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So könnte es vielleicht bald an mehr Orten in Frankfurt aussehen.

Klima- und Lärmschutz

Weniger Bahn-Lärm in Frankfurt durch begrünte Gleisbetten?

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Die Fraktion „Die Frankfurter“ hat eine Idee: Die Gleisbetten in der Stadt zu begrünen. Denn das wäre gut fürs Klima und obendrein lärmschluckend. Auf 12,4 Kilometern gibt es solche Rasengleise schon, 24 weitere Kilometer wären laut Verkehrsdezernat noch möglich.

Frankfurt - Die Mainmetropole hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekord aufgestellt: An keinem Ort in Deutschland war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit einem Jahresmittelwert von 12,9 Grad so warm wie im Frankfurter Westend. Kein Wunder, hatte der vergangene Sommer doch die Hitzewelle im Jahr 2003 in den Schatten gestellt. 86 Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad hat es in Frankfurt im vergangenen Jahr gegeben. An 36 Tagen war es sogar wärmer als 30 Grad. Angesichts des Klimawandels wird dies nicht der letzte Hitzesommer gewesen sein – da sind sich die Experten sicher. 

Bäume sollen Frankfurter Sommer erträglicher machen: jährlich 1000 neue Bäume geplant

Doch wie kann man in der Stadt für Abkühlung sorgen? Mit Entsiegelung und Vegetation. Deshalb möchte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) jährlich 1000 neue Bäume pflanzen. Das hatte sie kürzlich im Stadtparlament angekündigt. Zudem müsste ihrer Ansicht nach für jeden Quadratmeter, der in Zukunft versiegelt wird, an anderer Stelle Asphalt oder Beton aufgebrochen und begrünt werden. 

Fraktion „Die Frankfurter“ wollen zusätzlich mehr begrünte Gleise

Die Fraktion „Die Frankfurter“ hat da noch eine ganz andere Idee: Begrünte Gleise. Immerhin erstrecke sich das Schienennetz von Straßenbahn und U-Bahn auf einer Länge von fast 70 Kilometern durch die Stadt. Aber nur 12,4 Kilometer Gleise sind begrünt, etwa die Strecke entlang der Friedrich-Ebert-Anlage an der Messe. Nach Ansicht der Fraktion „Die Frankfurter“ sei aber auch der Streckenabschnitt der Straßenbahnlinie 11 und 21 auf der Mainzer Landstraße zwischen den Stationen Nied Kirche und Gallus Mönchhofstraße geeignet – um ein Beispiel zu nennen. 

Rasengleise haben viele Vorteile

Rasengleise erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Länge begrünter Straßenbahngleise in Deutschland auf 600 Kilometer verdoppelt. Das wundert nicht: Rasengleise haben einen positiven Einfluss auf das Stadtklima, sie dienen als Wasserspeicher, regulieren die Umgebungstemperatur infolge Verdunstung, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und binden Feinstaub. Zudem senken begrünte Gleise die Lärmemissionen vorbeifahrender Straßenbahnen. So haben Messungen der TU Dresden ergeben, dass sich die Lautstärke bei Rasen- statt Schotter- oder Asphaltdecken um bis zu acht Dezibel reduziert. 

Laut Verkehrsdezernat gibt es in Frankfurt durchaus noch Potenzial, Streckenabschnitte in der Stadt zu begrünen. Im Straßenbahnnetz würden rund 14 Kilometer zweigleisige Streckenabschnitte und im U-Bahnnetz rund zehn Kilometer infrage kommen. So steht es in einem aktuellen Magistratsbericht. 

Teures Unternehmen: Ein Meter Rasengleis kostet 1000 Euro

Bis es in Frankfurt noch mehr begrünte Gleise gibt, kann es allerdings noch dauern. Denn Schienen werden immer nur nach „bau- und sicherheitstechnischem Zustand des Gleiskörpers“ erneuert und nicht, weil man eine Begrünung priorisiert. Das sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbar. Im Durchschnitt kostet ein Meter Rasengleise rund 1000 Euro mehr als konventionelle Streckenabschnitte. Weiter heißt es in dem Magistratsbericht: „Die Entscheidung für oder gegen Grüngleise entwickelt sich unabhängig von der Frage der Finanzierung. Sie muss letztlich auf der städtebaulichen Gesamtbetrachtung des Straßenraumes beruhen. Bei der städtebaulichen Gesamtbetrachtung werden Aspekte des Stadt- und Mikroklimas berücksichtigt.“

von Julia Lorenz

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