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Von einem Aussichtsturm ist an der A5 das Entwicklungsgebiet für den neuen Stadtteil zu sehen. Foto: Arne Dedert/Archiv

Planung

"Hessen braucht Wohnungen": Frankfurter CDU steht zum neuen Stadtteil an der A5

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Bis 2040 müssen in Hessen 500 000 neue Wohnungen gebaut werden. Experten fordern vor diesem Hintergrund bessere Fördermöglichkeiten und mehr Bauland.

Ulrich Casper sah sich zu einer Klarstellung veranlasst. „Die Frankfurter CDU steht zu Planungsdezernent Mike Josef und dem möglichen Bau eines neuen Frankfurter Stadtteils an der A 5“, so der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Um den geplanten neuen Stadtteil hat sich nämlich Bürgerprotest zusammengebraut. Die angrenzenden Städte, Steinbach und Oberursel, wehren sich gegen den möglichen neuen „Nachbarn“. Dazu gehören auch die örtlichen CDU-Verbände. Diese hatten kürzlich zu einem „Sternmarsch“ gegen das Projekt aufgerufen.

Das alles erfuhren die Teilnehmer einer Talkrunde des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW), zu der wohnungspolitische Experten der Landtagsparteien eingeladen waren und die unter dem Motto stand: „Wie bringt man den südhessischen Wohnungsmarkt in Schwung?“

„In einem Punkt sind sich alle einig: Südhessen braucht mehr bezahlbaren Wohnraum“, sagte VdW-Verbandsdirektor Axel Tausendpfund, Gastgeber der Talkrunde, an der neben Casper auch die Landtagsabgeordneten Elke Barth (SPD), Hildegard Förster-Heldmann (Grüne), Jürgen Lenders (FDP) und Eyup Yilmaz (Linke/Stadtverordneter in Frankfurt) teilnahmen. Tausendpfund sieht den Schlüssel zur verstärkten Ausweisung von Bauland in einer verbesserten interkommunalen Zusammenarbeit. „Die Kommunen in Südhessen und im Rhein-Main-Gebiet müssen sich an einen Tisch setzen und verbindlich einigen, wo die benötigten Wohnungen konkret bis wann entstehen sollen, sonst schaffen wir es nicht“, so Tausendpfund.

Bis 2040 müssen in ganz Hessen 500 000 Wohnungen gebaut werden, davon in Südhessen 430 000, das seien 86 Prozent aller in Hessen benötigten Wohnungen. Bis zu diesem Zeitpunkt brauche allein Frankfurt rund 106 000 Wohnungen, Wiesbaden 33 000, Darmstadt 26 000, Offenbach 20 000, der Main-Kinzig-Kreis 32 000 und der Main-Taunus-Kreis 25 000.

„Selbst im beschaulichen Hofheim suchen derzeit über 1100 Menschen akut eine bezahlbare Wohnung“, berichtet Norman Diehl, Geschäftsführer der Hofheimer Wohnungsbau GmbH. Das sei allein in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von über 20 Prozent. Im Jahr 2020 liege der Neubaubedarf in ganz Hessen bei jährlich 37 000 Wohnungen. Fertiggestellt wurden 2017 jedoch nur rund 20 600 Wohnungen. „Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, dürfte jedem einleuchten“, sagte Tausendpfund.

Auch eine dem VdW angehörende Kooperation aus neun Wohnungsgenossenschaften setze derzeit alle Hebel in Bewegung, um in Frankfurt bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Mit durchschnittlichen Mieten von 6,39 Euro pro Quadratmeter liegen die Genossenschaften deutlich unter dem durchschnittlichen Mietpreisniveau der Stadt“, so der VdW-Direktor. Um dies zu sichern und auszubauen, brauchen die Genossenschaften aber Grundstücke. Deshalb fordert Martin Neckel, Vorstand des Beamten-Wohnungs-Vereins, mehr Mitspracherecht bei der Vergabe von Bauplätzen. Auch seien attraktivere Förderkonditionen notwendig, sind sich alle Beteiligten einig.

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