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Hessen: Das Deutschlandticket kommt später

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Von: Jutta Rippegather

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Wann das Deutschlandticket kommt, ist unklar. Aber der RMV will in Frankfurt und Region auch Chipkarten anbieten – sofern es eine Einigung gibt.

Frankfurt – Das 49-Euro-Ticket wird auf keinen Fall im Januar erhältlich sein. Davon geht die Landespolitik aus und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ebenfalls. Zu viele Details ungeklärt heißt es aus dem hessischen Verkehrsministerium. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat wird am Mittwoch konkreter. Knackpunkt sei die Finanzierung der Einnahmeausfälle durch Bund und Land. Eine Begrenzung auf je maximal 1,5 Milliarden Euro sei ein zu hohes Risiko, da sei er einer Meinung mit dem Branchenverband VDV.

„Die aktuellen politischen Beschlüsse von Bund und Ländern verhindern damit einen Start des Deutschlandtickets.“ Dazu teilt das Verkehrsministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit: „Bestreben der Länder ist es, dass sich die Kommunen nicht an der Deckung der Einnahmeausfälle beteiligen müssen, denn deren Herausforderung ist mit der Finanzierung der lokalen Verkehre bereits jetzt beträchtlich.“

Revolution im ÖPNV: Wann sie kommt ist für Tarek Al-Wazir (Grüne) zweitrangig

Ob im Januar der Startschuss fällt, im März oder erst im April sei ohnehin nachrangig, sagt Wolfgang Harms, Sprecher von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Das Vorhaben sei ein „enormer Schritt“ hin zur klimafreundlichen Mobilität. „Millionen Menschen werden davon in den kommenden Jahrzehnten profitieren.“

In der Tat hat es Potenzial, viele Pendlerinnen und Pendler zu entlasten und so manche zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Die momentan teuerste Monatskarte im RMV ist die von Fulda nach Wiesbaden. Sie kostet 299 Euro. Doch selbst wer lediglich im Frankfurter Stadtgebiet unterwegs ist, hätte einen Riesen-Vorteil. Die reguläre Monatskarte für Erwachsene kostet aktuell 97,10 Euro. Weiteres Plus ist die bundesweite Gültigkeit. „Das Deutschland-Ticket bedeutet einen tiefgreifenden Systemwechsel für den ÖPNV in Deutschland“, sagt Al-Wazirs Sprecher Harms.

Deutschlandticket: Kommt dann auch das Sozialticket?

Neben dem großen Brocken Finanzierung sind weitere Fragen offen. Etwa ob ein auf dem Deutschlandticket aufsetzendes verbilligtes landesweites Angebot für Bedürftige möglich ist. „Ein solches Sozialticket wäre aus hessischer Sicht wünschenswert“, sagt Harms. Selbstverständlich sei, dass ein Erwerb auch ohne Smartphone möglich sein muss.

Etwa mittels einer Chipkarte im Scheckformat, wie etwa beim Seniorenticket Hessen, das es weiterhin geben werde. Geht es nach dem Fahrgastverband Pro Bahn Hessen, sollte das Angebot auch am Automaten oder Fahrkartenschalter zu haben sein. Es dürften keine neuen Barrieren aufgebaut werden, wenn „eine Art Revolution in der Geschichte des öffentlichen Personenverkehrs“ geschehe.

Ein Ticket für ganz Deutschland: Auch ohne Smartphone in Frankfurt Bahnfahren

Parallel zu den Verhandlungen um die Kostenübernahme der Einnahmeausfälle arbeitet die Branche daran, wie das Deutschlandticket praktisch umgesetzt werden könnte. Der RMV, sagt Sprecherin Vanessa Rehermann, würde das Ticket über die App „RMVgo“ als Handyticket anbieten, die Chipkarte werde beim Ticketshop erhältlich sein oder über Bestellschein an einer Vertriebsstelle. „Kundinnen und Kunden mit laufendem RMV-Jahreskarten-Abonnement werden rechtzeitig von ihrem Vertragspartner angeschrieben, um bei Bedarf den Wechsel unkompliziert in die Wege zu leiten.“

Es werde auch eine deutschlandweite Plattform für den Vertrieb geben. Nach dem aktuellen Stand werde das Deutschlandticket im Abonnement erhältlich und monatlich kündbar sein, personenbezogen und nicht übertragbar. Die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern und Hunden bleibe beschränkt auf das RMV-Gebiet. „Außerhalb des RMV gelten die jeweiligen Beförderungsbedingungen der Verkehrsverbünde, Landestarifgesellschaften oder Verkehrsunternehmen.“

All dies ist Makulatur, wenn die Politik nicht weitere Finanzierungszusagen gibt, betont RMV-Chef Ringat. Das vorliegende Angebot sei inakzeptabel: „Die aktuellen Mittel reichen nicht aus.“ (Jutta Rippegather)

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