschlinge um den Kopf der Reptilien gelegt, die sich bei der nächsten Bewegung des Tieres zuzog. „Für die Eidechsen bestand da keinerlei Verletzungsgefahr“, so die Sprecherin. Weil dies jedoch nicht bei allen Eidechsen funktionierte, mussten einige mit der Hand eingefangen werden – das blieb jedoch die Ausnahme.

Heimische Reptilien

Rund 80 Exemplare wurden damals auf dem Güterbahnhof gesichtet, heute wird von mehr als 8000 Tieren ausgegangen. Dazwischen fühlen sich zudem auch das in Hessen als gefährdet eingestufte Silbergras sowie die Blauflügelige Ödlandschrecke auf dem Areal wohl. Woher die Eidechsen kommen, darüber sind sich die Experten übrigens uneins. Viele Arten sind vermutlich tatsächlich mit den Güterwaggons ins Rhein-Main-Gebiet gelangt. Bei den Mauereidechsen aus dem Europaviertel wird jedoch von einheimischen Exemplaren ausgegangen. Wie auch immer, denn viel wichtiger ist, dass sich die Tiere hier heimisch fühlen. Und das tun sie ganz offensichtlich.

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