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Durch die Hände von Monika Nicol sind schon Tausende Jacken und Hosen gegangen. Sie werden sorgfältig geprüft, geordnet und dann ausgegeben.

Ehrenamtliche Arbeit

Kleiderkammer will mit Teestube und Spieleabenden das Ankommen erleichtern 

Mit einigen Mitstreitern hat Monika Nicol vor gut drei Jahren in Niederrad eine Kleiderkammer für Flüchtlinge auf die Beine gestellt. Das ist nicht die einzige ehrenamtliche Aufgabe der 51-Jährigen.

Frankfurt - Eines ist Monika Nicol wichtig: Sie helfe gern, sagt die 51-Jährige – „aber ich muss wissen, dass das auch funktioniert“. Und: „Ich muss praktisch arbeiten.“ Insofern ist das Projekt, das sie vor gut drei Jahren zusammen mit ihrer Mitstreiterin Birgit Lenz in Niederrad angestoßen hat, für sie typisch: eine Kleiderkammer für Flüchtlinge im Gemeindezentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus in Niederrad, die jeden Dienstag von 17 bis 18.30 Uhr geöffnet hat. 

Großer Bedarf für Kleidungsstücke

Tausende von gespendeten Hosen, Pullovern, Jacken und anderen Kleidungsstücken dürften seitdem durch die Hände Monika Nicols und der sieben anderen Helfer gewandert sein. Der Bedarf ist nach wie vor groß. „Wir brauchen immer jahreszeitgemäße Kleidung“, sagt die 51 Jahre alte Frau. 

Hauptsächlich für Männer, denn die machen den Großteil der Kunden aus. Und vor allem in kleinen Größen. Schließlich sind die meisten Syrer, Äthiopier und Eritreer, die kommen, von schmaler Statur. Nachdenklich mustert Monika Nicol einen dunkelblauen Strickpullover, den sie gerade aus einer Tüte geholt hat. Ein gutes Stück, allerdings in Größe XL. „Da passen meine Jungs fünfmal rein“, seufzt sie. 

Angegliederte Teestube soll Anschluss erleichtern

Meine Jungs – das zeigt, wie vertraut ihr und den anderen Unterstützern viele der Geflüchteten geworden sind. Das liegt auch an der Teestube, die an die Kleiderkammer angegliedert wurde, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Und an den monatlichen Koch- und Spieleabenden, die Monika Nicol inzwischen selbst organisiert. 

Doch ihr Engagement geht weit darüber hinaus. Viele Geflüchtete hat sie schon bei Behördengängen begleitet. Hat ihnen beim Ausfüllen von Formularen geholfen, bei Bewerbungsschreiben, bei Job- und Wohnungssuche. Im Gegenzug sind „ihre Jungs“ auch gern zur Stelle, wenn sie Hilfe braucht bei Veranstaltungen in der Kirchengemeinde. 

„Für mich ist erst mal der Mensch wichtig“ - Großes Engagement

Warum sie sich für Flüchtlinge engagiert? „Was wäre denn, wenn meine Tochter in so einer Situation wäre?“, fragt sie zurück. „Da würde ich auch wollen, dass ihr geholfen wird.“ Für andere da zu sein, das treibt sie an. Und ihr christlicher Glaube. Wobei es für sie keinen Unterschied macht, ob jemand Moslem ist oder Christ: „Für mich ist erst mal der Mensch wichtig.“ Und die Gemeinschaft, vor allem die in der Kirchengemeinde. 

Eine Erfahrung, die sie schon früh machte. Als Jugendliche habe sie zusammen mit einer Freundin eine Kindergruppe geleitet, erzählt sie. Irgendwann kam die Organisation von Kinder- und Gemeindefesten, die Arbeit in diversen Ausschüssen, schließlich der Vorsitz im Pfarrgemeinderat. Heute fungiert sie als Vorsitzende des Ortsausschusses und wirkt daneben noch in der Blumen-AG sowie im Festausschuss mit. 

Rund zehn Stunden wendet Monika Nicol pro Woche für ihr ehrenamtliches Engagement auf – neben den 25 Stunden, die sie als zahnmedizinische Fachangestellte arbeitet. Ihr Mann und ihre 22 Jahre alte Tochter fänden das gut, sagt sie. Ein Stück Heimat sei die Kirchengemeinde für sie. 

Dieses Gefühl will sie auch anderen Menschen vermitteln. Vor allem denjenigen, die ihr Zuhause verloren haben. 

von Brigitte Degelmann

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