Waren mit viel Elan und dem richtigen Fastnachtsgeist bei der Sache: Die Red Spirits der Heddemer Käwern. FOTOa: rainer rüffer
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Waren mit viel Elan und dem richtigen Fastnachtsgeist bei der Sache: Die Red Spirits der Heddemer Käwern. FOTOa: rainer rüffer

Fastnacht im Klaa Paris

Helau verzaubert auch mit Abstand Mann und Frau

  • VonSabine Schramek
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Käwwern starten mit Stehung statt Sitzung - Abstand tut der Stimmung keinen Abbruch

Nach der Corona-Zwangspause haben die Heddemer Käwwern wieder Fassenachtsgefühl aufkommen lassen. An Stehtischen statt auf Bänken konnten 200 statt der sonst über 360 Besucher wieder schunkeln und lachen. Auch wenn sich der Frohsinn etwas verhalten Bahn brach.

Auf diesen Moment lange gewartet

Klaa Paris ohne Fassenacht ist wie Apfelwein ohne Geripptes. Auch darum hat die Heddemer Käwwern alles gegeben, um am Samstag ihre "Welcome Back Fassenacht Show" zu feiern. "Es ist etwas anders als sonst und die Sitzung ist dieses Jahr die wichtigste Stehung", sagt der 1. Vorsitzende Detlef Alexander an einem der beiden Eingänge der Turnhalle Heddernheim. Persönlich checkt er Impfnachweise und blickt in den großen Saal, an dem Stehtische mit Luftschlangen und Hütchen statt Bänke und Tische vor der weiterhin prächtigen Bühne stehen. "Wir freuen uns wahnsinnig, endlich wieder loslegen zu können."

Der Einlass für die Narren ist nicht nur auf zwei Eingänge verteilt, sondern auch in unterschiedliche Zeitfenster. "Wir waren sehr streng mit den Regeln", sagt er. "Der Toilettenfrau haben drei Tage zum Impfstatus gefehlt. Darum ist sie heute vorher gekommen und dann erst wieder danach. Man muss schon an extrem viel denken, damit alle sicher sind", sagt Alexander.

Ursprünglich war für dieses Wochenende auch das Theaterstück der Käwwern geplant. "Das wollten wir eigentlich kombinieren, aber dafür hätten wir Sitzplätze gebraucht. Das Stück hätte in einem Wirtshaus gespielt und die Besucher wären an ihren Tischen mit eingebunden gewesen. Sitzplätze waren leider unmöglich, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben", erklärt Alexander optimistisch.

Im Saal herrscht derweil Spannung auf die goldische Klaa Pariser Fassenacht. Matrosen und Krankenschwestern, Engel und Nonnen, Ritter und Könige mischen sich zwischen Narrenkappen, Bembelmützen und Joker-Mundschutz. Einige ältere Freunde der Fastnacht haben trotz 2G-Regelung abgesagt. "Das muss man akzeptieren. Die Corona-Zahlen sind sehr hoch", sagt Alexander. Der Klaa Pariser Musikzug legt sich ins Zeug mit "Let's Twist again" und "Ay yai yai yai, canta y no llores". Manche wagen ein Tänzchen, Füße wippen. Bei "Que sera, sera" tobt die Halle und die anfängliche Gefühlsmischung aus Sorge weicht purer Lebensfreude mit Schunkeln rund um die Tische.

Wenn schon dann 11 G-Regel

Statthalter und Prokurator Thomas Dresch weiß zwar noch nicht, ob der Zug stattfinden wird, erklärt aber "seit dem 11.11. die 11G-Regel" für gültig. "Gut gelaunt, geduscht, gewaschen, gekämmt, geschminkt, gekleidet, gewillt, gesegnet, geduldig, geimpft, genesen." Die 200 Gäste jubeln und stimmen ein in Dreifache Helau. Getränke gibt es ohne Glas aus der Flasche, das Essen bringt der Brezelbub. Der Stimmung tut es keinen Abbruch. Viel zu sehr wollen die Leute ihre Fassenacht feiern, ihre Losgelassenheit wieder spüren.

"Gesund bleiben" heißt das Motto zum Anstoßen und es wird genutzt. Von der Technik bis zu den Leuten an der Bar wird gesungen, geschunkelt und mit Abstand voneinander getanzt. Die Red Sprits rocken mit 14 Tänzerinnen die Bühne beim Gardetanz, Beine fliegen flink bis fast an die Decke. Man spürt, wie sehr ihnen die Auftritte gefehlt haben und die Kraft und Energie der jungen Frauen in kurzen blauen Kleidern und roten Stiefelletten. Sie strahlen auf der Bühne, als sei Weihnachten und versprühen ihr eigenes Glücksgefühl quer durch den Saal.

Die Große Garde marschiert ein mit dem frisch gekürten Prinzenpaar Max I. und ihrer Lieblichkeit Prinzessin Maria I., gefolgt vom Kinderprinzenpaar Felix II. und Amelie I., die bereits vergangenes Jahr gekürt wurden, aber wegen des Ausfalls der närrischen Tage jetzt ihr Debüt geben. Prinz Max I. fasst es zusammen. "Ich freue mich sehr auf die Kampagne und hoffe auf ganz viele Auftritte und ganz besonders auf den Zug. Es ist halt einige ziemliche Sch...lage in diesen Monaten", sagt der Prinz und erntet donnernden Applaus. Er spricht den Narren aus der Seele, die so gerne feiern möchten. Die Stimmung steigt. "Die Leute müssen erst wieder üben, zu feiern", sagt eine Frau. "Es ist ja schon so lange her und keiner weiß, was kommt." Sie gibt sich einen Ruck, ruft dreimal laut "Helau!" und tanzt. Andere machen es ihr nach und für den Rest des Abends fühlt es sich fast an, als sei eine normale fröhliche fünfte närrische Jahreszeit endgültig ausgebrochen

SABINE SCHRAMEK

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