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Ria Houriaj Limam und André Daniel sammeln auch Decken, die sie im Hauptbahnhof an Obdachlose und Bedürftige verteilen.

Frankfurter Initiative

Die Helferfreunde packen an

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Ob nach Wohnungsbränden, Hochwasserschäden oder in der Flüchtlingskrise. Überall sind die „Helferfreunde“ um André Daniel im Einsatz. Er koordiniert seit rund einem Jahr die Frankfurter Initiative, die bald als Verein eingetragen werden soll.

Als André Daniel nach einem Einsatz im Hochwassergebiet in Niedersachsen und den Neuen Bundesländern eine eigene Hilfsorganisation aufbauen wollte, entschied er sich instinktiv für das, worauf es dabei am meisten ankommt. „Entscheidend für schnelle und effiziente Hilfe ist ein starkes überregionales Netzwerk. Genau das hatte ich mit dem ,Privaten Helfer- und Hilfenetzwerk für alle’ ins Leben gerufen.“

Doch der Frankfurter wollte mehr und auch in seiner Heimatstadt aktiv werden: für Obdachlose, Familien in Not und schließlich auch für Flüchtlinge im Rhein-Main-Gebiet. Im Januar 2015 gründete er die Privatinitiative „Helferfreunde“, zu deren festem Kern derzeit 40 Frankfurter zählen. Die Gruppe wollen er und seine Mitstreiter nun schnellstmöglich auch als Verein eintragen lassen. „Dafür müssen wir aber erst einmal die Zeit finden, eine Satzung zu erstellen, die offen ist für Hilfseinsätze aller Art. Denn gerade die Situation mit den Flüchtlingen hat gezeigt, wie schwierig Notsituationen voraussehbar sind“, sagt Ria Houriaj Limam, die Daniel beim Freiwilligeneinsatz am Bahnhof kennenlernte und die Initiative seither unterstützt.

Allein das erste Quartal 2016, für das die Helferfreunde inzwischen einen Arbeitsbericht erstellt haben, zeigt, wie breitgefächert die Unterstützungen sind, die angeboten werden: „Seit Jahresanfang haben wir über 300 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet“, fasst Daniel zusammen. Schon in der ersten Woche des Jahres wurden Spielzeug und Kleidung für eine Familie gesammelt, die nach einem Wohnungsbrand in der Silvesternacht ihr Zuhause verloren hatte. Danach ging es weiter mit Lebensmittelsammlungen und Elektroarbeiten für weitere Familien in Not sowie Koordinationsgesprächen mit Politikern vor Ort sowie internen Teamgesprächen. In der vergangenen Woche hat Daniel an einem Netzwerktreffen von ehrenamtlichen Helfern in Bad Neuenahr teilgenommen.

„Was inzwischen sehr gut funktioniert, ist die Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Helfern“, lobt Daniel eine Entwicklung zweier Gruppen, die sich oft erst mal aufeinander einstellen müssen. „Vor einigen Jahren wurde man als Ehrenamtler, der helfen wollte, noch eher als Ballast gesehen. Inzwischen ist aber allen klar, dass es ohne Menschen wie uns nicht funktionieren kann“, erklärt er. Dafür wünschen sich er und seine Mitstreiter aber auch mehr Anerkennung und Unterstützung von der Politik.

Denn gerade die letzten Monate waren in der Helferszene bewegte Zeiten. „Wir haben als Initiative angefangen, die sich hauptsächlich um Familienhilfe und Obdachlose kümmerte. Ende 2015 kam dann eine akute Bedarfssituation bei den Flüchtlingen dazu, wo wir aus unserer Erfahrung profitierten, aber auch schneller handeln mussten“, so Daniel. Im ersten Quartal 2016 ist auch in dieser Hinsicht bei den Helferfreunden Einiges passiert. Sie haben Decken, Kleidung und Taschen gesammelt, Hygienebeutel übergeben, Flüchtlingen beim Umzug zwischen verschiedenen Einrichtungen geholfen. 350 Stunden ehrenamtlicher Einsatz kamen im ersten Quartal darum locker zusammen. Zusätzlich dazu kommen die Stunden, die Helfer wie Ria Houriaj Limam auch außerhalb der Initiative engagiert waren. Die 40-Jährige ist in den letzten Monaten auch in Griechenland und Ungarn für Flüchtlinge im Einsatz gewesen.

Derzeit konzentrieren sich die Helferfreunde vor allem auf das Verteilen von Decken, Schlafsäcken und Isomatten an verschiedenste Einrichtungen. Hunderte Decken wurden in der letzten Woche bei der Obdachlosenhilfe „Weser 5“ abgegeben, Isomatten und Schlafsäcke sollen mit zwei großen Transporten im April und Mai an verschiedene Einrichtungen für Obdachlose und Flüchtlinge in Berlin und Essen gehen. „Dafür brauchen wir nicht nur Sachspenden, sondern auch Lagerflächen, Transporter und Lastwagen“, sagt Daniel. Denn auch eine Hilfsinitiative ist auf Unterstützung angewiesen.

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