Ein Krankenpfleger versorgt eine Person in einem Altenheim.
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Die Altenheime in Hessen leiden besonders unter der Corona-Pandemie (Symbolbild).

Konsequenzen der Pandemie

Hessen: Corona trifft Altenheime hart – mehr als 2.700 Todesfälle

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
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In der Corona-Pandemie steigen die Todeszahlen in den Altenheimen in Hessen unaufhörlich. Die Hoffnung liegt im Impfen, doch auch hier gibt es Probleme.

  • Die zweite Corona*-Welle hat Hessen noch immer fest im Griff.
  • Besonders Altenheime und Pflegeeinrichtungen leiden.
  • Denn hier sterben erschreckend viele Menschen an oder mit dem Coronavirus.

Frankfurt – Klatschen reicht nicht mehr und das hat es vielleicht auch noch nie. Das wurde in der Corona-Krise mehr und mehr deutlich. Denn es hilft nicht bei Überforderung und Personalmangel. Gerade die Alten- und Pflegeheime in Hessen bekommen die Pandemie besonders zu spüren. Meldungen zu Ausbrüchen sind fast schon an der Tagesordnung. Die besonders pflegebedürftigen Heimbewohner zu betreuen und gleichzeitig vor dem Coronavirus zu schützen mutet einer Herkulesaufgabe an.

Die Infektions- und Todeszahlen sind ein Spiegel der brenzligen Lage, in denen sich viele Altenheime in Hessen befinden. Hessenweit sind die Sterbefälle an oder mit Corona bei Menschen ab 60 am höchsten. Laut Fallzahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in der Altersgruppe der 60 bis 79-Jährigen 1.296 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus verstorben (Stand 01.02.21, 0 Uhr). In der Altersgruppe ab 80 sogar 3.373. Von den insgesamt in Hessen verstorbenen 4.842 Menschen sind als zum Großteil ältere Menschen betroffen.

Corona in Hessen: Über 2.700 Menschen sterben in Altenheimen an oder mit dem Virus

Vergleicht man diese Sterbefälle mit den Todeszahlen aus den Altenheimen in Hessen, zeigt sich, wie schwer die Alten- und Pflegeeinrichtungen von der Corona-Pandemie tatsächlich betroffen sind. Mit Stand 27. Januar sind in den hessischen Altenheimen 2.778 Menschen an oder mit einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Aktuell sind 2.487 Bewohner positiv auf das Virus getestet worden, wie das Regierungspräsidium (RP) in Gießen auf Anfrage mitteilte.

Derzeit seien außerdem 1.279 Mitarbeiter in der Altenpflege positiv auf das Coronavirus getestet worden. Davon befinden sich derzeit 1.181 in Quarantäne. Damit die Versorgung auch in Zeiten der Corona-Pandemie gewährleistet werden kann, sehen die Empfehlungen des RKI eine spezielle „Arbeitsquarantäne“ vor. Das bedeutet, das infizierte aber zur Arbeit fähige Menschen in der Pflege „nach wie vor in einer Einrichtung mit einem Infektionsgeschehen die Versorgung infizierter Bewohnerinnen und Bewohner übernehmen“ können, erklärt das RP in Gießen auf Anfrage.

Corona: Corona-Tests sollen für Sicherheit sorgen – doch mit welchem Personal?

Doch wer ist in der Corona-Pandemie in Hessen für den Infektionsschutz in den Altenheime und Pflegeeinrichtungen überhaupt zuständig? Das Gesetz sieht vor, dass Heimbewohner „vor Beeinträchtigungen ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit“ geschützt werden müssen. Doch was bedeutet das für den Schutz vor Corona? Laut RP in Gießen sind für den Infektionsschutz die einzelnen Gesundheitsämter der Landkreise verantwortlich. Das RP prüft als obere Heimaufsicht lediglich, ob die Heime bei der Pflege Regeln und Gesetze einhalten. Wenn bei den Regelüberprüfungen etwas in Sachen Infektionsschutz auffällt, wird dies jedoch an die zuständigen Gesundheitsämter übermittelt.

Das Hessische Sozialministerium als oberste Heimaufsichtsbehörde gab gegenüber dem hr eine Reihe von Maßnahmen an, die zum Schutz der Heimbewohner in der Corona-Krise unternommen wurden. So seien Alten- und Pflegeheime zum Infektionsschutz beraten worden. Außerdem seien diese seit dem Beginn der Corona-Pandemie mit Schutzausrüstung beliefert worden und man habe die Voraussetzungen für sinnvolle Corona-Tests* geschaffen. Welche Voraussetzungen das genau waren, darauf geht der Bericht der „Hessenschau“ nicht ein. Dabei wäre genau dieser Aspekt äußerst interessant.

Corona in hessischen Altenheimen: Bundeswehr soll beim Testen helfen

Denn in Hessen wurde zuletzt die Pflicht regelmäßiger Corona-Tests für das Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen ausgeweitet. Ab 16. Januar müssen alle Mitarbeiter mindestens zweimal, statt bisher einmal, in der Woche auf das Coronavirus getestet werden. Darüber hinaus ist ein Test Pflicht, wenn ein Mitarbeiter länger als drei Tage abwesend war. Doch wer soll testen, wenn das Personal fehlt? Immer wieder haben sich Leiter und Mitarbeiter von Altenheimen deshalb lautstark beklagt. In Frankfurt steht jetzt fest: Die Bundeswehr soll die Alten- und Pflegeheime unterstützen und beim Testen auf Corona mithelfen. Der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann, hat hierzu am Montag (01.02.2021) eine Anforderung unterzeichnet, heißt es in einer Pressemitteilung.

Doch, dass Bundeswehrsoldaten in Altenheimen eingesetzt werden, macht mehr als deutlich, wie überfordert die Pflege- und Alteneinrichtungen von der Corona-Pandemie tatsächlich sind. Denn wer soll pflegen, wenn das Personal fehlt? Gerade, wenn auch immer mehr Mitarbeiter sich infizieren und deshalb wegfallen. Viel Hoffnung wird auch in den hessischen Altenheimen auf die Corona-Impfung gesetzt. Angesichts des Fachkräftemangels scheint sie ein Silberstreif am Horizont zu sein.

Doch das Impfen geht bisher schleppend voran. In Hessen sind bisher 180.000 Menschen gegen das Virus zum ersten Mal geimpft worden. Von diesen bekamen 50.000 bereits die zweite Impfung. Das erklärte Volker Bouffier auf eine Pressekonferenz nach dem Corona-Impfgipfel. Im Vergleich dazu: Laut RKI wurden beispielsweise im Nachbarland Bayern bereits über 440.000 Corona-Impfungen verabreicht. In Baden-Württemberg fast 300.000. Es spielen also viele Faktoren mit hinein, wenn man sich die missliche Lage der Altenheime in Hessen näher betrachtet. Bleibt zu hoffen, dass bald nicht wieder auf den Balkonen geklatscht werden muss, weil die Corona-Pandemie sich durch die steigende Impfquote in den Griff bringen lässt. (Sophia Lother)

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