Dr. Mark Benecke mit seinen Lieblingshaustierchen.
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Dr. Mark Benecke mit seinen Lieblingshaustierchen.

Der Herr der Maden

Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, ein Popstar seines Fachs, kommt zu einem Vortrag ins Bikuz nach Höchst. FNP-Redakteur Holger Vonhof hat ihn zu seinem außergewöhnlichen Beruf befragt.

Er ist Deutschlands bekanntester Kriminalbiologe und Entomologe, er ist der „Herr der Maden“, bekennender Vegetarier und ein großartiger Unterhalter: Mark Benecke (44). Am Freitag, 11. März, ist er im Höchster Bikuz zu Gast. Er sagt: Verwesung ist nicht das Ende. Aber: Tot ist tot.

Herr Dr. Benecke, Kriminalbiologen oder Forensiker sind so etwas wie die neuen Helden in Kriminalromanen oder TV-Serien wie „CSI“ oder „Body Farm“. Hat das noch etwas mit der Realität zu tun?

MARK BENECKE: Das weiß ich nicht; ich sehe nicht fern und habe auch noch nie im Leben einen „Tatort“ gesehen. Ich mag keine Fiktion und lese deshalb auch keine Romane. Viele Leser lieben gewalttätige Literatur, um Druck abzulassen. Das hat bei den skandinavischen Autoren einen Höhepunkt erreicht. Ich kann das nicht lesen.

Sie wurden vom FBI ausgebildet und sind international gefragt.

BENECKE: Ich war auf der FBI-Akademie und habe auch mal ein Training für die FBI-Leute an der Universität Tennessee gemacht. Das ist ganz friedlich, ein ganz normales Polizeitraining. Alle sind natürlich ganz konzentriert und super engagiert. Das hat aber nichts damit zu tun, was man sich im Kino darunter vorstellt – also mit Hubschrauberfliegen und so. Ich bin mit denen zwar mal mit dem Hubschrauber geflogen, aber da musste ich mich leider übergeben.

Worum geht’s in Ihren Vorträgen?

BENECKE: Ich versuche diejenigen, die aus Neugier gekommen sind, mit meinem Vortrag auf die wissenschaftliche Seite zu ziehen. Dabei zeige ich nicht immer viele Tatortbilder, sondern auch welche vom Forschungsgelände. Es gibt auch Vorträge ganz ohne Leichen.

Ihre Spitznamen gehen in dieselbe Richtung: „Herr der Maden“, „Inspektor Schmeißfliege“ . . . In Polizeikreisen nennt man Sie „Inspektor Tod“.

BENECKE: Kriminalbiologen gelten immer als Nerds, als totale Sonderlinge. Für die Ermittler bist du ein Freak. Es ist ein Scheißjob, mies bezahlt, keiner will ihn machen, Ein normaler Polizist ist für das Gute und gegen das Böse, er will eine Sozialversicherung, ein Häuschen und zwei Kinder. Der begreift nur schwer, warum sich jemand wissenschaftlich mit verfaulten Leichen beschäftigt.

Was treibt sie dann an?

BENECKE: Man lernt was über Verwesung, oder über die Motive, die zum Verbrechen führen, ansonsten aber übers Leben. Der Tod ist nicht das Ende. Dann kommen die Schmeißfliegen und die Bakterien.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Fliegen und Maden?

BENECKE: Das sind für mich Mitarbeiter.

Sie halten sich als Haustierchen Fauchschaben. Was ist für Sie an Insekten so toll?

BENECKE: Das sind die erfolgreichsten Lebewesen der Welt, weil extrem anpassungsfähig. Es ist faszinierend, wie sie in sehr vielen Nischen überleben.

Wann wird Ihnen schlecht?

BENECKE: Ich habe Angst vor Spinnen. Und ich ekle mich vor Leberwurst.

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