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Massive Einschränkungen durch S6-Ausbau – Das müssen Sie wissen

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Von: Jutta Rippegather

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Der vierspurige Ausbau der S6 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt führt im Sommer zu massiven Behinderungen. Fahrgäste sollten sich unbedingt aktuell erkundigen.

Frankfurt/Bad Vilbel - Wieder hupt die Rottenwarnanlage. Die nächste S6 rollt über die Bad Vilbeler Eisenbahnbrücke. Lang werden die Züge das Bauwerk über die Nidda nicht mehr nutzen. Die mehr als 170 Jahre alte Konstruktion aus Sandstein ist angezählt. Der Denkmalschutz bereits aufgehoben. Im Sommer weicht sie dem Nachfolgemodell aus Sichtbeton und Stahl, das nebenan entsteht und dann eingehoben wird.

Damit dies möglich ist, muss die Nidda zeitweise in Rohren fließen. Oberleitungen und Lärmschutzwände müssen hochgezogen werden. Komplexe Vorhaben. Und der Grund dafür, dass vom 9. Juli an acht Wochen zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West keine Züge fahren können. In den vier Wochen davor Fahrgäste bereits mit starken Einschränkungen zu rechnen haben. Frankfurts Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) hat dafür einen griffigen Spruch parat: „Es wird erstmal schlimmer, wenn es anschließend gut wird.“

Gigantisch: die temporäre Fußgänger- und Radfahrerbrücke zum Bahnsteig.
Gigantisch: die temporäre Fußgänger- und Radfahrerbrücke zum Bahnsteig. © Monika Müller

Bad Vilbel/Frankfurt: Bauarbeiten für die S6 liegen im Zeitplan

Die Bauarbeiten für das 570-Millionen-Vorhaben vierspuriger Ausbau der Main-Weser-Bahn sind im Plan. Ende 2023 soll die S6 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West auf eigenen Gleisen unterwegs sein. Das ist ein Jahr später, als beim Spatenstich im Dezember 2017 angekündigt. Verantwortlich für die Verzögerung war der Widerstand in der Bevölkerung, sagt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Infrastrukturprojekte Mitte bei der Deutschen Bahn (DB). „Viele Grundstücke waren noch nicht in unserem Besitz.“ Und bei der Logistik wurde nachjustiert, um den Schutz vor Baulärm zu verbessern.

Das Projekt S6-Ausbau

Die S-Bahn-Linie 6 von Frankfurt-Süd nach Friedberg teilt sich aktuell zwei Gleise mit allen anderen Verkehren. Kommt es im Regional- oder Fernverkehr zu Verspätungen, muss sie warten. In Frankfurt-West steht sie immer ein paar Minuten, weil die Kapazitäten nicht ausreichen. Das Ergebnis: Für die rund 16 Kilometer lange Strecke von Frankfurt nach Bad Vilbel benötigt sie 26 Minuten.

Die erste Baustufe verläuft von Frankfurt-West nach Bad Vilbel. Es entstehen 13 Kilometer neue Gleise, acht neue Eisenbahn-, Straßen- und Radwegüberführungen sowie 19 Kilometer Schallschutzwände.

Fünf Stationen werden modernisiert, in Frankfurt-Ginnheim ein neuer Halt gebaut. Alle Bahnsteige werden auf eine einheitliche Länge von 210 Metern und Höhe von 96 Zentimetern gebracht.

Für die zweite Baustufe bis nach Friedberg werden die Gleise auf knapp 17 Kilometern Länge von zwei auf vier erweitert. Sechs Stationen werden modernisiert. Das Planfest- stellungsverfahren hat begonnen. Baubeginn ist für einige Monate nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts avisiert. jur

Streckensperrungen

Im Sommer brechen für Nutzer und Nutzerinnen der S-Bahn-Linie 6 harte Zeiten an. Sie müssen einmal wieder mit massiven Beeinträchtigungen rechnen. Betroffen ist auch der Regionalverkehr Richtung Mittelhessen, der zum Teil via Hanau geführt wird. Empfehlenswert ist, sich vor jedem Fahrtantritt im Internet zu informieren.

Eingleisig gesperrt ist von Montag, 13. Juni, bis Samstag, 9. Juli, der Abschnitt zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel. Die S6 fährt lediglich im Halbstunden-Takt. Es kann zu Zugausfällen und Änderungen des Fahrplans kommen.

Von Samstag, 9. Juli , bis Montag, 5. September, ist die Strecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel dann vollständig gesperrt. Statt Zügen fahren zwei Sorten Busse. Ein Expressbus, der Bad Vilbel mit der Konstabler Wache in Frankfurt verbindet. Eine weitere Linie, die jeden Stadtteil abklappert.

Zwischen Friedberg und Bad Vilbel verkehrt die S-Bahn in der Regel. Aber es gibt Ausnahmen. An den Wochenenden ist schon in Groß Karben Schluss. Es kann auch sein, dass man werktags wegen Arbeiten auf den Bus umsteigen muss.

Relevant ist das vor allem für Fahrgäste, die ihre Fahrräder mitnehmen wollen. Das wird in den Bussen mangels Kapazitäten wohl kaum möglich sein. jur

Mehr Informationen unter www.bahn.de

Die DB Netz gebe sich allergrößte Mühe, die Nerven der Anlieger zu schonen, versichert Projektleiter Wolf-Dieter Tigges bei der Baustellenführung mit Vertretern der beiden betroffenen Städte, des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Nachts versuchten die 20 beteiligten Firmen auf den Einsatz von Maschinen zu verzichten. Doch bei großen Teilen der Trasse ist die Wohnbebauung nicht fern. Sie führt auch mitten durch das stark wachsende Bad Vilbel, es gibt viele Umleitungen, die Auswirkungen sind enorm.

Bad Vilbel/Frankfurt: Monströse Stahlkonstruktion wegen S6-Ausbau errichtet

Zu den imposantesten Folgen zählt eine monströse Stahlrohrkonstruktion am Bad Vilbeler Südbahnhof. Tigges ist noch jetzt beeindruckt davon, was die Stadtpolitiker sich als Ersatz für zwei abgerissene Überführungen haben einfallen lassen. „Der größte Steg, der je gebaut wurde für Rad- und Fußgänger“, mutmaßt er. Seit fünf Monaten in Betrieb. Mindestens zwei Jahre wird das Provisorium noch zu besichtigen und zu fotografieren sein. Dann ist die Unterführung fertig, die über eine neue Niddabrücke direkt zum Freibad und den Sportanlagen führt. Eine Riesenverbesserung im Vergleich zur alten Stahlbrücke, die für Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen ein unüberwindbares Hindernis darstellt.

Sandsäcke müssen den Pegel der Nidda erhöhen.
Sandsäcke müssen den Pegel der Nidda erhöhen. © Monika Müller

Nach der Sperrung der Strecke im September wird die S-Bahn zwischen Vilbel und Berkersheim zunächst auf den künftigen Fernbahngleisen fahren, sagt Projektleiter Tigges. „Ein Meilenstein“ sei dann genommen. Es könnte nicht die letzte Sperrung sein. Noch mag DB-Infrastrukturmanager Bolte sich nicht festlegen, ob weitere spürbare Einschränkungen dräuen, bevor Ende 2023 die vier Spuren offiziell in Betrieb gehen. Doch Sperrpausen würden benötigt, um die komplexen Aufgaben zu erfüllen. Eine besondere Herausforderung: die Arbeiten am Halt Eschersheim.

Bad Vilbel/Frankfurt: 60 000 Fahrgäste täglich auf S6-Linie

Al-Wazir erinnert daran, dass die dortige Station seit Jahrzehnten der Modernisierung harre. Immer wieder hätten Gegnerinnen und Gegner des Schieneausbaus den Start des Infrastrukturvorhabens verzögert, wozu auch die barrierefreie Modernisierung der an der Strecke liegenden Stationen gehört. Auf die „Jahrhundertinvestition“ folgten weitere Schienenprojekte, die Jahrzehnte diskutiert und nicht realisiert wurden, sagt er. Für die Nordmainische S-Bahn hätten jetzt die Vorarbeiten begonnen.

Oberbauleiter Mike Schmiedel, dahinter OberpolierUli Vanatko.
Oberbauleiter Mike Schmiedel, dahinter OberpolierUli Vanatko. © Monika Müller

André Kavai, Geschäftsführer des RMV, betont den Profit: 60 000 Menschen nutzten werktäglich die S6 vor der Pandemie. Das bessere Angebot auf der S-Bahn schaffe zusätzliche Kapazitäten für den Regionalverkehr nach Mittelhessen. „Endlich“, sagt Kavai, „werden aus Ideen Wirklichkeit“. (Jutta Rippegather)

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